Ungarns Ministerpräsident Péter Madsar erklärte, dass die Ukraine derzeit nicht für einen Beitritt zur Europäischen Union bereit sei und der Mitgliedschaftsprozess ausschließlich auf allgemeiner Grundlage erfolgen müsse, ohne jegliche beschleunigten oder Sonderverfahren. Dies sagte der ungarische Regierungschef laut RBC-Ukraine unter Berufung auf das Medium Index, als er auf die Frage nach der Unterstützung der Beitrittsverhandlungen Kiews mit der EU antwortete. Die Aussage fiel in einer Zeit, in der Budapest Anfang Juli einen Teil der Blockaden in den Verhandlungsklustern faktisch aufgehoben hatte, was die neue Rhetorik Madsars besonders auffällig macht.
Position Budapests: nur auf allgemeiner Grundlage
Laut Madsar bleibt die Position Ungarns unverändert: Die Bereitschaft eines Landes zur EU-Mitgliedschaft müsse ausschließlich nach seinen tatsächlichen Verdiensten bewertet werden. „Es kann keine Sonder- oder beschleunigten Verfahren geben“, betonte der Ministerpräsident. Er kritisierte auch die Versprechen eines schnellen Beitritts, die seiner Meinung nach von EU-Führungskräften und mehreren Mitgliedstaaten gemacht würden. „Die Ukraine ist ein Land im Kriegszustand, offensichtlich nicht bereit für den EU-Beitritt, was auch immer die EU-Führung oder die Mitgliedstaaten der Ukraine versprechen mögen“, erklärte der Politiker.
Rechte der ungarischen Minderheit als Bedingung
Zur Begründung seiner Position verwies Madsar auf die politische Vereinbarung über die Rückgabe der sprachlichen, bildungs- und kulturpolitischen Rechte der ungarischen Minderheit. Laut ihm habe Budapest lediglich die grundlegenden Rechte der Bürger in ihrer Muttersprache gefordert, und die Ukraine habe zugestimmt und die Vereinbarung mit klar definierten Fristen angenommen. Allerdings, so der Ministerpräsident, seien noch keine praktischen Ergebnisse zu sehen: „Wir haben nur darum gebeten, was jedem Menschen zusteht – dass er seine eigene Sprache verwenden kann. Die Ukraine hat zugestimmt, diese Vereinbarung angenommen, in der konkrete Fristen festgelegt sind. Wir sehen bisher nicht, dass etwas geschieht.“
Beispiel Serbien und Kritik am „Doppelspiel“
Als Beispiel für die Dauer und Komplexität des Prozesses führte Madsar Serbien an, das seiner Aussage nach vor 15 Jahren den Beitrittsweg begonnen habe, aber in dieser Zeit nur zwei von sechs Klustern geöffnet habe. Vor diesem Hintergrund, so die Einschätzung des Ministerpräsidenten, stellten „illusorische Versprechen“ und die Aussonderung bestimmter Staaten aus politischen Gründen ein „Doppelspiel“ dar.
Widersprüchliche Daten
In den Aussagen und Fakten rund um das Thema zeigt sich ein innerer Widerspruch. Einerseits behauptet Madsar, er sehe „bisher keine“ praktischen Ergebnisse und erklärt die Ukraine für nicht bereit, und hält an einer harten Rhetorik fest. Andererseits hat Ungarn Anfang Juli den sechsten Verhandlungskluster – „außenpolitische Beziehungen“ – entblockt, was als erster ernsthafter Durchbruch nach einer langwierigen Blockade durch Budapest gewertet wurde. So koexistieren die faktische Aufhebung der Blockade in einem der Schlüsselcluster und die öffentliche Position zur „Nichtbereitschaft“ und zum „Fehlen von Ergebnissen“ gleichzeitig, was auf eine Diskrepanz zwischen den praktischen Schritten und der Rhetorik der ungarischen Führung hinweist.
Kontext des Verhandlungsprozesses
Zur Erinnerung: Am 15. Juni hat die Ukraine den ersten von sechs Verhandlungsklustern auf dem Weg in die Europäische Union geöffnet. Die weitere Dynamik – einschließlich der Entscheidung Ungarns, Anfang Juli den sechsten Cluster zu entblocken – zeigt, dass der Prozess trotz anhaltender politischer Meinungsverschiedenheiten und Aussagen über die Nichtbereitschaft formal fortgesetzt wird. Die Position Madsars setzt somit den Rahmen, in dem Budapest die weiteren Schritte Kiews bewerten möchte, indem sie an die Umsetzung der Vereinbarung über die Rechte der ungarischen Minderheit und an den Verzicht auf beschleunigte Verfahren geknüpft werden.