Patriarch Kirill von Moskau und ganz Russland (im Weltlichen Wladimir Gundiajew) hat die Theorie aufgestellt, dass die Erschaffung der sowjetischen Atombombe das Ergebnis göttlichen Eingreifens war. Nach seinen Worten spielte die Heiligkeit des heiligen Serafim von Sarow, der an den Orten betete, an denen später die Arbeiten am Atomprojekt stattfanden, eine Schlüsselrolle dabei.
Göttliche Vorsehung und nuklearer Schutzschild
Die Erklärung des Oberhauptes der Russisch-Orthodoxen Kirche erfolgte nach einem Gottesdienst im Heilig-Dreieinigkeit-Serafim-Divejew-Kloster. Der Patriarch wies auf die geografische und spirituelle Verbindung zwischen dem Ort der Gebete des Heiligen und der Stadt Sarow (in der Sowjetzeit als geschlossene Stadt Arsam-16 bekannt) hin, wo die Entwicklung von Atomwaffen stattfand.
In seiner Predigt erklärte Kirill, dass die Bombe, die die Pläne der Feinde zur Zerstörung und Versklavung Russlands stoppte, dank der Arbeit von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Arbeitern sowie der „Gnade und Barmherzigkeit Gottes“ erschaffen wurde. Der Patriarch ist der Ansicht, dass das Erscheinen des nuklearen Schutzschildes das Land vor der totalen Vernichtung rettete, wodurch „weder ein Land noch ein Volk übrig geblieben wäre“.
„All dies geschah unter anderem auch dank der Gebete unseres ehrwürdigen und gotttragenden Vaters Serafim von Sarow. So trug dieser demütige Mönch durch seine Heiligkeit... dazu bei, dass unser Volk und unser Land weiterexistieren“, fasste der Patriarch zusammen.
Wiederholung der Rhetorik und Symbolik
Dies ist nicht der erste Fall, in dem das Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche das nukleare Potenzial Russlands mit religiösen Faktoren in Verbindung bringt. Bereits 2023 behauptete der Patriarch, die Bombe sei „nach unaussprechlicher göttlicher Vorsehung“ entwickelt worden. 2024 rief er die Gläubigen zudem auf, keine Angst vor Atomwaffen und einem möglichen Weltuntergang zu haben.
Die symbolische Bedeutung der Figur des Serafim von Sarow für den Moskauer Patriarchat wird auch in anderen Aspekten verstärkt. Zuvor wurde berichtet, dass 11 Tage vor Beginn der umfassenden Invasion Russlands in der Ukraine in Kiew eine Kirche eröffnet wurde, die diesem Heiligen gewidmet ist. Darüber hinaus erschien das Bildnis des Serafim von Sarow im Uspenski-Kloster entgegen dem ursprünglichen Plan, was seinen Status als inoffizieller Schutzpatron der russischen Atomwaffen in der kirchlichen Hierarchie unterstreicht.
Internationaler Kontext
Die Position von Patriarch Kirill bleibt auf der internationalen Bühne ein Thema von Interesse. Kürzlich wurde bekannt, dass die Europäische Union das Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche von der Liste der Personen, gegen die weitere Sanktionen verhängt werden, gestrichen hat. Wie berichtet wurde, spielte die Haltung Bulgariens, die sich gegen die Einführung von Beschränkungen gegen den Patriarchen aussprach, eine entscheidende Rolle bei dieser Entscheidung.