OpenAI hat eine kritische Schwachstelle in der Webversion von ChatGPT behoben, die es unbefugten Personen ermöglichte, vollständigen Zugriff auf fremde private Chats zu erlangen. Laut einer Analyse des Forschungsteams von Parameter Labs, die von RBK-Ukrajina veröffentlicht wurde, reichte es für die Datenübernahme oder die vollständige Kontoverwaltung aus, dass ein Opfer einen öffentlichen Link zu einem Dialog öffnete. Die Schwachstelle wurde am 26. Oktober 2026 serverseitig vollständig behoben, und die Entdecker erhielten im Rahmen des Bug-Bounty-Programms eine Prämie von 5.000 US-Dollar.
Angriffsmechanismus: Vom Diagramm zum Schadcode
Das Angriffsschema erwies sich als relativ einfach, aber äußerst effektiv. Ein Angreifer erstellte einen öffentlichen Chat mit einer HTML-Vorschau und einem Diagramm und sendete dann den Link zu diesem Dialog an ein potenzielles Opfer. Das Glied in der Angriffskette war die MathLive-Bibliothek — eine mathematische Tastatur, die der Dienst beim Erstellen von Diagrammen automatisch lud. Diese Bibliothek ermöglichte die Eingabe von Befehlen ohne ordnungsgemäße Validierung, was Hackern die Möglichkeit gab, bösartigen JavaScript-Code direkt in die Website-Oberfläche einzubinden.
Nach dem Start wurde das Schadskript im Kontext der autorisierten Benutzersitzung ausgeführt. Dies bedeutete, dass der Angreifer Zugriff auf alle privaten Nachrichten des Opfers erhielt und diese an einen fremden Server übertragen konnte. Darüber hinaus war der Angreifer über interne Tools des Dienstes in der Lage, Aktionen im Namen des Profileigentümers auszuführen und so praktisch die vollständige Kontrolle über das Konto zu übernehmen.
Chronologie: Von der Entdeckung bis zur vollständigen Behebung
Sicherheitsspezialisten von Parameter Labs meldeten das Problem am 18. Oktober 2026 über das offizielle Bug-Bounty-Programm von OpenAI. Drei Tage später, am 21. Oktober, bestätigte das Unternehmen die Bedrohung und stufte sie als kritisch ein. Die vollständige Behebung der Schwachstelle in beiden Webanwendungsversionen wurde am 26. Oktober abgeschlossen. Das Team von Parameter Labs betonte, dass während der Tests kein einziger echter Benutzer zu Schaden kam: Alle Überprüfungen wurden ausschließlich an dedizierten Testkonten durchgeführt.
Was Benutzer tun sollten und warum keine Updates erforderlich sind
Da die Entwickler die Korrekturen serverseitig vorgenommen haben, müssen Benutzer keine zusätzlichen Updates oder Plugins installieren. Sicherheitsexperten geben jedoch einige praktische Empfehlungen. Erstens sollte man regelmäßig die Liste der zuvor erstellten öffentlichen Dialoglinks überprüfen, da jeder dieser Links es nach wie vor ermöglicht, das gespeicherte Gespräch zu lesen. Zweitens ist es sicherer, Links aus unbekannten Quellen, Foren oder E-Mails in einem privaten Browser-Tab ohne vorherige Anmeldung im ChatGPT-Konto zu öffnen.
Kontext: Wachsende Risiken in KI-Ökosystemen
Dieser Vorfall ist eine weitere Erinnerung daran, dass die rasant wachsende Funktionalität generativer KI-Dienste — von der Diagramm-Rendering bis hin zu interaktiven mathematischen Schnittstellen — unweigerlich die Angriffsfläche vergrößert. Jedes neue Element, das in den Browser des Benutzers geladen wird, kann potenziell zu einem Vektor für die Einschleusung von Schadcode werden. Für OpenAI, dessen Plattform täglich Milliarden von Dialogen mit persönlichen und geschäftlichen Daten verarbeitet, bergen solche Schwachstellen nicht nur Reputationsrisiken, sondern auch rechtliche Gefahren. Experten erwarten, dass das Unternehmen nach dem Vorfall die interne Validierung von Drittanbieter-Bibliotheken verschärfen und automatisierte Tests auf XSS-Angriffe ausweiten wird.