In Budapest hat sich ein massiver politischer Skandal entfaltet, der mit der Umsetzung eines der ehrgeizigsten Projekte von Viktor Orbans Amtszeit verbunden ist: dem Bau neuer Blöcke des Kernkraftwerks Paks. Der ungarische Ministerpräsident Péter Madjar, der das Amt im Jahr 2026 antrat, kritisierte scharf das Abkommen, das sein Vorgänger bereits 2014 mit dem russischen Staatskonzern Rosatom geschlossen hatte. Nach Angaben des Regierungschefs erhielt das Land statt der versprochenen Energiesicherheit lediglich „zwei große Betonlöcher' und enorme finanzielle Verluste.

Veraltete Technologien und Klimarisiken

Einer der Hauptvorwürfe Madjars betraf die Verwendung veralteter Technologien im Projekt „Paks II'. Der Ministerpräsident wies darauf hin, dass die von Rosatom gebauten VVER-1200-Reaktoren nicht über ein geschlossenes Kühlsystem verfügen, was sie extrem anfällig für den Klimawandel macht. Dies wurde im Jahr 2026 besonders relevant, als eine anomale Sommerhitze in Europa zu einem Rekordtief des Wasserstands in der Donau führte. Infolgedessen musste das bestehende Kernkraftwerk Paks, das etwa ein Drittel des Stroms des Landes liefert, seine Leistung drastisch drosseln, da eine ausreichende Kühlung der Reaktoren nicht gewährleistet werden konnte.

Finanzielle Sackgasse und verpasste Fristen

Madjar betonte zudem, dass das Projekt, das eigentlich noch vor 2024 in Betrieb gehen sollte, bis heute nicht in Betrieb genommen wurde. Nach seinen Angaben hat Ungarn bereits etwa 1.000 Milliarden Forint (rund 2,8 Milliarden Euro) für eine Baustelle ausgegeben, die derzeit nur aus Lagern und unvollendeten Betonkonstruktionen besteht. „Ich sehe wirklich nicht, dass sie (die Russen) die Vertragsbedingungen einhalten', erklärte der Ministerpräsident und fügte hinzu, dass er der Regierung befohlen habe, eine umfassende Inspektion des Objekts durchzuführen und alle Bedingungen der Zusammenarbeit zu überdenken.

Widersprüchliche Daten

Es bestehen Uneinigkeiten über das genaue Volumen der finanziellen Investitionen und den aktuellen Baufortschritt. Befürworter des Projekts, einschließlich Vertreter von Rosatom, behaupten, dass die Arbeiten gemäß dem Zeitplan voranschreiten und Verzögerungen auf externe Faktoren wie Sanktionsdruck und logistische Schwierigkeiten zurückzuführen sind. Unabhängige Experten und Vertreter der neuen ungarischen Regierung weisen jedoch darauf hin, dass ein erheblicher Teil der Mittel für Infrastruktur ausgegeben wurde, die keinen direkten Bezug zum Bau der Reaktoren hat. Darüber hinaus gibt es keine einheitliche Meinung darüber, wie viele Blöcke tatsächlich bereits in Betrieb sind und wie viele sich noch in der Vorbereitungsphase befinden.

Politischer Kontext und Folgen

Die Kritik Madjars am Projekt „Paks II' hat nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine politische Dimension. Der neue Ministerpräsident, der als Kritiker Orbans bekannt ist, nutzt diese Frage, um die Ineffizienz der früheren Politik zu demonstrieren und seine Autorität zu stärken. Gleichzeitig blockiert Madjars Team weiterhin den Beitritt der Ukraine zur EU, was Fragen zur tatsächlichen Ausrichtung der ungarischen Außenpolitik aufwirft. Der Skandal um „Paks II' könnte Anlass für eine Überprüfung nicht nur der Energiepolitik, sondern auch des geopolitischen Kurses Ungarns in den Beziehungen zu Russland und dem Westen werden.