Bundeskanzler Friedrich Merz hat den Versuch einer Sabotage am Flughafen Leipzig/Halle erstmals offiziell kommentiert. Vor der Kabinettssitzung im Schloss Neuhardenberg erklärte er, dass Berlin gemeinsam mit den Nachrichtendiensten eine intensive Ermittlung führe und die Drahtzieher des Angriffs „in Kürze' benannt werden würden; den Tätern drohe „schärfste Verantwortung'. Zuvor hatte Merz am 7. August nach dem Vorfall den Nationalen Sicherheitsrat einberufen.
Was die Ermittler herausgefunden haben
Laut BKA und Bundesanwaltschaft waren bei der Operation mehrere Drohnen im Einsatz. Die erste Drohne mit einer Semtex-Sprengladung wurde am 4. August bei einer ukrainischen Antonow An-124 der Antonov Airlines entdeckt; die zweite stieß in der Luft mit einer Frachtmaschine von DHL zusammen; die dritte wurde auf einem Feld bei der Ortschaft Kabelsketal gefunden, wo die Ermittler Spuren von 50 g Hexogen feststellten, und im Ort Kurzdorf wurde eine getarnte Steuerantenne an einem Baum entdeckt. Experten betonen, dass der Zünder der ersten Ladung aus technischer Ursache nicht ausgelöst wurde, die Sprengkraft jedoch ausgereicht hätte, um den Flügel des Flugzeugs zu zerstören.
Widersprüchliche Angaben
Die Zeitungen Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR berichten unter Berufung auf Quellen in den Sicherheitsbehörden über indirekte Hinweise, die auf die Beteiligung russischer Nachrichtendienste an der Koordination der Sabotage hindeuten. Moskau weist diese Vorwürfe zurück. Damit sind der Anschlag und der Stand der Ermittlungen bestätigt, während die Zurechnung der Verantwortung auf dem Niveau indirekter Hinweise und offizieller Dementis bleibt.
Politische Folgen
Der Vorfall erhöht den Druck auf die Regierung: Der Innenminister Niedersachsens forderte den Einsatz der Bundeswehr zur Luftverteidigung und elektronischen Kriegsführung um zivile Flughäfen und Häfen. Im Hintergrund des Bundestags wird über eine Erweiterung der Befugnisse des BND für offensive Cyberoperationen und präventive Sabotage im Ausland sowie über eine mögliche Schließung des Kulturzentrums „Russisches Haus' in Berlin diskutiert. Merz fasste zusammen: „Wir befinden uns nicht im Krieg, aber wir leben nicht mehr in Frieden'.