Vier Einheiten der Nationalgarde der Ukraine haben die ersten zehn bodengebundenen robotergestützten Komplexe (RKB) Protector erhalten, die von der Firma „Ukrainskaja Bronetechika“ (Ukrainische Panzertechnik) entwickelt wurden. Dies berichtete die Zeitung RBC-Ukraine unter Verweis auf die offizielle Facebook-Seite des Herstellers NAUDI. Insgesamt wurden für die Nationalgarde 100 solcher Fahrzeuge mit finanzieller Unterstützung der deutschen Regierung vertraglich vereinbart. Die Lieferung ist ein weiterer Schritt in der systematischen Robotisierung der Frontlogistik, die 2026 von der Kategorie experimenteller Projekte zur regulären Ausrüstung der Verteidigungskräfte übergegangen ist.

Zweck und taktische Fähigkeiten

Der RKB Protector ist für die Ausführung logistischer und Evakuierungsaufgaben direkt im Kampfgebiet bestimmt. Der Roboter kann Munition, Lebensmittel, Kraftstoffe und Schmierstoffe, Ingenieurmaterial und andere Güter transportieren sowie verwundete Kämpfer evakuieren, was das Risiko für das Personal erheblich verringert. Wie der Generaldirektor des Unternehmens, Wladyslaw Belbas, sagte: „Die Robotisierung der Logistik ermöglicht es, wichtige Aufgaben ohne unnötiges Risiko für das Personal zu erfüllen.“ Der Komplex wird bereits an der Front eingesetzt: So arbeitet er in einer separaten Artilleriebrigade der Nationalgarde und wird auf der Dobropolsker Richtung eingesetzt.

Technische Daten

Die Nutzlast des Protector beträgt 1480 kg, die maximale Masse eines Anhängers, den der Roboter ziehen kann, liegt bei 4 Tonnen. Dies ermöglicht es, in einer Fahrt erhebliche Mengen an benötigter Ausrüstung zu transportieren. Die Konstruktion des Fahrzeugs ist im charakteristischen eckigen Stil moderner ukrainischer Panzerfahrzeuge ausgeführt, mit verstärktem Frontstoßfänger und integrierten Sensoren. Auf dem Dach ist ein drehbarer Modus mit Überwachungskamera installiert, der eine Rundumsicht ohne Öffnen der Luke ermöglicht. Der Kommandeur einer separaten Artilleriebrigade der Nationalgarde, Jewgeni Kotscherгин, hob die „Empfindlichkeit und Geschmeidigkeit der Steuerung unter nicht idealen Bedingungen“ hervor und betonte, dass „Leistung, Geschwindigkeit und Nutzlast für sich selbst sprechen“.

Widersprüchliche Daten

In den bereitgestellten Quellen gibt es keinen direkten Widerspruch in den Schlüsselzahlen: Alle stimmen darin überein, dass 10 Komplexe geliefert wurden und der Gesamtvertrag auf 100 Fahrzeuge ausgelegt ist. In den Materialien der UNIAN (Quelle 4) wird jedoch erwähnt, dass der Protector perspektivisch ein Luftabwehrsystem und möglicherweise Laserwaffen zur Bekämpfung feindlicher Drohnen erhalten wird. In der ursprünglichen Meldung von RBC-Ukraine und auf der NAUDI-Seite werden solche Kampfbodule jedoch nicht erwähnt – dort wird der Komplex ausschließlich als logistische Plattform beschrieben. Somit beziehen sich die Informationen über Laserbewaffnung und Luftabwehrdrohnen auf eine perspektivische Modernisierungsoption und sind im Kontext der bereits gelieferten zehn Fahrzeuge nicht bestätigt.

Kontext: Robotisierung als reguläres Element der Frontlogistik

Bodengebundenen robotergestützten Komplexe werden zunehmend zu einem regulären Element der Frontlogistik. Im August 2026 berichtete RBC-Ukraine darüber, welche RKB-Modelle – TerMIT, Ryss PRO, Simba, Ardal, Smei und Ratel – die Verteidigungskräfte auf dem Paraden zum Unabhängigkeitstag zeigten. Der Protector fügt sich in diese Reihe als spezialisierte logistische Plattform mit erhöhter Nutzlast ein. Neben den Bodenrobotern liefert die Firma „Ukrainische Panzertechnik“ den Verteidigungskräften auch andere Entwicklungen: Im selben August wurde über die Panzerfahrzeuge „Warta“ und „Nowator“ berichtet, deren Panzerkapseln die Einschläge von Drohnen-Kamikazes und das Feuer von großkalibrigen Maschinengewehren aushalten.

Kommerzielle Verfügbarkeit und Bestellkanäle

Neben staatlichen Verträgen sind der RKB Protector und das Panzerfahrzeug BPAC „UB60D“ über kommerzielle Kanäle bestellbar. Laut Gazeta.ua und Ukrnews sind die Fahrzeuge auf Lager verfügbar und können über die Plattformen DOT-Chain und Brave1 Market erworben werden. Dies zeigt, dass die ukrainische Robotertechnik für militärische Zwecke allmählich auch einen zivilen/kommerziellen Markt formt, was zu einer zusätzlichen Finanzierungsquelle und zur Skalierung der Produktion werden kann.