Die polnischen Rüstungsunternehmen PK MIL und SZCZĘŚNIAK Pojazdy Specjalne haben eine strategische Partnerschaft besiegelt, die auf die Vorbereitung der Produktion des ukrainischen radbasierten 155-mm-Selbstfahrlafettengeschützes Bohdana ausgerichtet ist. Ein entsprechendes Memorandum of Understanding wurde am 11. September 2026 im Rahmen der XXXIV. Internationalen Messe für Rüstungsindustrie MSPO im polnischen Kielce unterzeichnet. Das Dokument hält die Absicht der Parteien fest, gemeinsam ein zertifiziertes Artilleriesystem auf den Markt zu bringen, das mit NATO-Standards kompatibel ist.

Rollenverteilung im Projekt

Gemäß der vorläufigen Aufteilung der Aufgaben übernimmt PK MIL die Verantwortung für den Artillerieteil des Projekts – die Entwicklung und Integration des Waffensystems. Das Unternehmen SZCZĘŚNIAK Pojazdy Specjalne wird seinerseits fachliche Unterstützung im Bereich der Entwicklung spezialisierter Kraftfahrzeugtechnik leisten: Dessen Spezialisten kümmern sich um die Montage von Artilleriesystemen auf Radfahrgestelle und die Anpassung von Transportplattformen an die Anforderungen militärischer Auftraggeber. Dieser Ansatz ermöglicht es, die ukrainische Kampferfahrung im Betrieb der Bohdana mit polnischen Kompetenzen im Automobilbau zu verbinden.

Langfristiges Betreuungsmodell

Der Vorstandsvorsitzende von PK MIL, Marek Ważęcha, betonte, dass die Partnerschaft als langfristiges Projekt betrachtet wird, das über die bloße Produktion von Technik hinausgeht. „Wir betrachten unsere Partnerschaft von Anfang an als ein langfristiges Projekt, das nicht nur die Produktion von Ausrüstung vorsieht, sondern auch die Einführung von Lösungen für deren Wartung, Reparatur und anschließende operative Unterstützung direkt am Einsatzort“, erklärte er. Damit legt die polnische Seite die Infrastruktur für den gesamten Lebenszyklus der Waffe fest, was ein entscheidendes Argument für potenzielle ausländische Kunden ist.

Kontext der Serienproduktion und Modifikationen

Die Verlagerung der Produktion nach Polen fügt sich in den breiteren Prozess der Skalierung der Bohdana-Produktion ein. Vorliegenden Daten zufolge haben ukrainische Hersteller das Volumen der Serienproduktion von Selbstfahrlafetten bereits auf 40 Fahrzeuge pro Monat erhöht und damit eine Einzelentwicklung in ein Fließbandprodukt verwandelt. Zur Erweiterung der Flotte und Anpassung an verschiedene Aufgaben wurden mehrere Modifikationen der Bohdana entwickelt, die auf verschiedenen Typen von Radfahrgestellen – von KrAZ und MAZ bis Tatra – montiert sind. Das neue polnische Unternehmen plant, sich auf die Herstellung von 155-mm-Selbstfahrhaubitzen Bohdana sowie gezogenen Artilleriesystemen Bohdana-BG zu spezialisieren.

Marktzugang und internationale Relevanz

Neben dem Ausbau der eigenen Produktionskapazitäten verschafft die Einrichtung der Montagelinie in Polen der ukrainischen Artillerietechnik Zugang zum internationalen Markt. Insbesondere werden potenzielle Lieferungen von Haubitzen an polnische Kunden und andere europäische Länder diskutiert, für die die Kompatibilität mit NATO-Standards und die geografische Nähe der Produktion entscheidende Faktoren sind. In diesem Sinne wird das polnische Werk nicht nur zu einem Montageknotenpunkt, sondern zu einer Brücke, über die sich die ukrainische Artillerieentwicklung in den Arsenalen europäischer Armeen verankern kann.