Der ungarische Ministerpräsident Péter Madsar erklärte, dass Budapest weiterhin Schutz für ukrainische Männer im Wehrpflichtalter gewähren werde, die die Grenze zu Ungarn überschreiten, trotz der jüngsten Entscheidung der Europäischen Union, den vorübergehenden Schutz einzuschränken. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Berufung auf eine Erklärung des Chefs der ungarischen Regierung auf Facebook.
Die Entscheidung Budapests
Laut Madsar hat die EU vor einigen Wochen eine Entscheidung über den vorübergehenden Schutz ukrainischer Männer im Wehrpflichtalter getroffen, in deren Folge ihnen bei Problemen mit den Wehrpassdokumenten nun die Bewilligung verweigert werden soll. „Gleichzeitig hat die Regierung gestern beschlossen, dass Ungarn anders handeln und so vorgehen wird, dass auch Männern, die wehrpflichtig sind und in das ungarische Gebiet fliehen, der Asylstatus gewährt wird“, zitiert das Medium den Ministerpräsidenten.
Betonung der ethnischen Ungarn
Der Politiker betonte, dass die getroffene Entscheidung in erster Linie die ethnischen Ungarn aus dem Transkarpatien betreffe. „Offensichtlich, in erster Linie mit Blick auf unsere ungarischen Landsleute im Transkarpatien, wird die Zahl solcher Flüchtlinge immer größer“, merkte er an und wies auf den wachsenden Zustrom solcher Flüchtlinge hin.
Kritik an der EU-Position
Madsar nannte die Entscheidung der Europäischen Union „unwürdig und unverständlich“ und erklärte, dass Brüssel „im Wesentlichen Väter und Großväter in einem Land, das im Kriegszustand ist, einschließt und ihnen keine Hilfe leistet, obwohl die Regeln bisher andere waren“. Damit distanzierte sich der ungarische Ministerpräsident öffentlich von der gemeinsamen Linie des Blocks.
Kontext: Beitritt der Ukraine zur EU
Zuvor hatte Madsar laut RBC-Ukraine die Ansicht geäußert, dass die Ukraine noch nicht auf einen EU-Beitritt vorbereitet sei und der Mitgliedschaftsprozess ausschließlich nach allgemeinen Regeln und ohne beschleunigte Verfahren erfolgen müsse. Im Juli wurde nach einer langen Blockade durch Budapest der erste wichtige Durchbruch beim EU-Beitritt der Ukraine erzielt: Die ungarischen Behörden stimmten zu, das Verfahren zur Öffnung einer der Verhandlungscluster zu beginnen. Dabei wurde die Öffnung des zweiten und dritten Verhandlungsclusters, die sich auf die Integration in den Binnenmarkt sowie auf die Wirtschafts- und Sozialpolitik beziehen, verschoben.
Widersprüchliche Angaben
In dieser Frage weichen die Positionen der beiden Seiten voneinander ab. Einerseits hat die Europäische Union auf Blockebene beschlossen, den vorübergehenden Schutz ukrainischer Männer im Wehrpflichtalter einzuschränken, indem bei Problemen mit den Wehrpassdokumenten die Bewilligung verweigert wird. Andererseits hat die ungarische Regierung offiziell erklärt, anders handeln und solchen Männern, die die Grenze überschreiten, den Asylstatus gewähren zu wollen. Tatsächlich entsteht innerhalb des einheitlichen EU-Raums eine Divergenz zwischen der europaweiten Linie und der nationalen Politik Budapests; dabei ist die tatsächliche Umsetzung der ungarischen Entscheidung in der Praxis in den Quellen noch nicht bestätigt.