Das Büro des Generalstaatsanwalts der Ukraine hat strukturelle Veränderungen vorgenommen, im Rahmen derer die Position des stellvertretenden Leiters der Abteilung für internationale Zusammenarbeit aufgelöst wurde. Genau diese Position bekleidete Serhij Kropywa – der Beschuldigte im vielbeachteten „Karthago“-Fall, der mit der Aufdeckung einer kriminellen Organisation zusammenhängt, die ein Netz von Betrugscallcentern „schützte“. Dies teilte das Büro des Generalstaatsanwalts in einem Kommentar gegenüber RBC-Ukraine mit und betonte, dass die Reorganisation der Abteilung per Erlass des amtierenden Generalstaatsanwalts durchgeführt wurde.
Strukturelle Reorganisation und disziplinarisches Verfahren
Laut dem Büro des Generalstaatsanwalts ist die Auflösung der Position keine isolierte Personalentscheidung, sondern fügt sich in einen breiteren Kontext eines disziplinarischen Verfahrens ein. Die Behörde hob hervor, dass die Beschwerde über die Handlungen Kropywas von der Qualifikations- und Disziplinarkommission der Staatsanwälte geprüft wird. Genau diese Kommission muss über die Verhängung einer Disziplinarstrafe entscheiden, zu deren möglichen Folgen die Entlassung Kropywas aus den Organen der Staatsanwaltschaft zählt. Somit bleibt die Frage nach dem Status des Beamten selbst offen, bis die Kommission ihre Entscheidung trifft – selbst wenn die formale Position abgeschafft wurde.
Chronologie des „Karthago“-Falls: von der Aufdeckung bis zur Berufung
Wie erinnert, meldeten das Nationale Antikorruptionsbüro (NABU) und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) am 4. September die Aufdeckung einer kriminellen Organisation direkt im Büro des Generalstaatsanwalts. Laut den Ermittlungen sicherte eine Gruppe von Personen innerhalb der Behörde „Schutz“ für ein Netz von Betrugscallcentern. Am selben Tag wurde der stellvertretende Leiter der Abteilung für internationale Zusammenarbeit des OGP, Serhij Kropywa, festgenommen. Am 6. September wählte das Höchste Antikorruptionsgericht (HAKG) die Untersuchungshaft als Maßregel der Erzwingung mit der Möglichkeit einer Kaution in Höhe von 120 Millionen Hrywnja. Am 16. September wies der Berufungssenat des HAKG die Beschwerde der Verteidigung ab, und Kropywa bleibt in Haft mit der Alternative der Kaution in zuvor festgelegter Höhe.
Welle von Personalverlusten in der Staatsanwaltschaft
Der Skandal um den „Karthago“-Fall beschränkte sich nicht auf Kropywa allein. Im Zuge der Aufdeckung verloren drei weitere Staatsanwälte ihre Positionen: die Erste Stellvertreterin des Generalstaatsanwalts, Maryja Wdowytschenko, sowie zwei Beamte der Oblaststaatsanwaltschaft Tschyhyryn. Die Gesamtheit dieser Personalentscheidungen zeigt, dass die Führung des Büros des Generalstaatsanwalts eine umfassende Säuberung in den Reihen der Behörde durchführt und versucht, sich von der aufgedeckten kriminellen Struktur zu distanzieren und der Öffentlichkeit Entschlossenheit im Kampf gegen sie zu demonstrieren.
Widersprüchliche Daten
Gleichzeitig ist im informationellen Feld eine widersprüchliche Bewertung der Lage zu beobachten. Eine Reihe von Medien, insbesondere inforesist.org, veröffentlichte Artikel mit Schlagzeilen, die darauf hindeuteten, dass Kropywa „weiterhin auf seiner Position im OGP bleibt“, im Kontext der Operation „Karthago“. Dies könnte durch einen zeitlichen Verzug zwischen der tatsächlichen Festnahme des Beamten und der formellen Regelung seiner Absetzung oder der Auflösung der Position erklärt werden. Gleichzeitig bestätigen RBC-Ukraine, Censor.net und Parlament.ua einstimmig, dass die Position des stellvertretenden Leiters der Abteilung für internationale Zusammenarbeit per Erlass des amtierenden Generalstaatsanwalts aufgelöst wurde. Die Differenz in den Versionen hängt vermutlich damit zusammen, dass einige Quellen die Lage auf der Ebene der Festnahme festhielten, andere – bereits nach dem strukturellen Beschluss. Das genaue Inkrafttreten des Erlasses zur Reorganisation wird in offenen Quellen nicht offengelegt.
Kontext und Perspektiven
Die Auflösung der Position, die von einem Beschuldigten eines Strafverfahrens bekleidet wurde, ist ein standardmäßiges Instrument, das es der Behörde ermöglicht, eine direkte Entlassung einer bestimmten Person bis zum Abschluss des disziplinarischen oder strafrechtlichen Verfahrens zu vermeiden. Im Fall Kropywas hat diese Entscheidung einen doppelten Charakter: Einerseits befreit sie ihn formell von seinen dienstlichen Pflichten, andererseits schließt sie die Möglichkeit nicht aus, dass er nach Abschluss der Prüfung durch die Qualifikations- und Disziplinarkommission aus disziplinarischen Gründen aus der Staatsanwaltschaft entlassen wird. Für das Büro des Generalstaatsanwalts, das einen der vielbeachteten Skandale der letzten Jahre durchlebt, sind solche Schritte ein Versuch, das Vertrauen in die Institution der Staatsanwaltschaft wiederherzustellen und zu zeigen, dass innerbehördliche Korruption ohne Ausnahmen verfolgt wird.