Die amerikanische Weltraumbehörde NASA bereitet eine neue wissenschaftliche Mission namens GIMLI (Geophysical Instruments for Marius Lunar Pit Investigation) vor, die darauf abzielt, unterirdische Tunnel und Höhlen auf der Mondoberfläche direkt zu erforschen. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Berufung auf eine Veröffentlichung im Wissenschaftsmagazin Science Daily. Im Fokus der Forscher steht das Marius Hill Pit — ein riesiger Krater in den Marius Hills mit einer Tiefe von bis zu 46 Metern und einer Breite von 91 Metern. Wissenschaftler klassifizieren ihn als „Oberlicht“ (Skylight), also die eingebrochene Decke einer unterirdischen Lavaröhre, die durch die einstige vulkanische Aktivität des Erdtrabanten entstanden ist.
Von Orbitalaufnahmen zur Feldgeologie
Bisher wurde das Marius Hill Pit ausschließlich aus der Ferne untersucht, mithilfe von Satelliten und Teleskopen. Das neue GIMLI-Programm ändert diesen Ansatz grundlegend: Spezialisten des Planetary Science Institute werden einen Mond-Rover mit einer Reihe geophysikalischer Instrumente ausstatten, um direkt am Boden des Kraters Messungen durchzuführen. Nach Angaben der Forscher wird die Analyse der freigelegten Regolith- und erstarrten Lavaschichten es ermöglichen, die Chronologie der vulkanischen Prozesse auf dem Mond zu rekonstruieren und die Zusammensetzung alter magmatischer Ströme zu bestimmen, die zuvor für direkte Beobachtungen unzugänglich waren.
Wer und wie das Projekt umsetzt
Die meisten wissenschaftlichen Instrumente für die GIMLI-Mission werden von der Firma Honeybee Robotics entwickelt und gefertigt. Die Finanzierung des Projekts erfolgt im Rahmen des NASA-Programms PRISM (Planetary Science Instrumentation and Research), und der Transport des Rovers mit seinen Instrumenten zur Mondoberfläche wird von einem privaten Auftragnehmer im Rahmen der Commercial Lunar Payload Services (CLPS)-Initiative übernommen. Damit wird die Mission ein weiteres Beispiel für die Partnerschaft der NASA mit dem kommerziellen Sektor im Rahmen des Mondprogramms.
Höhlen als Schutzschild für zukünftige Siedler
Das praktische Interesse an den unterirdischen Strukturen des Mondes ist eng mit der Sicherheit langfristiger Expeditionen verknüpft. Aufgrund des Fehlens einer dichten Atmosphäre ist die exponierte Mondoberfläche ständig harter Sonnen- und kosmischer Strahlung, Mikrometeoriteneinschlägen und extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt – von plus 127 °C tagsüber bis zu minus 173 °C nachts. Unterirdische Lavaröhren können nach Einschätzung von Wissenschaftlern als natürlicher Strahlungsschutz dienen und die Strahlenbelastung um ein Vielfaches reduzieren.
Perspektiven für eine permanente Mondbasis
Die Nutzung natürlicher Höhlen und Tunnel als Schutzräume, so die Forscher, würde den Bau dauerhafter bewohnter Mondbasen erheblich vereinfachen und verbilligen. Statt massiver künstlicher Konstruktionen mit meterhohen Schutzschichten könnten Siedler Wohn- und Arbeitsmodule in bereits vorhandenen geologischen Formationen unterbringen und so für stabile Lebensbedingungen sorgen. Das Marius Hill Pit mit seinen beachtlichen Ausmaßen gilt als einer der vielversprechendsten Kandidaten für diese Aufgabe, und die Daten der GIMLI-Mission werden das erste detaillierte geophysikalische Profil eines solchen Objekts liefern, das „vom Boden aus“ gewonnen wurde.