Die ukrainischen Antikorruptionsbehörden haben im Rahmen der Spezialoperation „Karthago' ihre Ermittlungen abgeschlossen. Dabei wurde eine kriminelle Organisation entlarvt, die systematisch Bestechungsgelder von Betrugscallcentern annahm und sich mit der Legalisierung illegal erlangter Millionen befasste. Laut Ermittlungsergebnissen wurde das System von einem der Leiter der strukturellen Einheiten des Büros des Generalstaatsanwalts organisiert, der Mitte 2025 eine Gruppierung gründete und leitete und dabei amtierende Staatsanwaltsbedienstete sowie ihm nahestehende Personen in ihre Tätigkeit einband. Die Operation wurde am 4. September öffentlich bekannt, als erstmals über die Durchführung einer Spezialoperation zur Entlarvung einer kriminellen Organisation unter Leitung eines Beamten des Büros des Generalstaatsanwalts berichtet wurde.
Das System des „Schutzes' für Betrugscallcenter
Nach der Version der Ermittler haben die Mitglieder der Gruppierung ein systematisches Bestechungsgeldsystem für die ungestörte Tätigkeit der Betrugscallcenter eingerichtet. Solche Strukturen, so die Ermittlungen, haben massenhaft Menschen betrogen, darunter sowohl ukrainische als auch ausländische Bürger. Tatsächlich geht es um den „Schutz' rechtswidriger Aktivitäten durch Beamte, die in der Rechtsschutzsystem Vollmachten besitzen, was den Resonanzgrad des Falls mehrfacht erhöht und die Frage systemischer Risiken innerhalb des Büros des Generalstaatsanwalts aufwirft.
Wie die Millionen gewaschen wurden
Die illegal erlangten Mittel legalisierten die Beschuldigten mithilfe verschiedener Schemata. Laut NABU und SAP hat der Leiter der Gruppierung Vermögen mit einem Mindestmarktwert von etwa 12 Mio. UAH versteckt, indem er es auf Dritte umschrieb; darunter befindet sich Immobilien in einem beliebten Apartementkomplex in der Nähe der Karpaten. Darüber hinaus platzierten die Mitglieder der Organisation mehr als 10 Mio. UAH auf Bankkonten nahestehender Personen und maskierten diese Mittel als legale Einkünfte aus angeblicher unternehmerischer Tätigkeit. Die Gesamtheit dieser Operationen belegt nach Einschätzung der Ermittler ein ausgearbeitetes System zur Geldwäsche von Einnahmen aus Bestechung.
Fünf Beschuldigte und die Paragraphen des StGB
Die Strafverfolgungsbehörden haben fünf Mitglieder der kriminellen Organisation entlarvt. Ihre Handlungen wurden vorläufig nach Art. 255 des StGB der Ukraine – Gründung und Leitung einer kriminellen Organisation oder Teilnahme daran – sowie nach Art. 209 des StGB der Ukraine – Legalisierung (Geldwäsche) von Vermögen, das auf kriminellem Wege erlangt wurde – qualifiziert. Die Ermittlungen dauern an: Die Strafverfolgungsbehörden klären weitere mögliche Teilnehmer der kriminellen Organisation, was auf eine mögliche Erweiterung der Liste der Beschuldigten in Zukunft hinweist.
Kontext: Verschärfung der Strafen für Callcenter
Die Entlarvung fiel mit einer öffentlichen Erklärung des Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zusammen, der am Vortag mitteilte, dass in der Ukraine eine Verschärfung der Strafen für die Organisation von Betrugscallcentern vorbereitet wird. Damit fügt sich die Operation „Karthago' in den breiteren Kontext der Stärkung des Kampfes gegen Telefonbetrug und den korruptiven „Schutz' solcher Schemata ein. Die offiziellen Materialien der Operation, einschließlich Aufnahmen der Ermittlungsmaßnahmen, wurden von NABU und SAP veröffentlicht.