In der Nacht zum 28. August 2026 fügten russische Streitkräfte drei Schläge gegen eine einzige Anlage in Svyatopetrowske in der Oblast Kiew zu, in der sich das Fulfillment-Zentrum und das Sortierdepot der «Nova Poshta» befanden. Laut Angaben des Unternehmens wurde ein modernes robotisiertes Fulfillment-Zentrum zerstört, das über mehrere Jahre hinweg mit fortschrittlichen Ingenieurslösungen aufgebaut wurde. Der Angriff zählte zu den verheerendsten für die Logistikinfrastruktur der Ukraine seit Beginn des großangelegten Krieges und betraf unmittelbar Tausende von Kunden und Partner des Unternehmens.
Übergang zu einem dezentralen Lagermodell
Als Reaktion auf den Verlust eines zentralen Hubs kündigte der Generaldirektor der «Nova Poshta», Jewgenij Tafijtschuk, eine grundlegende Änderung des Lagermodells an. Das Unternehmen wechselt von der Konzentration der Bestände in großen zentralisierten Anlagen zu einem dezentralen Schema: Fracht- und Postfilialen in der gesamten Ukraine werden faktisch zu lokalen Lagern. Das Sortiment der Kunden wird auf zahlreiche Standorte verteilt, was die Abhängigkeit von einem einzigen großen Zentrum erheblich reduziert und es Unternehmen ermöglicht, auch bei wiederholten Angriffen auf die Infrastruktur weiterzuarbeiten.
Verlust von Tausenden Büchern und Unterstützung der Verlage
Ein besonderes Leidensgebiet sei, so Tafijtschuk, der Verlust von Tausenden Buchexemplaren – internationalen Bestsellern und Werken ukrainischer Autoren. Zu den betroffenen Verlagen zählen «A-BA-BA-GA-LA-MA-GA», Vivat, «Osnowy» und andere. Das Unternehmen führt bereits individuelle Gespräche mit jedem Verlag und jedem Geschäft, dessen Bestände zerstört wurden, um konkrete Bedürfnisse zu ermitteln und Unterstützungsmöglichkeiten zu entwickeln. Die «Nova Poshta» übernimmt die Schadensersatzleistung und hilft den Partnern beim Wiederaufbau der verlorenen Auflagen und bei der Ausgabe neuer.
«Resilienz liegt in der Fähigkeit, sich neu aufzustellen»
Zum strategischen Wandel betonte Tafijtschuk, dass die Resilienz des Unternehmens «in der Fähigkeit liegt, sich schnell neu aufzustellen, Risiken zu verteilen und Partner unter allen Umständen zu unterstützen, und nicht einfach in Wänden oder Ausrüstung». Damit setzt das Unternehmen auf die Flexibilität des Netzes und die geografische Risikoverteilung, nicht auf den Schutz eines einzigen großen Vermögenswertes. Das neue Modell soll, so die Absicht der Führung, den Fulfillment-Service der «Nova Poshta» gegenüber wiederholten Angriffen auf die Logistikinfrastruktur widerstandsfähig machen.
Kontext: Angriffe auf die Logistik als Teil der Strategie
Der Angriff auf die Anlagen der «Nova Poshta» in Svyatopetrowske setzte die Serie von Angriffen auf die zivile Logistik- und Lagerinfrastruktur der Ukraine fort. Für ein Unternehmen, das unter Kriegsbedingungen nicht nur die Funktion eines Postoperators, sondern auch eines zentralen Glieds der E-Commerce-Logistik erfüllt, bedeutet der Verlust des robotisierten Fulfillment-Zentrums nicht nur einen direkten materiellen Schaden, sondern auch eine vorübergehende Unterbrechung der Lieferketten für Tausende Online-Shops. Der Übergang zu einem dezentralen Modell ist im Grunde ein Eingeständnis, dass unter Bedingungen anhaltender Angriffe auf Infrastrukturanlagen die Konzentration der Bestände an einem Ort zu einem unzumutbaren Risiko wird.