Die auf die Bewahrung von Videospielen und den Schutz des Zugangs zum digitalen Erbe ausgerichtete Community DoesItPlay hat einen einwöchigen Boykott des PlayStation-Ökosystems initiiert. In einem Aufruf, der auf der Plattform Bluesky veröffentlicht wurde, werden Gamern unter dem Hashtag #PSBlackout vorgeschlagen, vom 23. bis 30. August 2026 ihre Konsolen nicht einzuschalten, sich nicht in der PlayStation Network anzumelden und keine Käufe auf irgendwelchen Sony-Diensten zu tätigen. Die Formulierung der Aufforderung ist extrem konkret: „Keine Systemanmeldungen, keine Spielsitzungen, keine Käufe auf irgendwelchen Sony-Plattformen“. Der Aktion ging ein breiterer Kontext voraus – der schrittweise Verzicht der Branche, vor allem von Sony, auf physische Medien zugunsten vollständig digitaler Veröffentlichungen.
Aufruf zum „PSBlackout“ und seine Logik
Die Idee des Boykotts beruht auf einem einfachen Prinzip kollektiven Drucks: Wenn für eine Woche ein erheblicher Teil der aktiven Nutzerbasis verschwindet, wird Sony den Rückgang der Engagement-Spanne spüren und – so die Absicht der Organisatoren – gezwungen sein, seine Politik gegenüber physischen Discs zu überdenken. DoesItPlay positioniert die Aktion als friedlichen, nicht gewaltsamen Protest, der von den Teilnehmern keinerlei technische Handlungen verlangt – es reicht, einfach nicht in das System einzuloggen. Der Hashtag #PSBlackout soll die verstreuten Stimmen der Spieler zu einem einheitlichen, sichtbaren Signal bündeln, das über die Aktivität in den sozialen Medien und potenziell über die Verbindungsstatistiken des Netzwerks nachverfolgt werden kann.
Zweifel an der Wirksamkeit: eine „gewöhnliche“ Woche und die Gamescom
Experten, die die Initiative bewertet haben, sind sich jedoch einig, dass die Aktion voraussichtlich kaum Einfluss auf die Position von Sony haben wird. Das zentrale Argument ist die Wahl des Zeitraums: Die letzte Augustwoche ist eine „gewöhnliche“, d. h. in dieser Zeit sind keine großen Events, Präsentationen oder hochkarätigen Releases im Zusammenhang mit PlayStation geplant. Der Aktivitätsrückgang in einem solchen Zeitraum lässt sich leicht kompensieren und trifft die Kernkennzahlen nicht. Außerdem fällt in dieselbe Woche die Gamescom-Konvention, zu der traditionell die treuesten Fans der Branche reisen – ein erheblicher Teil der aktivsten Spieler ist also ohnehin „abwesend“ von ihren Heimkonsolen. Die Summe dieser Faktoren verwässert nach Einschätzung der Fachleute den Boykott-Effekt.
Radikalere Forderungen in den Kommentaren
In den Diskussionen unter dem DoesItPlay-Post halten einige Gamer das einwöchige Format für unzureichend und schlagen strengere Maßnahmen vor: die Massenstornierung von PSN-Abonnements für drei Monate oder sogar eine kollektive Rückerstattung für vorbestellte digitale Dienste. Die Autoren solcher Kommentare sind überzeugt, dass die vorgeschlagene Aktion keinen besonderen Sinn hat, da Sony diese Tage einfach abwarten und nicht auf die Reaktion der Community reagieren werde. Parallel wird der Unmut über den Wechsel zu digitalen Veröffentlichungen auch in radikaleren Formen ausgedrückt: So veröffentlichte ein Hacker mit dem Pseudonym Cyberleek Gameplay-Videos und eine vollständige Kartenansicht des Ortes Leonidas eine Woche bevor der erweiterte GTA-VI-Trailer auf Netflix hätte erscheinen sollen. Take-Two begann erst dann, den Leckkanal zu ermitteln, als klar wurde, dass der Hacker offenbar eine vollständig spielbare Version des Spiels besitzt.
Kontext: von Discs zu digitalen Veröffentlichungen und der Illusion des Besitzes
Den Hintergrund des gesamten Streits bildet ein langfristiger Trend: Die Spielebranche wendet sich konsequent von physischen Medien zu vollständig digitalen Veröffentlichungen ab, was durch die wachsende Beliebtheit der Stores von Steam und Epic Games untermauert wird. Dabei, so betonen die Kritiker, bedeutet der „Kauf“ eines Spiels auf den meisten solchen Diensten keinen Besitz – diese Tatsache musste Steam noch im Jahr 2024 auf der Bestellseite zusätzlich erläutern. Der einzige große Distributor, der dem Nutzer derzeit ein volles Eigentumsrecht an dem gekauften Produkt einräumt, bleibt GOG. Genau dieser Unterschied zwischen „Zugang“ und „Besitz“ liegt der Forderung von DoesItPlay und der protestierenden Spieler zugrunde.
Widersprüchliche Angaben
Hier ist es wichtig, die Abweichung in der Formulierung zwischen den Quellen festzuhalten. Im ursprünglichen Aufruf von DoesItPlay ist die Aktion klar auf eine Woche begrenzt – vom 23. bis 30. August 2026, also eine einmalige, zeitlich begrenzte Maßnahme. Gleichzeitig beschreiben eine Reihe spezialisierter Medien denselben Protest als potenziell unbefristet: Nach ihren Angaben beabsichtigt ein Teil der Aktivisten, den Boykott fortzusetzen, bis Sony seinen Verzicht auf Discs als „Fehler“ anerkennt. Somit erscheint dieselbe Initiative in verschiedenen Veröffentlichungen entweder als einwöchiger Vorfall oder als langwierige Kampagne. Der Unterschied in Umfang und Dauer beeinflusst die Bewertung ihres tatsächlichen Drucks auf Sony direkt: Das einwöchige Format halten die Experten, wie bereits erwähnt, für wenig wirksam, während das unbefristete Szenario die Verhandlungsposition der Community theoretisch stärkt, aber auch das Risiko eines schnellen Burnouts erhöht.