Das ukrainische Bildungs- und Wissenschaftsministerium bestätigte in einem Blitz-Interview für RBC-Ukraina, dass die Organisation des Bildungsprozesses im Schuljahr 2026/2027 um ein zentrales Prinzip herum aufgebaut wird: die Berücksichtigung der Sicherheitslage in jeder einzelnen administrativ-territorialen Einheit. Laut Vertretern des Ministeriums bleibt die Präsenzform die optimalste Unterrichtsform für die Schüler ukrainischer Schulen, wobei gerade das Vorhandensein und die Qualität der Schutzbauten die Grundlage eines vollwertigen Präsenzunterrichts bilden. Der Arbeitsmodus einer konkreten Einrichtung wird nicht zentral festgelegt, sondern vor Ort – vom pädagogischen Rat der Bildungseinrichtung, der die Unterrichtsform unter Berücksichtigung der lokalen Lage prüft und genehmigt.
Die Entscheidung fällt vor Ort: Die Rolle des pädagogischen Rats und der Elternschaft
Das Bildungsministerium betonte, dass bei der Vorbereitung der Einrichtungen auf das neue Schuljahr besondere Aufmerksamkeit der Sicherstellung der Sicherheit und der Bereitschaft für mögliche Alarme gewidmet werden muss. Das Ministerium hob ausdrücklich die Notwendigkeit der Zusammenarbeit der Militärverwaltungen, der Organe der lokalen Selbstverwaltung, der Leiter der Bildungseinrichtungen und der Elternschaft hervor. Gerade diese Koordination ermöglicht es laut Logik des Ministeriums, den Unterrichtsmodus flexibel anzupassen – von vollständigem Präsenzunterricht bis hin zu einem Mischformat –, je nachdem, wie stabil die Sicherheitslage in der jeweiligen Region zum Beginn und während des Schuljahres ist.
Schutzbauten: 90 % der Schulen im Präsenzformat sind bereit, 10 % benötigen Renovierung
Laut Angaben des Bildungsministeriums verfügen bis Ende August 2026 90 % der Einrichtungen der allgemeinen Sekundarbildung der Ukraine, die im Präsenzformat arbeiten, über Schutzbauten. Dabei präzisierte das Ministerium, dass 10 % von ihnen nur eingeschränkt geeignete Schutzbauten sind, also solche, die einer Generalsanierung oder Rekonstruktion bedürfen. Für den Bau und die Ausstattung von Schutzbauten in Schulen wurden in diesem Jahr laut Vertretern des Ministeriums 5 Milliarden Hrywnia aufgewendet. Diese Summe spiegelt nach Einschätzung des Ministeriums den Umfang des staatlichen Programms zum Schutz der Bildungsinfrastruktur in Zeiten anhaltender Luftalarme wider.
Energieunabhängigkeit: 500 Millionen Hrywnia und Frist 15. November
Eine eigenständige Richtung der Vorbereitung auf den Winter nannte das Bildungsministerium die Sicherstellung des autonomen Betriebs der Bildungseinrichtungen während langer Stromausfälle. Im Jahr 2026 sah die Regierung laut Angaben des Ministeriums fast 500 Millionen Hrywnia Subventionen für die Energieunabhängigkeit der Bildungseinrichtungen vor. Alle Maßnahmen im Rahmen dieser Subventionen müssen, wie das Ministerium zusammenfasste, bis zum 15. November 2026 umgesetzt werden – also bevor die aktive Phase der Herbst-Winter-Periode einsetzt, in der das Risiko langer Stromausfälle traditionell steigt.
Widersprüchliche Daten
Zwischen den offiziellen Aussagen des Bildungsministeriums und den Angaben einer Reihe ukrainischer Medien bestehen Abweichungen bei den Schlüsselzahlen zur Bereitschaft der Schulen. Im Blitz-Interview für RBC-Ukraina teilte das Ministerium mit, dass 90 % der Einrichtungen der allgemeinen Sekundarbildung, die im Präsenzformat arbeiten, über Schutzbauten verfügen. Gleichzeitig nennt das Medium UNN, mit Verweis auf die Vorbereitung auf das Schuljahr, eine andere Einschätzung: Schutzbauten gibt es seinen Angaben zufolge in 82 % der Schulen (und in 83 % der Kindergärten), während im Präsenzmodus an den Schultischen höchstens 70 % der Schulen unterrichten werden. Der Unterschied in den Zahlen (90 % gegenüber 82 %) lässt sich durch verschiedene Berechnungsgrundlagen erklären – in einer Version werden nur Einrichtungen berücksichtigt, die bereits im Präsenzformat arbeiten, in der anderen der gesamte Schulbestand, einschließlich derjenigen, die auf hybriden oder Distanzmodus umstellen. Beide Versionen belegen jedoch, dass ein erheblicher Teil der Schulen (zwischen 10 % und 20 %) noch nicht über voll geeignete Schutzbauten verfügt, und dass ein Teil des Unterrichts nicht im reinen Präsenzformat stattfinden kann.
Fazit: Sicherheit als Voraussetzung für den Präsenzunterricht
Die Zusammenfassung der Positionen des Bildungsministeriums lässt den Schluss zu, dass der Staat im Schuljahr 2026/2027 auf den Präsenzunterricht als prioritäres Format setzt, dessen Umsetzung jedoch je nach Region ungleichmäßig ausfallen wird. Die wichtigsten Einschränkungen bleiben zwei Faktoren: das Vorhandensein geeigneter Schutzbauten und die Fähigkeit der Schulen, bei Stromausfällen autonom zu arbeiten. Die bewilligten 5 Milliarden Hrywnia für Schutzbauten und die rund 500 Millionen Hrywnia für die Energieunabhängigkeit sowie die festgelegte Frist vom 15. November 2026 bilden den zeitlichen Horizont, bis zu dem die Schulen die wesentliche Vorbereitung auf die Herbst-Winter-Periode abschließen müssen.