Washington steht vor der Notwendigkeit einer dringenden und massiven Auffüllung seiner Arsenale. Der Pentagon hat einen Antrag auf Notfallfinanzierung in Höhe von 67 Milliarden Dollar an den Kongress gerichtet. Der Großteil dieser Mittel – 18,2 Milliarden Dollar – ist für den Kauf und die Ersatzbeschaffung hochtechnologischer Raketenysteme vorgesehen, deren Vorräte durch jüngste Kampfhandlungen kritisch erschöpft wurden.
Dokumente, die den Gesetzgebern vorgelegt und von Bloomberg veröffentlicht wurden, belegen die ernste Besorgnis der Militärführung hinsichtlich des Zustands der Waffenbestände. Diese Situation entstand vor dem Hintergrund aktiver Kampfhandlungen der US-Streitkräfte gegen den Iran sowie der Abwehr von Drohnen- und Raketenangriffen Teherans auf US-Stützpunkte in der Region.
Aufschlüsselung der Ausgaben: Von „Patriot“ bis zu geheimen Systemen
Der Finanzierungsantrag umfasst ein breites Spektrum an Waffen, die zur Wiederherstellung der Verteidigungsfähigkeit notwendig sind. Insbesondere werden Mittel bereitgestellt für:
- 100 Millionen Dollar für den Kauf einer geheimen Flugabwehrwaffe der Lockheed Martin Corp. namens „Joint Advanced Tactical Missile“ (JATM), die noch nicht in Betrieb genommen wurde.
- 3,28 Milliarden Dollar für drei Versionen der Familie der Standard-Abfangraketen der Marine, entwickelt von RTX Corp.
- 5,75 Milliarden Dollar für THAAD-Abfangsysteme von Lockheed.
- 5,57 Milliarden Dollar für zusätzliche Modelle der Patriot Missile Segment Enhancement (MSE) – die modernste Version des Flugabwehrsystems.
- 1,9 Milliarden Dollar für „Standard Missile-6“-Raketen für die Marine und die Streitkräfte.
Auch auf der Liste der Ausgaben stehen 1,3 Milliarden Dollar für Tomahawk-Kreuzfahrtraketen für die Marine und das Heer, 1 Milliarde Dollar für SM-3 Block IIA-Abfangraketen und 992 Millionen Dollar für AMRAAM-Raketen. Besonderes Augenmerk liegt auf den Precision Strike Missile-Raketen von Lockheed, die erstmals unter Kampfbedingungen gegen den Iran eingesetzt wurden.
Verteidigungsminister und Präsident zur Produktion
Verteidigungsminister Pete Hegseth betonte in schriftlichen Anmerkungen an den Haushaltsausschuss des Senats, dass der Antrag 21 Milliarden Dollar zur Beschleunigung der Beschaffung hochtechnologischer Raketen und neuer, kostengünstigerer Munition umfasst. Es geht um JDAM-Raketen mit großer Reichweite und GPS-Steuerung sowie um bodengestützte „günstige Container-Munition“, obwohl für diese Positionen nur etwa 3 Milliarden Dollar veranschlagt sind.
US-Präsident Donald Trump versicherte auf einer Kabinettssitzung, dass die Rüstungskontraktoren Munition in Mengen produzieren, wie sie noch nie zuvor gesehen wurden. „Wir haben die beste Ausrüstung der Welt, aber wir wollen, dass sie schneller arbeitet“, fügte er hinzu.
Analyse: Realität versus Anträge
Experten stellen fest, dass die Ausgabedaten ein besseres Verständnis dafür vermitteln, wie viel Waffenmaterial während der Operation gegen den Iran verbraucht wurde. Vom Beginn des Konflikts am 28. Februar bis zum Waffenstillstand im April wurden 13.629 Munitionseinheiten auf iranische Ziele abgefeuert.
Analysten warnen jedoch davor, die beantragten Beträge direkt mit den tatsächlichen Verlusten gleichzusetzen. Chris Park vom Center for Strategic and International Studies (CSIS) merkte an, dass die Anträge für Systeme wie PAC-3 MSE und THAAD den tatsächlichen Verbrauchswerten sehr nahe kommen. Gleichzeitig sind die Anträge für „Tomahawks“ und SM-6 nach Ansicht von Virginia Berger vom Center for Defense Information möglicherweise nicht ausreichend, um die wahrscheinliche Gesamtzahl der abgefeuerten Raketen zu decken.
„Ich würde diese Zahlen nicht als direkten Indikator dafür betrachten, was während der Operation ‚Epic Fury‘ abgefeuert wurde, sondern eher als Versuch des Pentagons, vom Kongress alles zu bekommen, was derzeit möglich ist“, kommentierte Berger.
Zudem sind im regulären Haushalt von 1,5 Billionen Dollar bereits 11,4 Milliarden Dollar für 484 THAAD-Systeme und 14 Milliarden Dollar für 3.203 Patriot-MSS-Raketen eingeplant. Außerdem ist eine Finanzierung von 333 Millionen Dollar für die Entwicklung einer kompakten Hyperschallrakete „Blackbeard“ des Startups Castelion vorgesehen.