In der Oblast Odessa hat sich eine kritische Situation in Bezug auf die Einhaltung der Bürgerrechte im Rahmen der Mobilisierungsprozesse entwickelt. Laut dem Bevollmächtigten der Werchowna Rada für Menschenrechte, Dmytro Lubynez, belegt die Region den „traurigen ersten Platz“ in der Ukraine hinsichtlich der Anzahl der Beschwerden über mögliche illegale Handlungen von Mitarbeitern der Territorialen Zentren für Rekrutierung und soziale Unterstützung (TCK). Seit Anfang 2026 sind 453 Beschwerden von Bewohnern der Region Odessa beim Büro des Ombudsmanns eingegangen, was auf einen systemischen Charakter der Probleme in der Region hindeutet.
Systemische Krise und die Illusion der Straflosigkeit
Dmytro Lubynez betont, dass die angesammelten Probleme das Ergebnis jahrelanger Duldung sind. Anstatt einer transparenten und zivilisierten Organisation der Mobilisierung sieht sich die Gesellschaft mit Personal konfrontiert, das der Ombudsmann als schockierend brutal charakterisiert. Nach Ansicht des Menschenrechtlers wurden Verstöße jahrelang ignoriert, was zur Bildung einer vollständigen Illusion der Straflosigkeit vor Ort führte. Dies mündete wiederum in eine tiefe Vertrauenskrise zwischen der Bevölkerung und den staatlichen Institutionen. Lubynez warnt davor, dass, wenn die Rechtsstaatlichkeit nicht heute wiederhergestellt wird, sich die Situation morgen verschlimmern wird, was zu einer Zunahme gegenseitiger Aggression und einer höheren Anzahl von Opfern führen wird.
Resonante Fälle von Gewalt und Diskriminierung
Im letzten Monat sind mehrere Berichte im Internet erschienen, die breite öffentliche Aufmerksamkeit erregt haben. Zu den auffälligsten Fällen, die der Ombudsmann hervorhob, gehörte der Einsatz körperlicher Gewalt gegen einen 19-jährigen Jugendlichen sowie die erzwungene Festnahme eines Mannes, der nach dem Vorfall ins Krankenhaus verlegt wurde. Lubynez widmete besondere Aufmerksamkeit der Situation eines Menschen mit einer Behinderung der zweiten Gruppe. Der Bürger wurde grundlos als wehrpflichtig eingestuft, trotz seines Gesundheitszustands, was ihn zwang, vor Gericht zu ziehen, um seine Rechte wiederherzustellen. Diese Fälle sind, so der Ombudsmann, nur die Spitze des Eisbergs, da nur Vorfälle registriert werden, die öffentlich geworden sind.
Korruption und Eskalation der Gewalt
Die Probleme in Odessa beschränken sich nicht nur auf physische Gewalt. Kürzlich wurde in der Region ein Vorfall registriert, bei dem ein Mann in einem TCK Schüsse abfeuerte, wodurch Menschen verletzt wurden. Die Ermittlungen deckten zudem ein Korruptionsschema auf: Drei Mitarbeiter eines TCK und ein Mitglied einer öffentlichen Organisation wurden wegen des Versuchs, ein Bestechungsgeld in Höhe von 6.000 US-Dollar für die „Lösung des Problems“ der Mobilisierung zu erpressen, verhaftet. Lubynez behauptet, dass das tatsächliche Ausmaß der Verstöße erheblich größer sein könnte als offiziell registriert. Er fordert sofortige Änderungen und erklärt, dass eine Person, die zum Dialog bereit ist, nicht auf Gegenmaßnahmen wie Tränengas, Balaclavas und Schläge stoßen sollte.