Am 13. September 2026 veröffentlichte das 1021. Flak-Artillerie-Regiment der Luftstreitkräfte der ukrainischen Streitkräfte eine Videoaufnahme, auf der die Zerstörung einer russischen Angriffsdrohne mit dem Panzerabwehrkomplex «Stugna-P» festgehalten wurde. Dies berichtete RBC-Ukraine unter Berufung auf die offizielle Mitteilung des Regiments selbst. Die Demonstration wurde zu einem eindrucksvollen Beleg dafür, dass die ukrainischen Militärs weiterhin aktiv panzerabwehrnde Lenkflugkörper für Aufgaben der Luftverteidigung umwidmen und so den Mangel an spezialisierten Luftabwehrmitteln angesichts massiver Drohnenangriffe kompensieren.

Umwidmung des Panzerabwehrkomplexes für Luftziele

Die «Stugna-P» wurde ursprünglich als panzerabwehrnde Lenkwaffe der vierten Generation entwickelt und ist zur Zerstörung von Panzerfahrzeugen bestimmt. Wie jedoch der Kampfeinsatz und die taktischen Erfordernisse gezeigt haben, verfügt das System über eine ausreichende Schussfolge, Zielgenauigkeit und Steuerungsflexibilität, um effektiv gegen tief fliegende und langsame Luftziele eingesetzt zu werden. Die Soldaten des 1021. Regiments demonstrierten, dass die Rakete bei entsprechender Einsatztaktik und Umrüstung des Zielsuchmodus in der Lage ist, Angriffsdrohnen abzufangen, die zur Hauptbedrohung für rückwärtige Objekte und Stellungen der Truppen geworden sind. Laut dem Magazin Focus setzen die ukrainischen Militärs bereits aktiv modernisierte «Stugna-P»-Komplexe mit GPS-Modulen ein, was den Aufgabenbereich des Systems erweitert.

Luftabwehrrakete RK-2PZ und die Messe MSPO-2026

Die Demonstration des Einsatzes der «Stugna-P» gegen Drohnen fand erst fünf Tage nach der Präsentation einer grundlegend neuen 130-mm-Luftabwehrrakete RK-2PZ durch das Konstruktionsbüro «Luch» – den Entwickler des Komplexes – auf dem internationalen militärtechnischen Forum MSPO-2026 in Polen statt. Dies hatte zuvor das Magazin «Militarnyj» berichtet. Die Rakete wurde auf Basis des Panzerabwehrkomplexes «Barier» entwickelt und ist für die Montage auf den Luftabwehrkomplexen «Desna» und der modernisierten «Strela-10» bestimmt. Von grundsätzlicher Bedeutung ist, dass die RK-2PZ bereits an der Front eingesetzt wird und sich nicht ausschließlich in der Erprobungsphase befindet. Auf demselben Forum stellte das Unternehmen Ukrspecsystems offiziell die Lenkwaffe RAM-2X mit H-förmigen Tragflächen vor, die laut Entwickler mehr als 400 bestätigte zerstörte Ziele aufweist.

Technische Merkmale und taktische Einschränkungen

Die RK-2PZ behält das Steuerungsprinzip der Basis-Panzerabwehrrakete bei: Der Laserstrahl überträgt Befehle auf den Empfänger im Heck des Sprengkopfs, und nach dem visuellen Erfassen des Ziels startet der Operator die Rakete, die das System bis zur Zerstörung des Ziels führt. Die Zündung des Sprengkopfs erfolgt kontaktlos per Signal der Bordfühler oder bei Direkttreffer. Die 29 kg schwere Rakete trägt einen Splitter- und Sprengkopf mit einer Masse von 6,1 kg. Die genauen Merkmale und die Liste der typischen Ziele gibt der Hersteller nicht bekannt; bekannt ist jedoch, dass die Panzerabwehrversion des Komplexes eine Unterschallgeschwindigkeit von 200–220 m/s hatte. Dieser Geschwindigkeitswert reicht nicht aus, um Marschflugkörper abzufangen, ist aber durchaus ausreichend, um langsame unbemannte Luftfahrzeuge zu zerstören, die derzeit den Großteil der Luftbedrohungen im Konflikt ausmachen.

Kontext: wachsende Rolle der KI-Nachführung in der Luftverteidigung

Der Einsatz der «Stugna-P» gegen Luftziele fügt sich in einen breiteren Trend ein, über den RBC-Ukraine zuvor berichtet hatte: Die Zahl der Zerstörungen feindlicher Ziele unter Einsatz von KI-Nachführungsmodulen ist in der Ukraine seit Beginn des Jahres 2026 um das Zehnfache gestiegen. Das Unternehmen Brave1 und der Hauptstab für Rüstung und Militärtechnik des ukrainischen Verteidigungsministeriums führten die erste großangelegte gemeinsame Erprobung von automatischen Nachführungsmodulen gegen bewegte Bodenziele nach einem einheitlichen Szenario durch. Dies belegt einen systematischen Ansatz zur Integration künstlicher Intelligenz in Kampfsysteme, der es selbst vergleichsweise einfachen Panzerabwehrraketen ermöglicht, Aufgaben zu erfüllen, die zuvor ausschließlich spezialisierten Luftabwehrkomplexen vorbehalten waren.