Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat öffentlich erklärt, dass Moskau zu einer neuen Runde der Ukraine-Verhandlungen bereit sei. Nach seinen Worten habe sich Russland „nie gegen einen Dialog gewehrt“, und alle bisherigen Verhandlungskontakte seien, seiner Einschätzung nach, nicht auf Initiative der russischen Seite abgebrochen worden. „Daher, wenn unsere Kollegen bereit sind, denke ich, dass man sie durchaus wieder aufnehmen kann. Wir haben etwas zu sagen“, erklärte der russische Außenminister, wie ukrainische und russische Medien unter Berufung auf seine Aussage berichteten.
Position Moskaus: „Wir haben etwas zu sagen“
Im Zentrum der Erklärung Lawrows steht der Hinweis, dass die Initiative zur Wiederaufnahme der Kontakte, so Moskau, bei den „Kollegen“ – also der ukrainischen und westlichen Seite – liege. Die Formulierung „wir haben etwas zu sagen“ unterstreicht, dass sich der Kreml als diejenige Seite positioniert, die auf eigenen Bedingungen zum Dialog bereit ist. Die russische Seite entlastet sich damit öffentlich von der Verantwortung für das Scheitern früherer Runden und schiebt die Initiative den Gegnern zu.
Dreiparteienformat und „positives Signal“ aus Washington
Zuvor hatte der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, erklärt, der Kreml erwarte ein neues dreiseitiges Treffen mit der Beteiligung Russlands, der Ukraine und der USA, und die Vereinbarung darüber sei, seinen Worten zufolge, bereits mit den amerikanischen Verhandlungsführern besprochen worden. Lawrow seinerseits teilte mit, dass Moskau im Ansatz der USA zum Friedensprozess ein „positives Signal“ erkenne, und betonte, Washington „beachte die Realitäten vor Ort“, wie er es ausdrückte. Die Gesamtheit dieser Erklärungen deutet darauf hin, dass in Moskau aktiv das Narrativ von einem sich nähernden Verhandlungsfenster vorangetrieben wird.
Widersprüchliche Angaben
Zwischen den Erklärungen der Parteien bestehen bemerkenswerte Widersprüche. Auf der einen Seite sprechen Lawrow und Peskow von der Bereitschaft zum Dialog, von einem „positiven Signal“ der USA und von einer angeblich bereits besprochenen dreiseitigen Begegnung. Auf der anderen Seite erklärte US-Präsident Donald Trump, dass ein Treffen mit dem russischen Staatschef erst dann stattfinden werde, wenn Russland sich bereit erklärt, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden. Washington knüpft die Verhandlungen also an die Bedingung eines Waffenstillstands, während Moskau seine Bereitschaft zum Dialog ohne vorherige Zugeständnisse betont. Außerdem wird in einzelnen russischen Quellen betont, dass Russland „nie gegen inoffizielle Kontakte mit Europa zur Ukraine gewehrt“ habe, was die These von der Bereitschaft zu direkten Verhandlungen mit Kiew etwas einschränkt und umformuliert.
Kontext: Wette auf den Verhandlungspfad
Insgesamt belegen die Erklärungen des russischen Außenministeriums und der Kreml-Pressestelle einen Versuch Moskaus, im informationellen Umfeld um den Friedensprozess eine initiativreiche Position einzunehmen: Einerseits wird „Offenheit“ für den Dialog demonstriert, andererseits werden Bedingungen formuliert, nach denen die Wiederaufnahme der Kontakte von den Handlungen der Gegner abhängt. Die tatsächliche Dynamik bleibt jedoch an die Position Washingtons gebunden, die, den Worten Trumps zufolge, ein Treffen auf höchster Ebene an die Beendigung des Krieges knüpft.