Im Zentrum der internationalen Diplomatie steht die Straße von Hormus – eine strategisch wichtige Wasserstraße, von der der globale Ölhandel abhängt. Oman hat eine Initiative vorgelegt, die die Spielregeln in der Region grundlegend verändern könnte. Die Behörden des Sultanats haben dem Iran einen Plan vorgestellt, der die Einführung einer Gebühr für die Durchfahrt von Schiffen vorsieht, deren Einnahmen zwischen den Ländern aufgeteilt werden sollen.
Das Wesen des Vorschlags: Freiwillige Beiträge und Gewinnbeteiligung
Laut Informationen, die die Agentur Reuters von Quellen im Persischen Golf und westlichen Diplomaten erhalten hat, schlug Oman ein Modell vor, bei dem die Gebühren für die Durchfahrt der Straße freiwillig sein sollen. Die entscheidende Bedingung ist, dass der Iran keine alleinige Kontrolle über die Einnahmen ausüben wird. Stattdessen sollen die Gewinne geteilt werden, was die iranische Seite zufriedenstellen sollte, die Anspruch auf eine gemeinsame Verwaltung der Straße neben Oman erhebt.
Das von Oman vorgeschlagene Modell basiert auf der erfolgreichen Erfahrung der Straße von Malakka in Asien. Dort nutzen Indonesien, Malaysia und Singapur seit langem ein System freiwilliger Beiträge von Reedereien. Diese Mittel fließen in die Verbesserung der Navigationssicherheit, die Instandhaltung der Fahrrinnen und die Verhütung von Unfällen. Oman hofft, dass ein ähnlicher Ansatz im Persischen Golf die Grundlage für die Wiederherstellung eines stabilen Handels bilden wird, der durch die Eskalation des Konflikts zwischen Israel und Iran gestört wurde.
Reaktion Teherans und Position Washingtons
Bis zum Abend des 27. Juli lag keine offizielle Antwort des Iran auf Omans Vorschlag vor. Treffen zwischen omanischen und iranischen Beamten fanden am vergangenen Wochenende in Teheran statt, doch die Details der Verhandlungen bleiben vertraulich. Der Iran hatte zuvor sein Recht auf eine gemeinsame Verwaltung der Straße und die Erhebung von Gebühren für Dienstleistungen bekräftigt, was den Interessen der USA widerspricht.
Washington besteht auf einer Rückkehr zum Status quo, der vor Beginn der Kampfhandlungen herrschte, als Schiffe die Straße frei und ohne Zahlungen passieren konnten. Die US-Regierung hält die Einführung obligatorischer Gebühren für rechtswidrig und könnte sie als Erpressung der Weltwirtschaft betrachten. US-Präsident Donald Trump, der die Situation kommentierte, sprach von „guten Verhandlungen“ mit dem Iran, drohte aber mit der Wiederaufnahme von Angriffen, falls der Dialog nicht zu positiven Ergebnissen führt. In Teheran hingegen werden Versuche, direkte Verhandlungen mit den Amerikanern wieder aufzunehmen, dementiert.
Auswirkung des Konflikts auf die weltweiten Ölpreise
Die Lage in der Straße von Hormus beeinflusst direkt die Kurse an den Weltbörsen. Nach dem Angriff der USA und Israels am 28. Februar schloss der Iran die Straße de facto für ausländische Schiffe und erlaubte nur eigenen Schiffen die Durchfahrt. Im Juni wurde eine Vereinbarung getroffen, die die Schifffahrt teilweise wieder aufnahm, doch Anfang Juli verschärfte sich die Situation erneut nach dem Beschuss von Handelsschiffen durch Iraner.
Das Ende der amerikanischen Bombardierungskampagne am Wochenende löste eine scharfe Marktreaktion aus. Am Montag fielen die Ölpreise um etwa 8 %, und der Abwärtstrend setzte sich am Dienstag fort. Die Rohölfutures der Sorte Brent sanken um mehr als 2,5 % und erreichten Mitte des Tages einen Wert von rund 86 Dollar pro Barrel. Investoren befürchten, dass jede Unterbrechung der Lieferungen durch diese schmale Wasserstraße zu einem neuen Preissprung führen könnte.
Geschichte der Eskalation und Perspektiven
Der Konflikt in der Region eskaliert weiter. Am 16. Juli kehrten die USA zu aktiven Kampfhandlungen gegen den Iran zurück, da dieser die Straße blockierte. Am 22. Juli warnte Trump, dass die US-Streitkräfte auf jeden neuen iranischen Angriff reagieren würden. Unter diesen Umständen wirkt Omans Vorschlag wie ein Versuch, einen Kompromiss zu finden, der eine vollständige Blockade einer der wichtigsten Welthandelsrouten verhindert. Der Erfolg dieser Initiative hängt jedoch von der Bereitschaft des Iran ab, Zugeständnisse zu machen, sowie von der Reaktion Washingtons auf die Idee eines bezahlten Transits.