Der finnische Präsident Alexander Stubb hatte zuvor öffentlich erklärt, dass China die Anwendung von Atomwaffen durch Russland gegen die Ukraine nicht zulassen werde. Seinen Worten zufolge habe er während des Sommerbesuchs des chinesischen Außenministers in Helsinki das Thema einer möglichen nuklearen Eskalation angesprochen, woraufhin der chinesische Diplomat geantwortet habe: „Wir werden das niemals zulassen“. Stubb bezeichnete dies als „ausreichend wirksamen Abschreckungsfaktor“ und betonte, dass nach seiner Einschätzung die Möglichkeiten Moskaus für eine weitere Eskalation des Konflikts begrenzt blieben.

Antwort des chinesischen Außenministeriums: „klare und konsequente“ Position, aber ohne Garantien

In Peking wollte man die konkreten Formulierungen des finnischen Präsidenten jedoch nicht bestätigen. Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Guo Jiakun, erklärte auf einer Pressekonferenz, die Position Chinas zum Ukraine-Konflikt und zur Nuklearfrage sei „klar und konsequent“. Das chinesische Ministerium bestätigte damit jedoch nicht Stubbs Aussage, Peking sei bereit, die Anwendung von Atomwaffen durch Russland gegen die Ukraine „nicht zuzulassen“. Tatsächlich beschränkte sich die chinesische Seite auf die Wiederholung ihrer allgemeinen diplomatischen Linie und übernahm keinerlei konkrete Verpflichtungen gegenüber Kiew oder Helsinki.

Widersprüchliche Angaben

Zwischen den Aussagen der beiden Seiten besteht ein erhebliches Missverhältnis. Stubb behauptet, vom chinesischen Außenminister ein direktes Versprechen erhalten zu haben: „Wir werden das niemals zulassen“. Das chinesische Außenministerium bestätigt seinerseits das Bestehen eines solchen Versprechens nicht und beschränkt sich auf die Feststellung einer „klaren und konsequenten“ Position. Keiner der beiden Seiten widerspricht dem Fakt der Begegnung selbst, jedoch unterscheiden sich die Interpretationen des Gesagten grundlegend: Helsinki wertet die Worte als Abschreckungsgarantie, Peking als Ausdruck einer allgemeinen diplomatischen Linie ohne konkrete Verpflichtungen. Bis zur Vorlage eines stenografischen Protokolls der Pressekonferenz oder einer Stellungnahme des finnischen Außenministeriums zum Inhalt der Aussagen des chinesischen Diplomaten bleibt die Frage offen.

Kontext: Stubbs Bewertung der Eskalationsrisiken

Im selben Interview erklärte Stubb, die Möglichkeiten Russlands für eine weitere Eskalation des Krieges seien „ausreichend begrenzt“, und das wichtigste verbleibende Druckmittel für Moskau sei die Mobilisierung, die seiner Meinung nach schwerwiegende innenpolitische Folgen hätte. Der Politiker betonte zudem, dass Europa trotz der hybriden Angriffe Russlands den politischen Dialog mit Moskau aufrechterhalten und Möglichkeiten zur Wiederherstellung der Kontakte suchen solle. Diese Aussagen erfolgten vor dem Hintergrund laufender Diskussionen in der EU über den Format künftiger Verhandlungen mit Russland und die Bedingungen eines möglichen Waffenstillstands.

Bedeutung des Missverhältnisses für die diplomatische Spur

Die Diskrepanz zwischen den Versionen von Helsinki und Peking zur nuklearen Abschreckung ist für die Bewertung der tatsächlichen Einflusshebel von Bedeutung, über die China gegenüber Moskau verfügt. Wenn Peking bewusste öffentliche Garantien vermeidet, kann dies auf ein Unwillen hindeuten, Verpflichtungen zu übernehmen, die im Falle einer Eskalation nicht einlösbar wären. Gleichzeitig schwächt das Fehlen einer direkten Bestätigung durch China für Kiew und die europäischen Hauptstädte das Argument des „chinesischen Abschreckungsfaktors“, auf den sich zuvor mehrere europäische Politiker in Sicherheitsdiskussionen bezogen hatten.