Energiekrise an der Donau: Das AKW Paks reduziert die Leistung auf kritische Werte
Ungarn steht vor einer beispiellosen Herausforderung für seine Energiesicherheit. Das Atomkraftwerk Paks, das Rückgrat des nationalen Energiesystems und für rund 40 % der gesamten Stromerzeugung des Landes verantwortlich, steht vor der Gefahr eines vollständigen Stillstands. Ursache ist eine katastrophale Dürre, die im Sommer 2026 Mitteleuropa erfasst hat und zu einem drastischen Rückgang des Wasserstandes in der Donau geführt hat. Derzeit arbeitet das Kraftwerk, das bis zu 2000 Megawatt liefern könnte, im Notfallmodus und erzeugt lediglich 485 Megawatt. Experten warnen, dass ohne Eingriffe in den nächsten Tagen der Betrieb aller Reaktoren gefährdet ist.
Notmaßnahmen: Versenkung von Barges und Bau von Unterwasserbarrieren
Die ungarischen Behörden sahen sich gezwungen, radikale Methoden zur Rettung der Energieerzeugung anzuwenden. Ministerpräsident Viktor Orbán kommentierte die Situation persönlich und berichtete vom Beginn einer Operation zur künstlichen Erhöhung des Wasserstandes. Als erste Maßnahme wurden zwei Barges in unmittelbarer Nähe der Pumpstation des AKW versenkt. Laut dem Ministerpräsidenten hatte dieser Schritt bereits sichtbare Ergebnisse: Der Wasserstand an den Pumpen stieg um etwa einen Zentimeter. Dies reicht jedoch nicht zur Normalisierung des Betriebs aus.
Parallel zur Versenkung der Barges begannen Fachleute mit dem Bau einer Unterwasserbarriere. Die ingenieurtechnische Aufgabe besteht darin, die Strömung der Donau im kritischen Abschnitt zu verlangsamen, um ein lokales Reservoir mit einem höheren Wasserstand zu schaffen, der für eine effektive Kühlung der Reaktoren notwendig ist. Es wird erwartet, dass innerhalb eines Tages etwa 5.000 metrische Tonnen Steine zur Verstärkung dieser temporären Konstruktion an die Baustelle geliefert werden.
Wirtschaftliche Folgen und regionale Auswirkungen
Ein vollständiger Stillstand des AKW Paks birgt enorme wirtschaftliche Risiken für Ungarn. Nach Schätzungen des staatlichen Unternehmens MVM (das das AKW betreibt) würden die Kosten für den Erhalt des Kraftwerks im Stillstand den Haushalt mindestens 50 Milliarden Forint (rund 159 Millionen Dollar) pro Monat kosten. Diese Summe schließt potenzielle Verluste industrieller Unternehmen nicht ein, die mit einem Stromdefizit konfrontiert sein könnten. Im Falle eines Stillstands müsste Ungarn den Stromimport drastisch erhöhen, insbesondere in den abendlichen Spitzenlastzeiten, was das Land anfällig für Schwankungen am europäischen Energiemarkt machen würde.
Das Problem beschränkt sich nicht auf die Grenzen Ungarns. Der niedrige Wasserstand in der Donau hat bereits die Funktion des Energiesystems des Nachbarlandes Rumänien beeinträchtigt. Anfang dieser Woche musste das rumänische AKW Cernavodă, das flussabwärts liegt, den Betrieb einstellen, da ein ausreichender Zufluss von Kühlwasser nicht gewährleistet werden konnte. Dies zeugt von der weitreichenden Natur der Klimakrise in der Region.
Prognosen und Risiken für die kommende Woche
Die Lage bleibt äußerst instabil. Laut Prognosen von Hydrologen und Energieexperten könnte der Wasserstand der Donau Anfang der nächsten Woche noch unter die kritische Marke fallen. In einem solchen Szenario wären die Behörden gezwungen, eine Entscheidung über das Abschalten einer der beiden noch laufenden Turbinen zu treffen. Sollte der Rückgang des Wasserstandes anhalten, wäre der Betrieb des gesamten Kraftwerks gefährdet, was zu geplanten oder notfallbedingten Stromausfällen im Land führen würde.