Die US-Raumfahrtbehörde NASA hat wesentliche Änderungen an der Architektur der Mission Artemis 3 vorgenommen. Laut einem Dokument, das vom Behördenleiter Jared Isaacman unterzeichnet wurde, wird die Mission anstelle der geplanten Landung von Astronauten auf der Mondoberfläche groß angelegte Tests von Schlüsseltechnologien in einer erdnahen Umlaufbahn beinhalten. Im Laufe von etwa zwei Wochen sollen drei Schwerlastraketen verschiedener Hersteller vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida gestartet werden, um die für eine künftige Mondexpedition erforderlichen Systeme zu überprüfen. Damit wird Artemis 3 faktisch in einen umfassenden „Prüfstand“ für die Erprobung von Dockings und Lebenserhaltungssystemen verwandelt, bevor die Besatzung zum Südpol des Mondes aufbricht.
Drei Raketen, drei Phasen: So ist die Testkampagne aufgebaut
Der erste Schritt der Kampagne wird der Start der New-Glenn-Rakete von Blue Origin sein, die eine Testversion der Mondlandefähre Blue Moon Mark 2 in eine niedrige erdnahe Umlaufbahn in etwa 439 km Höhe bringt. Als Nächstes steigt das bemannte Orion-Raumschiff auf einer Space Launch System (SLS)-Rakete in eine Umlaufbahn von ca. 555 km Höhe auf. Orion wird mit dem Modul Blue Moon Mark 2 andocken, wonach die Besatzung mehrere Tage im gekoppelten Zustand verbringen wird, um Lebenserhaltungssysteme, Druck, die Zusammensetzung der Atmosphäre und die Software der Landefähre zu überprüfen. Nach Abschluss der Tests wird Orion abdocken, um sich auf die nächste Phase vorzubereiten.
Besatzung und orbitale Phase der Mission
An Bord von Orion werden laut NASA-Angaben die Astronauten Randy Bresnik, Frank Rubio und Andre Douglas sowie der Astronaut der Europäischen Weltraumorganisation ESA, Luca Parmitano, sein. Ihre Aufgabe in der Umlaufbahn ist keine Landung, sondern die Verifizierung, dass die Landefähre und das Raumschiff unter Bedingungen, die einer Mondmission maximal nahekommen, sicher im Verbund arbeiten können. Dies hilft, Risiken zu minimieren, bevor die Technik für eine reale Landung auf dem Erdsatelliten eingesetzt wird.
Starship und der finale Docking-Test
Den finalen Teil der Tests wird SpaceX durchführen, indem sie eine Starship-Trägerrakete der Version 3 mit einem an der Vorderseite installierten Docking-System starten. Das Docking mit dem Orion-Raumschiff wird von kurzer Dauer sein – etwa zwei Stunden. Die Astronauten werden nicht in das Starship überwechseln: In dieser Phase überprüfen sie lediglich das Zusammenspiel der Systeme und den Prozess der Fixierung der Apparate im Weltraum. Dieses Format ermöglicht es, zwei konkurrierende Lander-Lösungen – Blue Moon Mark 2 von Blue Origin und Starship von SpaceX – gleichzeitig zu erproben, aus denen die NASA im Anschluss das Gerät für die Mondlandung auswählen wird.
Zeitplan: Drei Monate Verzögerung und das optimistische Szenario
In Isaacmans Dokument wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Vorbereitungen für die Mission Artemis 3 derzeit drei Monate hinter dem Zeitplan zurückliegen. Dem optimistischen Szenario zufolge wird der Start im Sommer 2027 stattfinden. Dies wird den Berechnungen der Behörde zufolge ermöglichen, die Pläne für eine vollwertige Mondlandung im Rahmen der für 2028 geplanten Mission Artemis 4 einzuhalten. Ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor bleibt der Zustand des New-Glenn-Startkomplexes: Die Startrampe wurde durch eine Explosion bei einem statischen Lichttest im Mai beschädigt, jedoch plant Blue Origin, sie bis Ende des Jahres zu reparieren.
Kontext: Das Rennen privater Auftragnehmer um die Mondlandung
Die Überarbeitung von Artemis 3 findet vor dem Hintergrund der Rivalität zwischen Elon Musks SpaceX und Jeff Bezos' Blue Origin um das Recht statt, die ersten Astronauten im 21. Jahrhundert zum Mond zu bringen. Z zuvor hatte die NASA den erfolgreichen Abschluss eines Schlüsseltests für den Vorgänger des Blue Moon Mk2, das Modul Blue Moon Mk1, gemeldet, was die Position von Blue Origin in diesem Rennen stärkt. Gleichzeitig hatte Behördenleiter Jared Isaacman öffentlich erklärt, dass die NASA Astronauten nicht eigenständig auf dem Mond landen könne und die Hilfe privater Unternehmen benötige. Die orbitale Kampagne von Artemis 3 wird im Wesentlichen zu einer praktischen Phase der Auswahl und Feinabstimmung jenes Landemoduls, das die Besatzung im Jahr 2028 zur Mondoberfläche bringen soll.