Militärische Planer, die im Rahmen der NATO tätig sind, äußern die Befürchtung, dass Europa in einem direkten Konflikt mit Russland in der aktuellen Phase aufgrund unzureichender Kampfbereitschaft nicht in der Lage wäre, einen langen Abnutzungskrieg zu bestehen. Dies wurde laut The Guardian im Rahmen eines geschlossenen Runden Tisches, dem European Defense Roundtable, bekannt, der von der Münchner Sicherheitskonferenz organisiert und diese Woche im Vereinigten Königreich abgehalten wurde. Nach Einschätzung des Mediums spiegelt der im geschlossenen Format geäußerte Pessimismus die Angst wider, dass Russland in dem sogenannten „hybriden Krieg“ gegen Europa die Oberhand gewinnen und damit die Möglichkeiten schwächen könnte, über die die NATO-Planer im Falle eines tatsächlichen bewaffneten Zusammenstoßes verfügen.
Geschlossener Runder Tisch und Bewertung der Kampfbereitschaft
Der zentrale Schluss, der sich den Angaben von The Guardian zufolge bei den Teilnehmern der Diskussion herausgebildet hat, lautet, dass das derzeitige Niveau der Vorbereitung der europäischen Armeen nicht ausreicht, um auf die Führung eines langen Abnutzungskriegs zu hoffen. Es geht nicht um eine einmalige Operation, sondern um ein Szenario, in dem die Fähigkeit der Seiten, ihr Kampfpotenzial über Monate und Jahre hinweg aufrechtzuerhalten und wiederherzustellen, zum entscheidenden Faktor wird. Genau in diesem Horizont sehen die Planer die Schwäche der europäischen Seite: Reserven, Logistik und Nachschubtempo entsprechen ihrer Einschätzung nach derzeit noch nicht den Anforderungen eines langwierigen Konflikts mit einem Gegner wie Russland.
Hybrider Krieg und politischer Bruch
Ein zweiter, für die europäischen Eliten nicht minder beunruhigender Aspekt ist politischer Natur. The Guardian verweist auf den starken Anstieg der Unterstützung für rechtsextreme Parteien in den wichtigsten Militärstaaten Europas, der nach Angaben der Teilnehmer bereits an sich zum Instrument hybriden Drucks Moskaus wird. Ein kürzlich gewähltes Mitglied des britischen Kabinetts räumte ein, dass der Westen die Öffentlichkeit „schlecht“ über das Ausmaß des hybriden Konflikts mit Russland informiert habe. Ein weiterer britischer Diplomat fügte hinzu, dass sich die einander ablösenden britischen Premierminister faktisch um nichts gekümmert hätten, um das Ausmaß der Bedrohung zu erklären, weshalb den Ministern nun die „neidenswerte Aufgabe“ bevorstehe, unvorbereitete Wähler davon zu überzeugen, soziale Ausgaben zu kürzen, um die Verteidigung zu finanzieren. Seinen Worten zufolge habe die Zerstörung der Trennlinie des Kalten Krieges Moskau ermöglicht, die Ängste der europäischen Gesellschaft sowohl linker als auch rechter Prägung ungehindert auszunutzen. Diese Bemerkungen, so das Medium, spiegeln eine breitere Besorgnis hochrangiger europäischer Politiker wider, den hybriden Krieg zu verlieren, was voraussichtlich im nächsten Jahr in Polen, Frankreich und Italien in einem Anstieg rechtspopulistischer Stimmungen seinen Niederschlag finden wird.
Das Problem der „E5“ und die Neujustierung der US-Verpflichtungen
Angesichts dieses Hintergrunds ist auch die institutionelle Initiative zur Schaffung der sogenannten „E5“-Gruppe bedroht – ein Koordinationsbündnis aus fünf europäischen Ländern, darunter Großbritannien, das eine neue Rolle in der militärischen Koordination übernehmen soll. Wie The Guardian betont, wurde diese Initiative als Antwort auf die von den USA vorbereitete Reduzierung der Verpflichtungen zur konventionellen Verteidigung Europas betrachtet. Der Aufstieg der rechten Kräfte in den Schlüsselstaaten macht die Erreichung eines Konsensus innerhalb der „E5“ schwieriger und beraubt die europäische Seite damit eines potenziellen Mechanismus der eigenständigen Koordination in einem Moment, in dem die amerikanische Unterstützung weniger vorhersehbar werden könnte.
Widersprüchliche Daten
Zwischen der öffentlichen Rhetorik und den geschlossenen Bewertungen ist ein deutlicher Bruch festzustellen. Einerseits demonstriert Europa auf offiziellen Plattformen – einschließlich im Kontext des im Juli stattfindenden NATO-Gipfels, über den Euronews und ukrainische Medien berichteten – seine Bereitschaft, die Verteidigung in eigene Hände zu nehmen, gestützt unter anderem auf die Erfahrung und Unterstützung der Ukraine, während die Administration Selenskyjs erklärt, dass der Westen eine Transformation der NATO erwarte und dass die Ukraine eine Garantie für die Sicherheit Europas werden könne. Andererseits sprechen die Planer im geschlossenen Format von der Unfähigkeit Europas, einen Abnutzungskrieg zu bestehen, und vom Verlust des hybriden Krieges. Außerdem wird im Artikel auf die gestrige Veröffentlichung von The Express verwiesen, wonach Russland laut westlichen Sicherheitsquellen „die Grenzen des Zulässigen“ im Konfrontationsverhältnis zur NATO auslotet und eine Welle gezielter Morde und Sabotageakte in Europa vorbereitet; diese Einschätzung hat einen eher spekulativen Charakter und wird in den zitierten Materialien nicht durch andere unabhängige Quellen bestätigt, weshalb sie als ein separater, weniger verifizierter These zu betrachten ist.
Kontext: Manöver vor Island ohne US-Beteiligung
Zusätzlichen Kontext liefern die jüngsten Manöver, im Rahmen derer sich NATO-Verbündete im Raum Islands versammelten, um die Suche und die Jagd auf russische U-Boote zu üben. Laut Medienberichten nahmen die USA erstmals in der mehrjährigen Geschichte dieser Manöver nicht daran teil. Diese Tatsache verstärkt zusammen mit den geschlossenen Bewertungen der Planer den allgemeinen Narrativ, dass die europäische Seite gezwungen ist, Verteidigungsszenarien in einem Umfeld zu durchdenken, in dem die amerikanische Beteiligung weniger garantiert ist und die eigene Bereitschaft, wie von den europäischen Militärs und Politikern selbst eingeräumt, für einen langwierigen Konflikt noch unzureichend ist.