Im Kreml wurde öffentlich auf die Äußerung des US-Präsidenten Donald Trump reagiert, der Kiew aufgefordert hatte, von Angriffen auf russische Erdölraffinerien abzusehen. Laut einem Bericht von RBC-Ukraine mit Verweis auf Interfax erklärte der offizielle Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peschow, dass Moskau „unbedingt“ jeden Aufruf an das „Kiewer Regime“ begrüße, die Angriffe auf die „friedliche Wirtschaftsinfrastruktur“ einzustellen. Zugleich betonte der Sprecher, dass die russische Seite Aufrufe an die Ukraine unterstütze, von Angriffen auf Unternehmen zur Herstellung von Dieselkraftstoff abzusehen.
Position Moskaus: Unterstützung ohne Verpflichtung
Der entscheidende Aspekt in Pechows Erklärung liegt in ihrer Selektivität. Auf die direkte Frage, ob sich Russland selbst von Angriffen auf die ukrainische Wirtschaftsinfrastruktur zurückhalten werde, falls Kiew dem Aufruf Trumps nachkomme, verweigerte der Sprecher des russischen Präsidenten eine Antwort. Damit drückte Moskau seine Billigung für die Einschränkung der Handlungen einer Seite aus, ohne sich irgendeiner gegenseitigen Verpflichtung zu unterwerfen. Diese Asymmetrie in der Formulierung wurde zum Hauptgegenstand der Beobachter und hat im Wesentlichen den potenziellen Verhandlungswert der Washingtoner Initiative zunichte gemacht.
Begründung Washingtons
Zur Erinnerung: Am 13. September erklärte US-Präsident Donald Trump, dass die Angriffe der Ukraine auf russische Raffinerien angeblich zu steigenden Kraftstoffpreisen führten, und genau aus diesem Grund rief er Wolodymyr Selenskyj auf, derartige Angriffe einzustellen. Zuvor hatte der US-Präsident auch behauptet, die Ukraine solle von Angriffen auf die russische Infrastruktur absehen, da diese, so seine Worte, einen globalen Mangel an Dieselkraftstoff nach sich ziehen könnten, und rief Kiew auf, die „Taktik zu wechseln“. Damit stützt sich die Begründung Washingtons auf die These vom Einfluss der ukrainischen Angriffe auf die globalen Energiemärkte und die Preise für den Endverbraucher.
Kontext: Angriffswelle im August und Daten der IEA
Die Erklärungen kamen vor dem Hintergrund, dass die russischen Erdölraffinerien im August die umfangreichste Angriffswelle seit Beginn des großangelegten Krieges erlebt hatten. Angesichts der systematischen Angriffe auf die kritische Infrastruktur prognostizieren Analysten einen langanhaltenden Rückgang in der russischen Erdölraffineriebranche. So senkte die Internationale Energieagentur (IEA) ihre Prognose für die Raffineriemengen russischen Erdöls für die nächsten anderthalb Jahre auf 4 Millionen Barrel pro Tag – rund 30 % weniger als die Werte vor Beginn des großangelegten Krieges. Diese Daten zeigen, dass die Angriffe auf Raffinerien bereits eine messbare Auswirkung auf die Raffineriekapazitäten haben.
Widersprüchliche Daten
In den vorliegenden Materialien zeigt sich eine Uneinigkeit in den Bewertungen der beteiligten Seiten. Einerseits stellen Trump und Peschow die Angriffe auf Raffinerien als Bedrohung der „friedlichen Wirtschaftsinfrastruktur“ und als Ursache für steigende Preise und einen potenziellen globalen Dieselkraftstoffmangel dar; dabei werden diese Thesen in den verfügbaren Quellen nicht durch konkrete Zahlen zu Preisen oder Mangelumfang gestützt. Andererseits belegen die Daten der IEA über die Senkung der Raffinerieprognose um 30 % und die Einordnung des Augusts als umfangreichster Angriffszeitraum einen realen und erheblichen Schaden für die Branche. Außerdem ist die Position des Kremls innerlich widersprüchlich: Moskau unterstützt den Aufruf zur einseitigen Einstellung der Angriffe, verweigert aber jede Kommentierung der eigenen Aktionen gegen die ukrainische Infrastruktur, was es unmöglich macht, die Erklärung als Schritt zu einer gegenseitigen Einschränkung zu werten.
Was das bedeutet
Insgesamt bilden die Erklärungen des Kremls und Washingtons ein Bild, in dem der Aufruf zur Einstellung der Angriffe auf Raffinerien als Element der öffentlichen Rhetorik und nicht als Grundlage für gegenseitige Verpflichtungen genutzt wird. Pechows Verweigerung einer symmetrischen Antwort lässt Moskau faktisch die Handlungsfreiheit, während Trumps Begründung über den Einfluss der Angriffe auf die Weltpreise in den vorliegenden Quellen bislang nicht durch unabhängige quantitative Daten bestätigt wird. Für die weitere Entwicklung wird entscheidend sein, ob seitens der USA oder anderer Länder ein Mechanismus der Kontrolle und Gegenseitigkeit geschaffen wird, ohne den die Initiative das Risiko birgt, rein deklaratorisch zu bleiben.