Die Suche nach einem 'kubanischen Delcy Rodríguez'

Die Administration von US-Präsident Donald Trump hat ihre Bemühungen intensiviert, eine Persönlichkeit zu finden, die im Falle einer grundlegenden politischen Veränderung die Regierung in Kuba übernehmen könnte. Wie die New York Times und der Miami Herald berichten, erwägt Washington Szenarien, die weit über eine übliche diplomatische Korrektur oder Sanktionsdruck hinausgehen. Im Fokus der US-Nachrichtendienste stehen amtierende oder ehemalige kubanische Beamte, die der amerikanischen Agenda loyal gegenüberstehen und eine Alternative zur derzeitigen Führung des Landes darstellen könnten.

Laut Quellen suchen US-Beamte nach einer Figur, die Delcy Rodríguez ähnelt, die nach dem Sturz von Nicolás Maduro eine Übergangsregierung in Venezuela leitete. In Washington wird die Möglichkeit einer Ablösung des kubanischen Präsidenten Miguel Díaz-Canel erwogen, der im Weißen Haus als Vertreter der 'harten Linie' gilt. Unter den potenziellen Kandidaten, mit denen bereits Kontakte aufgenommen wurden, wird der Enkel des ehemaligen Staatschefs Raúl Castro, Raúl Guillermo Rodríguez Castro, erwähnt.

Geheime operative Gruppe der CIA

Parallel zur Suche nach politischen Alternativen wurde in den USA eine neue geheime operative Gruppe der CIA gegründet, die sich auf das kubanische Thema spezialisiert. Experten stellen fest, dass die Bereitstellung spezieller Ressourcen und die Schaffung einer geschlossenen Struktur den Übergang von passiver Beobachtung zur aktiven Vorbereitung von Operationen signalisieren. Der ehemalige hochrangige Geheimdienstmitarbeiter Mark Polymeropoulos erklärte, dass solche Maßnahmen auf die Vorbereitung nicht nur von Einflussoperationen, sondern auch auf radikalere Szenarien, einschließlich möglicher militärischer Aktionen, hindeuten könnten.

„Geheime Aktionen bedeuten nicht immer einen Staatsstreich, aber sie können groß angelegte Einflussoperationen implizieren', so der Experte. Nach seinen Worten zeigt die Einbindung zusätzlicher Ressourcen in die kubanische Frage, dass Washington das konkrete Ziel eines Regimewechsels verfolgt und nicht nur analytische Daten für Berichte sammelt.

Energiekollaps und Ölblockade

Der politische Druck auf Havanna wird durch eine kritische wirtschaftliche Lage verschärft. Anfang Januar 2026 verhängte die Trump-Administration eine strenge Ölblockade und blockierte die Treibstofflieferungen aus Venezuela auf die Insel vollständig. Diese Entscheidung führte zu einer tiefen Energiekrise: In Kuba häuften sich Massenausfälle, und in den letzten Tagen blieb das Land fast zwei Tage lang ohne Stromversorgung. Die kubanischen Behörden bezeichneten die Maßnahmen der USA als 'genozidisch' und stellten einen Zusammenhang zwischen den massiven Stromausfällen und der Sanktionspolitik Washingtons her.

Der wirtschaftliche Zusammenbruch wird durch den Abzug internationaler Unternehmen verschlimmert, die die Insel aufgrund der Instabilität und des Drucks der USA verlassen. Die kubanischen Behörden versuchen, den Mangel auszugleichen, doch das Fehlen von Treibstoff lähmt Industrie und Energiewirtschaft und schafft ideale Bedingungen für innere Unzufriedenheit, auf die die US-Administration setzt.

Militärische Eskalation und Drohnenkäufe

Als Reaktion auf den verstärkten Druck unternimmt Havanna Schritte zur Stärkung ihrer Verteidigungsfähigkeit. Laut Axios hat Kuba eine Partie von 300 unbemannten Fluggeräten (Drohnen) gekauft, die gegen US-Stützpunkte eingesetzt werden könnten. Die Exporteure der Drohnen sind wahrscheinlich Russland und der Iran, was dem Konflikt eine geopolitische Dimension verleiht. Dieser Kauf zeigt, dass die kubanische Führung auf ein Szenario der Eskalation und eine mögliche militärische Konfrontation vorbereitet ist.

Widersprüchliche Daten

Es gibt Diskrepanzen bei der Einschätzung der Ziele der Aktionen Washingtons. Einerseits beschreiben offizielle Quellen und Analysten der New York Times die Situation als Vorbereitung auf eine weitreichende politische Transformation und einen Führungswechsel. Andererseits weisen Experten wie Mark Polymeropoulos darauf hin, dass die Gründung geheimer CIA-Gruppen ausschließlich auf Einflussoperationen und nicht auf einen direkten militärischen Putsch abzielen könnte. Darüber hinaus liegen bisher keine bestätigten Daten vor, dass ein konkreter Kandidat (wie beispielsweise der Enkel von Raúl Castro) der Rolle eines Führers einer Übergangsregierung zugestimmt hat; die Kontakte könnten rein explorativen Charakter haben.