Ungarn hat zu beispiellosen ingenieurtechnischen Maßnahmen gegriffen, um einen Energiekollaps zu verhindern. Aufgrund des kritischen Rückgangs des Wasserstands in der Donau, verursacht durch eine extreme Dürre, haben die Behörden des Landes eine Operation zur künstlichen Anhebung des Wasserstands im Bereich des Atomkraftwerks (AKW) Paks eingeleitet. Dies ist notwendig, um den Betrieb des einzigen Atomkraftwerks des Landes aufrechtzuerhalten, das derzeit nur mit einem Viertel seiner Leistung läuft.

Kritischer Wasserstand und Stillstandsgefahr

Stand 15. August 2026 ist der Wasserstand der Donau bei den Wasseraufnahmeanlagen des AKW Paks auf einen Pegel von minus 122 cm gefallen. Hydrologen warnen, dass sich die Situation ohne Eingriffe verschlimmern wird: Bereits am Sonntag wird ein Rückgang auf minus 132 cm erwartet, was einen Notabschaltvorgang einer weiteren Turbine erfordern würde. Die kritische Schwelle liegt bei minus 140 cm; bei Erreichen dieses Niveaus müsste das Kraftwerk den Betrieb vollständig einstellen, da kein Wasser mehr zur Kühlung der Reaktoren entnommen werden kann.

Ingenieurtechnische Operation: Versenken von Barges und Unterwasserbarriere

Um Zeit zu gewinnen, hat die ungarische Regierung das Militär und Spezialfahrzeuge eingesetzt. In einem abgegrenzten Gewässerbereich des Kraftwerks wurden zwei 80 Meter lange Barge senkrecht zur Strömung positioniert und mit 5-Tonnen-Ankern verankert. Industrietaucher führen derzeit eine kontrollierte Versenkungsoperation durch, um einen temporären Damm zu errichten. Dies soll den Wasserstand vor der Entnahmestelle um mindestens 20 cm anheben. Parallel dazu errichten 100 Soldaten rund um die Uhr eine unterwasserliegende Steinschwelle am Flussgrund, wofür die Lieferung von 150.000 Kubikmetern Stein erforderlich ist.

Finanzielle Risiken und politischer Kontext

Ein vollständiger Stillstand des AKW Paks würde der Wirtschaft des Landes einen kolossalen Schaden zufügen. Berechnungen zufolge würden Notkäufe von importiertem Strom den Staatshaushalt monatlich mindestens 159 Millionen Dollar kosten. Die Behörden befürchten, dass eine weitere Absenkung des Flusspegels zum Stillstand des Kraftwerks führen wird, was der Wirtschaft monatlich mindestens 159 Millionen Dollar kosten würde. Vor diesem Hintergrund hat Ministerpräsident Péter Magyar die Opposition scharf kritisiert und die vorherige Regierung der strategischen Fahrlässigkeit und der Unvorbereitetheit auf klimatische Herausforderungen beschuldigt.

Widersprüchliche Daten

Es bestehen Diskrepanzen bei den Einschätzungen der Perspektiven des Projekts „Paks-2'. Einerseits hat Ministerpräsident Péter Magyar offiziell Zweifel an der Zweckmäßigkeit der Fertigstellung neuer russischer Reaktoren geäußert und erklärt, dass der Bau neuer Energieblöcke unter den Bedingungen eines austrocknenden Donaus eine wirtschaftliche Selbstzerstörung sei. Andererseits deuten Quellen darauf hin, dass das Projekt strategisch wichtig für die Energiesicherheit des Landes bleibt und die Frage seiner Umsetzung überdacht, aber nicht endgültig gestrichen wird. Die Opposition besteht jedoch auf einer vollständigen Einstellung der Zusammenarbeit mit „Rosatom', bis die Probleme mit der Kühlung gelöst sind.

Europäischer Kontext

Das Problem beschränkt sich nicht auf Ungarn. Das Nachbarland Rumänien hat sein AKW „Cernavodă' bereits vollständig stillgelegt, ebenfalls aufgrund des Rückgangs des Donauwasserstands. In Frankreich hat das Energieministerium aufgrund der Überhitzung der Flüsse und der anomalen Hitze bereits 6 von 57 Kernreaktoren gezwungenermaßen abgeschaltet. Die Situation in Ungarn ist Teil einer umfassenden europäischen Energiekrise, die durch den Klimawandel und extreme Wetterbedingungen verursacht wird.