Nina Naboka ist eine Schauspielerin, die im Laufe ihrer jahrzehntelangen Karriere die Grenze zwischen Volkskomödie und tiefer dramatischer Darstellung überschritten hat. In ihrem Privatleben musste sie schwere Prüfungen bestehen: den Verlust ihres Elternhauses im Donbass, den Abschied von drei Ehemännern, wobei sie dabei ihre Selbstironie und ihre bürgerliche Haltung bewahrte. In einem Gespräch für Wave (RBC.UA) spricht sie offen darüber, dass ihr größter Schmerz derzeit das zerstörte Elternhaus in Kurachowo und das Gefühl der Scham für Kollegen ist, die sich mitten in den Kampfhandlungen mit einem luxuriösen Leben brüsten. Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Ausschnitte ihrer Erzählung über Kindheit, Krieg und Familie.
Kindheit in Kurachowo: Die Bühne ab dem fünften Lebensjahr
Die Schauspielerin stammt aus der Oblast Donezk, aus der Stadt Kurachowo. Ihren Worten zufolge erinnert sie sich an ihre Kindheit als das Wertvollste: «Seit meiner Kindheit nannten sie mich Ninka-Künstlerin, ich trat im Klub ab fünf Jahren auf. Die Entscheidung, Schauspielerin zu werden, war von der ersten Stunde an, als ich geboren wurde». Sie betont, dass sie sich seit fünf Jahren «nicht von der Bühne lösen konnte», sodass es keine Probleme bei der Berufswahl gab. Zu den angenehmen Erinnerungen zählt sie den Sieg beim Rezitationswettbewerb der Oblast Donezk in der siebten Klasse, wo sie als «Mädchen vom Land» das Kriegsgedicht «Ballade vom Lied» vortrug.
Zerstörtes Haus und beschossener Friedhof
Über den Krieg spricht Naboka ohne Umschweife: «Mein Dorf wurde zerstört, Kurachowo besetzt. Mein Elternhaus gibt es nicht mehr, es wurde zerstört». Sie präzisiert, dass dies das Dorf ist, in dem ihre Paten, Großväter, Urgroßväter und Eltern begraben sind, und dass sogar auf dem Friedhof «Geschosse eingeschlagen haben». «Das ist eine Tragödie im Leben», fasst die Schauspielerin zusammen. Sie gibt zu, dass es «nichts Glücklicheres gibt, als an ihr Dorf zu denken», und träumt davon, hinzufahren, «auf einer Bank zu sitzen, jemanden zu treffen», aber das ist derzeit «schrecklich» und «wird nicht mehr möglich sein», obwohl sie die Hoffnung auf eine Reise bewahrt.
Identität des Donbass: Dreihundert Jahre und einheimische Familiennamen
Auf Fragen zur Herkunft besteht Naboka auf dem ukrainischen Charakter ihres Dorfes: «Unser Dorf ist ukrainisch. Russen kamen erst nach den 30er Jahren zu uns, und unser Dorf ist bereits über 300 Jahre alt». Sie nennt die einheimischen Familiennamen väterlicherseits – Soroka, Naboka, Prytula, Tschumak, Cholod, Moros – und betont, dass sie die Geschichte der Region gut kennt: «Es gab ukrainische Dörfer, Russen wurden angesiedelt, um in den Minen zu arbeiten, in den Städten wurden sie nach den 30er Jahren angesiedelt... „Zeks“ [Häftlinge] wimmelten auf allen Gehöften, ich ging mit ihren Kindern zur Schule. Ich weiß gut, was der Donbass ist und wer dort angesiedelt wurde».
Familie: Schwestern, Bruder und eine lesebegeisterte Mutter
Naboka ist das jüngste, vierte Kind in der Familie. Die älteste Schwester Walentina Petrowna Tschepurnaja, 13 Jahre älter, absolvierte die Regieschule in Kiew, leitete künstlerische Gruppen im Pionierhaus und hat, wie die Schauspielerin sagt, «die Liebe zum Theater in mir geweckt»; sie lebt jetzt bei ihrem Sohn in Tschernowitz. Die zweite Schwester Natacha, zwei Jahre älter, ist eine «große Schachspielerin», ist zu ihrer Tochter nach Neuseeland gezogen und, wie Naboka feststellt, «möchte sehr in die Heimat». Der Bruder absolvierte das Technologische Institut Woronesch. Die Eltern reagierten «wunderbar» auf die Entscheidung, Schauspielerin zu werden, und die Mutter war, ihren Worten zufolge, sehr gebildet: Sie absolvierte vor dem Krieg 10 Klassen, war die einzige Tochter einer enteigneten Familie und «liebte es sehr zu lesen».
Bürgerliche Haltung und Schmerz für Kollegen
Neben persönlichen Geschichten thematisiert Naboka im Interview auch bürgerliche Aspekte: Sie erzählt von ihrer Bereitschaft, in den ersten Kriegstagen an die Front zu gehen, von häuslicher Gewalt in der ersten Ehe und vom Verlust von drei Ehemännern. Besonders drückt die Schauspielerin «Scham für Kollegen aus, die sich im Krieg mit einem luxuriösen Leben brüsten», und stellt dies ihrem eigenen Schmerz über den Verlust ihrer kleinen Heimat entgegen. Die vollständige Version des Gesprächs ist auf dem YouTube-Kanal von Wave verfügbar, der vorliegende Text ist eine gekürzte Fassung.
Widersprüchliche Daten
In der Öffentlichkeit gibt es um die Schauspielerin herum einige nicht ganz übereinstimmende Bilder, die beim Lesen des Interviews zu berücksichtigen sind. Einerseits betont Naboka im Gespräch die ukrainische Identität ihres Dorfes und das tiefe Wissen über die Geschichte des Donbass, erinnert sich aber gleichzeitig daran, dass sie in der siebten Klasse bei einem regionalen Wettbewerb ein Kriegsgedicht auf Russisch vortrug – ein innerer Nuancen ihres Narrativs, der unterschiedlich wahrgenommen werden kann. Andererseits geht ihre scharfe Kritik an Kollegen wegen des «Luxuslebens im Krieg» mit anderen öffentlichen Materialien einher: In einer Publikation zeigte sie ihr Ferienhaus bei Kiew, in einer anderen erklärte sie, warum sie trotz «unserer Wohnungen» mit einem Studenten in einem Hotelzimmer lebt. Diese Fakten widerlegen ihre Worte über Schmerz und bürgerliche Haltung nicht, sondern schaffen ein mehrdeutiges Bild ihres häuslichen Status, das die Redaktion als Rutschung und nicht als Beweis für einen Widerspruch in ihren Aussagen über Krieg und Hausverlust festhält.