Im August 2026 erhielt die Schule für Bodenrobotik-Komplexe KILLHOUSE Academy den schweren unbemannten Komplex Protector, der von der Firma „Ukrainskaja Bronetechika“ (Ukrainische Panzertechnik) übergeben wurde. Gleichzeitig wurde ein zweites identisches Exemplar an eine Kampfeinheit des 3. Armeekorps verlegt. Der Gründer der Schule, der Offizier des Bodenrobotik-Bataillons des 3. separaten Sturmbataillons des Dritten Armeekorps, Wiktor Pawlow (Rufname „Stark“), erklärte in einem Interview mit RBC-Ukraine, wie genau der große Komplex in den Lehrprozess eingebunden werden soll, und gab zudem Details zur Finanzierung der Schule sowie zu den aktuellen Problemen mit dem staatlichen Zertifizierungssystem für Operatoren preis.
Einsatzdoktrin: Logistik statt Pickup
Laut Pawlow orientiert sich die Einsatzdoktrin des großen Bodenrobotik-Komplexes Protector an einer logistischen Aufgabe. Der Komplex transportiert erhebliche Mengen an Fracht zu Zwischenverladeorten, wo die Fracht auf kleinere Bodendrohnen umgeladen wird, die sie anschließend an den Stellungen verteilen. Darüber hinaus ist der Protector in der Lage, die Bodenrobotik-Komplexe selbst näher an den Einsatzbereich zu bringen und übernimmt damit faktisch die Funktion eines Pickups und stellt den Nachschub ohne Einsatz von Personal sicher. „Der Hauptvorteil großer Bodenrobotik-Komplexe besteht darin, dass sie erhebliche Frachtmengen transportieren und große Distanzen überwinden können“, betonte der Gründer der Schule. In der KILLHOUSE Academy wird der Protector als Demonstrationsmittel eingesetzt: Die Auszubildenden lernen den Betrieb des großen Komplexes kennen und erlernen die Fähigkeiten zu seiner Steuerung.
Nachteile der Großplattform
Neben den Vorteilen wies Pawlow auf eine Reihe erheblicher Einschränkungen hin. Je größer die Plattform, desto schwieriger ist sie zu tarnen und desto leichter ist sie aus der Luft zu erkennen, was das Risiko einer Bekämpfung durch den Gegner erhöht. Ein großer Bodenrobotik-Komplex ist zudem schwieriger zu transportieren, zu lagern und zu reparieren, da für seine Instandhaltung mehr Platz benötigt wird. „Grob gesagt, in einer Garage passen nicht mehr vier Bodenrobotik-Komplexe – nur noch einer“, führte der Gründer der Schule als Beispiel an. Aus diesem Grund werden große Komplexe in der Einsatzdoktrin als Glied der Zwischenlogistik betrachtet und nicht als Mittel zum direkten Abtransport von der Front.
Fundraising statt Budget: Wie die Schule lebt
Die Bodenrobotik-Schule KILLHOUSE Academy arbeitet ausschließlich auf Basis von Fundraising – ohne staatliche Finanzierung. Unterstützung leisten Wohltätigkeitsfonds, private Spender und Partner, darunter auch Hersteller von Technik. Die Schule trägt selbst die Kosten für die Bodenrobotik-Komplexe für die praktischen Übungen, die Ausrüstung, die Kommunikationsmittel, das Werkzeug, die Ersatzteile und die Instandhaltungsbasis. Seit der Eröffnung haben rund zweitausend Absolventen die KILLHOUSE Academy durchlaufen. Initiatoren der Schulschaffung waren Vertreter des Dritten Armeekorps, das, wie ein Angehöriger des Bodenrobotik-Bataillons mit dem Rufnamen „Broker“ angab, über die größte Erfahrung im Einsatz von Bodenrobotik-Komplexen unter allen Einheiten der Verteidigungskräfte der Ukraine verfügt. Neben der Ausbildung von Militärpersonal führt die Schule kostenpflichtige Kurse für Zivilisten durch, was die operativen Kosten ebenfalls teilweise deckt.
Widersprüchliche Daten
Formell existiert der staatliche Mechanismus zur Finanzierung der Operatorausbildung seit Oktober 2024, als der Ministerrat die Verordnung Nr. 1129 über ein Experimentierprojekt zur Zertifizierung von Schulen für Operatoren unbemannter Systeme verabschiedete. Im August 2025 wurde die Geltung des Mechanismus auf Bodenrobotik- und Wasserfahrzeuge ausgedehnt. Nach dem ursprünglichen Konzept sollte der Soldat einen Voucher erhalten, eine zertifizierte Schule wählen, die Ausbildung absolvieren und eine Prüfung ablegen, woraufhin der Staat der Schule die Kosten der Ausbildung erstatten sollte. In der Praxis hat der finanzielle Teil des Mechanismus jedoch bis heute nicht funktioniert: Staatliche Prüfer nehmen die Prüfungen ab und unterzeichnen Empfehlungen zur Zuweisung einer militärischen Fachrichtung, aber die Schulen erhalten keine Erstattungen. „Für den Start des Systems sind ein offizieller staatlicher Auftrag zur Operatorausbildung, entsprechende Haushaltsmittel und Verträge mit den Schulen erforderlich. Solange dies nicht vorliegt, bleibt das Voucher-Modell nur auf dem Papier“, erläuterte Pawlow. Es besteht somit ein direkter Widerspruch zwischen dem normativ verankerten Finanzierungsmodell und der tatsächlichen Praxis: Der formelle Mechanismus ist in Kraft, aber die Haushaltsmittel und Verträge, die für seine Funktionsfähigkeit nötig wären, existieren Stand September 2026 nicht.
Entwicklungspläne und Rolle an der Front
Bodenrobotik-Komplexe sind zu einem wichtigen Element der Front geworden: Sie werden zur Evakuierung Verwundeter, zum Nachschub von Munition und zur Logistik in Situationen eingesetzt, in denen der Einsatz von Personal mit einem unzulässigen Risiko verbunden ist. Die Übergabe des schweren Protectors an eine Bildungseinrichtung zeigt, dass große Komplexe bereits aktiv in den Streitkräften eingesetzt werden, und die Ausbildung von Operatoren und Instandhaltungsfachkräften wird zu einer notwendigen Voraussetzung für deren effizienten Einsatz. Die KILLHOUSE Academy, die ihre Lehrkapazitäten ausbaut, sucht weiterhin wohltätige Unterstützung und die Einbindung von Technikherstellern, um die Ausbildung der nächsten Kohorte von Auszubildenden sicherzustellen und das Ausbildungsprogramm auf neue Typen von Robotikplattformen auszuweiten.