Der Energierichter befindet sich erneut im Epizentrum eines geopolitischen Sturms. Am Mittwoch, dem 15. Juli, zeigten die Ölpreise einen deutlichen Anstieg vor dem Hintergrund der verschärften Konfrontation zwischen Washington und Teheran. Die Situation spitzte sich zu, nachdem US-Präsident Donald Trump erneut eine Seeblockade aller iranischen Häfen verhängt hatte, woraufhin der Iran die amerikanische Infrastruktur in der Region angriff.
Ölpreise erreichen neue Höchststände
Die Reaktion der Börsen ließ nicht lange auf sich warten. Futures auf Brent-Rohöl verteuerten sich um 99 Cent, was einem Anstieg von 1,2 % entspricht, und erreichten einen Stand von 85,72 Dollar pro Barrel. Auch das Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) zeigte eine positive Dynamik, legte 64 Cent oder 0,8 % zu und festigte sich auf einem Niveau von 79,98 Dollar pro Barrel.
Dieser Anstieg setzte einen positiven Trend fort. Am Vortag, dem 14. Juli, schlossen die Ölpreise mit einem Plus von 2 % und verzeichneten damit das höchste Ergebnis des letzten Monats. Investoren reagieren auf jede Nachricht aus der Region mit Sorge vor Lieferunterbrechungen.
Hauptbedrohung: Die Straße von Hormus
Der wichtigste Faktor, der auf den Markt drückt, bleibt die Lage rund um die Straße von Hormus. Über diese schmale Wasserstraße werden zu Beginn des Konflikts etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen transportiert. Jede Störung hier schlägt sich sofort auf die Weltwirtschaft nieder.
Ursache des plötzlichen Preissprungs waren Angriffe, die die Versorgungsengpässe verschärften. In der Nacht zum 12. Juli erklärte der Iran die vollständige Schließung der Meerenge und beschuldigte mehrere Schiffe, versucht zu haben, eine nicht autorisierte Route zu passieren. Im Rahmen des Vorfalls griffen iranische Streitkräfte ein Containerschiff an, was eine Serie von Gegenangriffen der USA auf iranische Ziele auslöste.
Das US-Zentralbefehlshaber (CENTCOM) erklärte offiziell, dass die Straße von Hormus für den internationalen Schiffsverkehr offen bleibe, die Spannungen jedoch anhielten. So wurde über einen Raketenangriff des Iran auf zwei Tanker der VAE in der Meerenge berichtet, bei dem ein Besatzungsmitglied getötet wurde und zwei ukrainische Staatsbürger verletzt wurden.
Prognosen der Analysten: Risiko oder Diplomatie?
Marktexperten verfolgen die Entwicklung der Ereignisse aufmerksam. Priyanka Sachdeva, Senior Market Analyst bei Phillip Nova, merkte an: „Obwohl der physische Ölmarkt ausreichend versorgt bleibt, könnte jede weitere Eskalation der Lage in der Straße von Hormus oder zusätzliche Sanktionen gegen den iranischen Export die Marktstimmung schnell verschlechtern und zu einer Erhöhung der Risikoprämien führen“.
Es gibt zwei Szenarien für die weitere Entwicklung:
- Pessimistisches Szenario: Wenn die Kampfhandlungen im Nahen Osten zunehmen und der Energieinfrastruktur im Persischen Golf Schaden zufügen, bleibt die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Ölpreis wieder auf 100 Dollar pro Barrel steigt.
- Optimistisches Szenario: Im Falle eines Erfolgs diplomatischer Bemühungen und einer Wiederaufnahme des stabilen Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus könnte der Preis für Brent-Rohöl in den Bereich von 75 bis 80 Dollar pro Barrel zurückkehren.
Politische Manöver Washingtons
Neben den militärischen Aktionen findet auch ein aktives diplomatisches Spiel statt. Nach Gesprächen mit Führern aus dem Nahen Osten verzichtete Präsident Trump auf die Idee, eine 20-prozentige Gebühr für die Durchfahrt von Schiffen durch die Meerenge einzuführen, die er zuvor als Kompensation für die Sicherheitsgewährleistung vorgeschlagen hatte.
Statt direkter Zollerhebung setzen die USA nun auf neue Handels- und Investitionsabkommen mit den Staaten des Persischen Golfs. Allerdings führte das US-Zentralbefehlshaber am 15. Juli eine neue Welle von Angriffen gegen den Iran durch und setzte gleichzeitig die Seeblockade der iranischen Häfen und Küstengebiete fort, was die Situation erneut verschärfte und die Investoren zwang, ihre Prognosen zu überdenken.