NVIDIA beabsichtigt, nicht nur durch den Verkauf von Grafikbeschleunigern von künstlicher Intelligenz zu profitieren. Firmenchef Jensen Huang erklärte, dass Software für KI-Agenten etwa 2.000 US-Dollar pro Jahr von jeder GPU einbringen könnte. Seinen Worten zufolge werden Softwarelizenzen einen immer prominenteren Platz im Geschäft des Herstellers einnehmen, und die Wartung autonomer Agenten auf spezialisierten Rechenplattformen erfordert eine ganze Reihe von Software-Tools. Damit legt das Unternehmen den Grundstein für wiederkehrende Einnahmen, die während der gesamten Lebensdauer der Hardware anhalten und nicht nur beim Kauf anfallen.

Vom Chip-Verkauf zum Abomodell

Die Zahl von 2.000 US-Dollar nannte Huang während einer Fragerunde auf der Konferenz GTC Berlin am 22. Oktober 2026. Seinen Angaben zufolge müssen Anwender jährlich für jeden aktivierten Beschleuniger zahlen, wobei die Lizenz den Zugriff auf die Software-Tools ermöglicht, die zum Starten und Unterstützen von KI-Agenten erforderlich sind. Dies markiert eine Schwerpunktverlagerung in NVIDIAs Strategie: Der Halbleiterhersteller baut sein Geschäft jenseits von Hardware-Lösungen immer weiter aus und bietet umfassende Produkte für sogenannte „KI-Fabriken“ an — eine spezialisierte Infrastruktur, die den Betrieb von künstlicher Intelligenz und autonomen Agenten sicherstellt.

Preise sind noch nicht fix

Dabei ist die Preisgestaltung noch keineswegs völlig klar. Die genannten 2.000 US-Dollar sind eine Schätzung und kein offiziell angekündigter Tarif. Das bestehende NVIDIA AI Enterprise-Abonnement kostet 4.500 US-Dollar pro GPU und Jahr mit Support oder 18.000 US-Dollar für eine Laufzeit von fünf Jahren. Das Unternehmen hat nicht klargestellt, ob sich die neue Schätzung auf ein separates Paket für KI-Agenten, auf einen anderen Satz von Lösungen oder auf ein zukünftiges Lizenzmodell bezieht. Daher ist es verfrüht, von Preissenkungen zu sprechen: Bislang geht es um ein potenzielles Umsatzniveau und nicht um eine festgelegte Preisliste.

OpenShell und die Infrastruktur für Agenten-KI

Auf derselben Veranstaltung stellte NVIDIA die OpenShell Reference Architecture vor, eine Architektur für die Infrastruktur agentenbasierter KI. Sie vereint Vera-Rubin-Systeme für die Inferenz, Vera-Prozessoren zum Ausführen von Agenten sowie BlueField-4-DPUs in Kombination mit NVIDIA Sentry zur Überwachung ihrer Aktionen. OpenShell ist eine Open-Source-Umgebung, die Agenten in einer „Sandbox“ isoliert; Huang erwähnte sie ausdrücklich im Kontext der KI-Sicherheit. Dies unterstreicht, dass die Software-Ebene für das Unternehmen nicht nur ein Zusatz, sondern ein Schlüsselelement einer verwalteten und kontrollierten Agenten-Infrastruktur ist.

Dimension potenzieller Umsätze

Das potenzielle Ausmaß des neuen Modells ist beeindruckend: Eine Million lizenzierter GPUs zu je 2.000 US-Dollar pro Jahr würden dem Unternehmen rund 2 Milliarden US-Dollar an jährlichen Einnahmen einbringen. Berechnungen der Analyseplattform FourWeekMBA zufolge könnte der Verkauf von fünf Millionen solcher Lizenzen zu je 2.000 US-Dollar pro Jahr über einen Zeitraum von fünf Jahren bis zu 50 Milliarden US-Dollar an Umsatz generieren, auch wenn Experten den hypothetischen Charakter solcher Schätzungen betonen. Für NVIDIA ist dies eine Chance, neben dem Hardware-Verkauf regelmäßige Software-Einnahmen zu erzielen — und im Grunde eine neue Einnahmequelle, die an jeden laufenden Beschleuniger im Kundenbestand geknüpft ist.