Im Kennedy Space Center in Florida hat sich eine neue Aktivität entfacht. Weniger als drei Monate nach dem erfolgreichen Abschluss der Mission Artemis II haben die Ingenieure der NASA einen entscheidenden Schritt in der Vorbereitung unternommen: Der Zusammenbau der Trägerrakete Space Launch System (SLS) für die nächste bemannte Expedition – Artemis III – hat begonnen.

Dieses Ereignis markiert den Übergang von der Technologieerprobung zur aktiven Vorbereitung eines echten Flugs, der die Menschheit auf die Mondoberfläche zurückbringen soll. Die Arbeit läuft in mehreren Schlüsselbereichen des Zentrums gleichzeitig auf Hochtouren.

Zusammenbau in der riesigen Halle VAB

Der Hauptprozess läuft im legendären Vehicle Assembly Building (VAB) ab. Im Juli begannen die Fachleute mit der Installation der ersten Segmente des linken Feststoffboosters. Dies sind massige Konstruktionen, die den Hauptantrieb beim Start liefern.

Die übrigen Komponenten der Booster waren bereits im Juni per Eisenbahn im Zentrum eingetroffen. Derzeit durchlaufen sie sorgfältige Prüfungen, Bearbeitung und das Aufbringen spezieller Schutzbeschichtungen. Nach Abschluss der Vorbereitung werden sie nacheinander in das VAB transportiert, wo sie auf die modernisierte mobile Startplattform montiert werden. Diese Plattform wurde bereits für die Mission Artemis II verwendet und hat die notwendigen Reparaturen und Updates erhalten.

Montage der Triebwerke und der Zentralstufe

Parallel dazu läuft der Zusammenbau der Zentralstufe der Rakete. Die wichtigsten Etappen wurden bereits im Frühjahr bewältigt: Im Mai verbanden die Spezialisten den Haupttreibstofftank mit dem Triebwerksabteil. Im Juni wurden die ersten beiden RS-25-Triebwerke in die Halle geliefert – legendäre Antriebsaggregate, die sich durch die Zeit bewährt haben.

Sobald zwei weitere Triebwerke auf die Baustelle geliefert werden, werden sie an der Stufe montiert. Damit wird der Zusammenbau des zentralen Teils der Rakete abgeschlossen, woraufhin die Integration aller Elemente zu einem einzigen Komplex und die nachfolgenden Tests beginnen werden.

Training für das Kontrollteam

Vorbereitet wird nicht nur das „Eisen', sondern auch die Menschen. Im Rocco Petrone Launch Control Center führen die Teams seit Mai monatlich Volltrainings für den Startablauf durch. Ingenieure und Operatoren üben die Verfahren zum Betanken der Rakete mit Treibstoffkomponenten und, was besonders wichtig ist, die letzten 10 Minuten vor dem Start. Solche Proben ermöglichen es, die Koordination der Aktionen bis zur Automatisierung zu verfeinern, bevor die eigentliche Operation stattfindet.

Endmontage des Raumschiffs Orion

In der benachbarten Operations and Checkout Building (OCB) haben die Spezialisten die Installation des Hitzeschildes des bemannten Raumschiffs Orion abgeschlossen. Dies ist eine der komplexesten Konstruktionen, bestehend aus 186 Blöcken des ablativen Materials Avcoat. Jeder Block wird individuell geprüft.

Die Konstruktion des Schildes wurde überarbeitet, basierend auf den Daten der unbemannten Mission Artemis I. Ziel der Änderungen ist es, gleichmäßigere Eigenschaften des Hitzeschutzmateriales über die gesamte Oberfläche des Raumschiffs zu gewährleisten, was für die Sicherheit der Besatzung bei der Rückkehr von entscheidender Bedeutung ist.

Darüber hinaus hat das Servicemodul von Orion erfolgreich akustische Tests bestanden. Während der Tests wurde das Gerät starken Schallwellen ausgesetzt, die die Belastungen beim Start simulierten. Die Reaktion der Konstruktion wurde mit Hilfe von Tausenden von Sensoren aufgezeichnet. Nach der Installation des Hitzeschilds werden die Spezialisten mit der endgültigen Zusammenführung des bemannten und des Servicemoduls beginnen.

Ziele der Mission und Ausblick

Laut dem aktuellen Plan der NASA soll die Mission Artemis III im nächsten Jahr stattfinden. Das Hauptziel dieses Flugs wird jedoch nicht die Landung auf dem Mond sein, sondern die Erprobung von Technologien auf einer niedrigen Erdumlaufbahn. Die Besatzung des Raumschiffs Orion wird einen Test für Annäherung und Andocken an Testversionen kommerzieller Mondlandefahrzeuge durchführen.

Diese Daten sind notwendig für die Vorbereitung auf die Mission Artemis IV, im Rahmen derer im Jahr 2028 die erste Landung von Astronauten auf der Mondoberfläche seit einem halben Jahrhundert geplant ist.