Langanhaltende Stromausfälle verwandeln den Alltag in eine logistische Herausforderung: Der Kühlschrank funktioniert nicht mehr, der Herd bleibt kalt, und die Vorräte im Schrank nützen wenig, wenn man zum Zubereiten Hitze oder Wasser benötigt. Genau deshalb wird das Anlegen eines Notvorrats an haltbaren Lebensmitteln zu Hause zu einer Notwendigkeit statt einer Option. Dr. Oleg Schwez hat auf seiner Facebook-Seite ausführliche Empfehlungen gegeben, welche Lebensmittel eingelagert werden sollten, wie man daraus vollwertige Mahlzeiten ohne Herd zubereitet und wie man Trinkwasser richtig lagert, wenn die Wasserversorgung gleichzeitig mit dem Strom ausfällt.

Das Prinzip der Vorratsbildung: Nicht Masse, sondern Eignung

Schwez betont, dass der Vorrat den Bedarf der Familie für mindestens mehrere Tage abdecken muss. Das wichtigste Auswahlkriterium ist dabei nicht nur das Haltbarkeitsdatum, sondern auch der Nährwert und vor allem die Möglichkeit des Verzehrs ohne thermische Bearbeitung oder Zugang zu sauberem Wasser zur Zubereitung. Der Experte rät davon ab, in industriellem Maßstab einzukaufen, und empfiehlt stattdessen ein Set aus vertrauten Lebensmitteln, die die Familienmitglieder tatsächlich essen werden. Für den Vorrat sollte ein trockener und kühler Ort gewählt und das Lagersystem nach dem Rotationsprinzip aufgebaut werden: Zuerst das verbrauchen, was früher gekauft wurde, und erst dann neue Positionen hinzufügen, wobei die Haltbarkeitsdaten regelmäßig überprüft werden.

Konserven: Vollständiges Protein und Kohlenhydrate ohne Kühlschrank

Besonderes Augenmerk widmet der Arzt Konserven. Was den Gehalt an Proteinen, Fetten, Kohlenhydraten und einigen Mineralstoffen betrifft, sind sie mit frischen Gegenstücken vergleichbar und können die Basis einer ausgewogenen Ernährung bilden, wenn der Zugang zu frischen Lebensmitteln eingeschränkt ist. Eine lange Haltbarkeit macht Konserven jedoch nicht automatisch gesund: Schwez empfiehlt, die Zutatenliste sorgfältig zu lesen und auf die Menge an Kochsalz, zugesetztem Zucker und gesättigten Fetten zu achten. Wenn eingemachte Gemüse oder Hülsenfrüchte in salziger Lauge eingelegt sind, kann diese abgegossen und das Produkt mit sauberem Wasser abgespült werden. Zur Abwechslung empfiehlt der Experte, getrocknete Kräuter und Gewürze griffbereit zu haben, die keine Kühlung erfordern und bei einem Stromausfall nicht verderben.

Drei Mahlzeiten ganz ohne Herd und kochendes Wasser

Selbst aus einem bescheidenen Vorrat lassen sich mehrere vollwertige Kombinationen zusammenstellen, die keine Erhitzung erfordern. Die erste: Knäckebrot mit Erdnussbutter und Fruchtpüree – Knäckebrot liefert Kohlenhydrate, Erdnussbutter Fette und pflanzliches Protein, und das Püree ergänzt den Snack mit Vitaminen. Die zweite: Bohnen aus der Dose in Kombination mit Gemüsekonserven und Crackern anstelle von Brot; keine der Komponenten erfordert eine zusätzliche Bearbeitung. Die dritte: Fischkonserven (Sardinen, Makrele oder Thunfisch) mit haltbarem Brot – eine einfache Kombination, die sowohl Protein als auch Kohlenhydrate liefert. Schwez warnt ausdrücklich davor, Dosen mit gewölbten Deckeln, beschädigten Nähten oder Leckspuren zu verwenden – solche Produkte stellen eine Gesundheitsgefahr dar.

Wasser: Die wichtigste Ressource, die man nicht unterschätzen darf

Trinkwasser ist laut dem Arzt ein ebenso wichtiger Bestandteil des Vorrats wie Nahrung. Der geschätzte tägliche Flüssigkeitsbedarf eines Erwachsenen liegt bei 1,5 bis 2,5 Litern, für Notsituationen empfiehlt Schwez jedoch, 3 Liter Trinkwasser pro Person und Tag einzuplanen. Dies ist ausschließlich Trinkwasser: Zum Kochen, Spülen und für die persönliche Hygiene ist ein zusätzliches Volumen erforderlich, das separat berechnet werden muss. Das Wasser muss in sauberen, dichten und für Lebensmittel geeigneten Behältern fern von direktem Sonnenlicht und Wärmequellen gelagert werden. Der Experte warnt zudem: Nach dem Öffnen dürfen Milch, Gemüsepürees und andere kühlbedürftige Produkte bei Zimmertemperatur nicht lange stehen gelassen werden, wenn der Kühlschrank nicht funktioniert.

Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse der Familie

Bei der Zusammenstellung des Vorrats müssen die Zusammensetzung der Familie und die Ernährungsgewohnheiten jedes Mitglieds berücksichtigt werden. Kleine Kinder, Menschen mit Lebensmittelallergien oder solche mit spezieller Diät benötigen bestimmte Produkte, die nicht immer mit dem „Erwachsenen-Set“ übereinstimmen. Schwez betont das Hauptprinzip: Der Vorrat muss tatsächlich ohne Strom verwendbar sein und nicht nur jahrelang im Regal liegen. Ein praktischer Test besteht darin, zu versuchen, aus den vorhandenen Lebensmitteln zwei bis drei Mahlzeiten zuzubereiten, ohne Herd, Mikrowelle oder Kühlschrank einzuschalten. Wenn das problemlos gelingt, wurde die Reserve richtig zusammengestellt.