RBC-Ukraine berichtet unter Berufung auf eine Untersuchung des russischen Fonds zur Bekämpfung von Korruption (FBK), dass die massiven Angriffe ukrainischer Drohnen auf die Infrastruktur des zweitgrößten russischen Marktplatzes Ozon einen direkten finanziellen Schaden an dem persönlichen Vermögen Wladimir Putins verursachen. Laut den Ermittlern treffen die Schläge auf Logistikzentren nicht nur eine kommerzielle Struktur, sondern Vermögenswerte, die ihrer Einschätzung nach Teil eines verborgenen Systems zur Aufbewahrung der persönlichen Mittel des Präsidenten sind, verteilt auf dessen engstes Umfeld.
Finanzkette: von «O23» zu «Optima» und «Delta»
Der offiziell größte Aktionär von Ozon ist laut FBK das Unternehmen «O23», das 34 % der Aktien hält und sie vom internationalen Investitionsfonds Baring Vostok gekauft hat. Als öffentlicher Endnutzer dieses Anteils wird der russische Geschäftsmann Alexander Tschatschawu genannt, doch die Analyse der Finanzberichte zeigt, so die Analysten, dass er nur eine Strohmann-Figur ist. Die Kaufvereinbarung über 38 Mrd. Rubel wird über eine Kette juristischer Personen abgewickelt: Für die Transaktion nahm das Unternehmen «Stratosfera» ein Darlehen über 51,2 Mrd. Rubel auf, und in der russischen Buchhaltung war die einzige Struktur, die einen Kredit in gleicher Höhe gewährte, die Aktiengesellschaft «Optima». Quelle dieser 51,2 Mrd. Rubel für «Optima» war laut Untersuchung ein zinsloser Kredit von der Firma «Delta», die offiziell dem russischen Oligarchen Gennadi Timtschenko gehört.
Wer steht hinter «Optima»: das Umfeld des Präsidenten
Die FBK-Analysten stellten fest, dass die Führung des Unternehmens «Optima» vollständig aus Vertrauenspersonen aus dem Umfeld des russischen Präsidenten besteht. Die Geschäftsführerin des Unternehmens Daria Briljakowa und ihre Vorgänger arbeiteten laut Untersuchung in den Geschäftsstrukturen des Neffen Putins Michail Schelomow, des Oligarchen Juri Kowaltschuk und der ehemaligen Geliebten des Präsidenten Swetlana Kriwonogich. Timtschenko wird seinerseits von den Ermittlern als einer der Hauptverwalter der sogenannten «gemeinsamen Kiste» (des «Gemeinschaftsfonds») Putins charakterisiert: Früher wurden über seine Firmen, so die Daten, andere Vermögenswerte gekauft, insbesondere das Brauereiunternehmen «Baltika», sowie der Bau von Residenzen und private Bedürfnisse der Präsidentenfamilie finanziert. «Weder unter dem Namen Wladimir Putins noch auf seinen Konten gibt es gestohlene Milliarden. Das System ist anders aufgebaut: Das persönliche Geld wird bei den engsten Freunden-Tresoren aufbewahrt, an die er Teile der Wirtschaft verteilt hat», so die Autoren der Untersuchung.
Der Krieg als Instrument der Umverteilung von Vermögenswerten
Die Ermittler betonen, dass der Krieg für die russische Führung ein Deckmantel für die groß angelegte Umverteilung von Vermögenswerten wurde: Das ausländische Geschäft wird aus dem Land verdrängt, und sein Vermögen gerät unter die Kontrolle des Umfelds Putins. Die massiven Schläge auf Logistikzentren in Russland dauern laut ihren Daten seit Mitte des Sommers 2026 an. Zuerst gerieten die Objekte des größten Marktplatzes Wildberries unter systematische Angriffe, der laut Schätzungen 40 % der Lagerflächen bei einem Schaden von einer Billion Rubel verlor. Anschließend begannen ukrainische Drohnen, Angriffe auf Ozon-Lager zu führen — insbesondere in der Region Samara, in Machatschkala und in Adygea.
Reaktion des Kremls und weitergehende Vorfälle
Im Kreml wurden zuvor Drohungen gegen die Ukraine wegen der Angriffe auf die zivile Infrastruktur ausgesprochen. Insbesondere erklärte der offizielle Sprecher des Präsidenten Dmitri Peskow die Absicht, regelmäßige Schläge auf Kiew zu führen, und warf der ukrainischen Seite Angriffe auf den Marktplatz Ozon vor. Unterdessen finden auf dem Territorium der RF weiterhin groß angelegte Vorfälle an Logistikobjekten statt: Kürzlich kam es in der Stadt Blagoweschtschensk, die im ursprünglichen Text der Republik Baschkortostan zugeordnet wird, nach Berichten über Explosionen zu einem Brand in einem Ozon-Lager, doch die offiziellen Behörden nannten bislang keine offiziellen Ursachen für den Brand.
Widersprüchliche Daten
In den bereitgestellten Quellen gibt es Ungereimtheiten in der Geografie der Vorfälle. Im Basistext wird der Brand in einem Ozon-Lager mit der Stadt Blagoweschtschensk «in der Republik Baschkortostan» in Verbindung gebracht, was geografisch unkorrekt ist: Blagoweschtschensk befindet sich in der Region Amur, während in Baschkortostan Ufa und Sterlitamak liegen. Gleichzeitig weisen andere Quellen auf Drohnenangriffe auf Ozon-Lager in Ufa, Orenburg und Sterlitamak sowie auf einen Brand in der Region Samara mit Verletzten hin. Somit weicht die Liste der konkreten Städte, in denen Ozon-Lager brannten, in verschiedenen Veröffentlichungen voneinander ab. Darüber hinaus ist die Verknüpfung des Schadens bei Ozon mit dem persönlichen Vermögen Putins eine Behauptung der FBK-Untersuchung und wird weder von den russischen Behörden noch von dem Unternehmen Ozon selbst offiziell bestätigt; offiziell bestätigt sind nur die Vorfälle mit den Drohnenangriffen und den Bränden in den Lagern.