Nach einem traumatischen Ereignis denkt ein Mensch längst nicht immer über psychologische Hilfe nach – und das ist durchaus verständlich. Wer selbst betroffen ist, ein schweres Ereignis miterlebt hat oder im Krankenhaus liegt, hat in der Regel ganz andere Dinge im Kopf: Behandlung, körperlicher Zustand, Dokumente, Alltagsfragen, Familie, Arbeit. All das muss hier und jetzt gelöst werden, und der Gedanke, sich an eine Psychologin zu wenden, kann schlicht nicht aufkommen. Genau in einer solchen Situation, wie die Psychologin, Expertin der Plattform Betobee und Psychoedukatorin Anastasia Bykova gegenüber Wave RBC.UA erklärte, ruft nicht der Mensch bei der Psychologin an, sondern die Psychologin beim Menschen.
Warum der Satz „Ich brauche Hilfe“ vielleicht nie fällt
Im alltäglichen Umgang sagen wir unseren Nächsten, Kollegen und Freunden: „Wenn etwas ist – sag Bescheid“ oder „Wenn du Hilfe brauchst, sag es mir“. Doch nach einem erlebten Stress kann ein Mensch schlicht nicht in der Lage sein, selbst um Hilfe zu bitten. Er mag das Gefühl haben, dass es ihm schwer, schlecht, Angst macht oder „ungewöhnlich“ ist, dabei aber vollständig auf die Behandlung, den Alltag, die Familie oder andere dringende Fragen konzentriert sein. Nicht immer kann ein Mensch selbst erkennen, dass er psychologische Hilfe braucht, einen Spezialisten finden, sich zu einer Beratung anmelden und seinen Wunsch formulieren. Genau hier ist es wichtig, einen kleinen Schritt auf den anderen zuzugehen, Fürsorge zu zeigen und die Entwicklung schwerer psychologischer Folgen zu verhindern.
Was ist ein „Callback“ und wozu dient er
Für solche Situationen gibt es den sogenannten Callback – einen proaktiven Schritt der Unterstützung, bei dem das Unternehmen selbst die Psychologinnen mit dem Auftrag beauftragt, sich an einen Mitarbeiter zu wenden, der ein traumatisches Erlebnis durchlebt hat: ob er selbst betroffen war, Zeuge der Ereignisse wurde oder sich in Behandlung im Krankenhaus befindet. Das Schlüsselwort hier ist „proaktiv“. Das Unternehmen kann die materiellen oder medizinischen Bedürfnisse des Mitarbeiters decken, aber der psychologische Zustand nach dem erlebten Ereignis steht oft überhaupt nicht auf der Agenda – und das heißt nicht, dass es dem Menschen gut geht. Deshalb ruft die Psychologin auf Antrag des Unternehmens als Erste am Telefon an: nicht um den Menschen zur Therapie zu zwingen, sondern um menschlich zu fragen, wie es ihm geht, ihn im Moment zu unterstützen und ihm zu zeigen, dass es, falls Hilfe jetzt oder später gebraucht wird, jemanden gibt, an den man sich wenden kann.
Wie das Unterstützungssystem nach einem traumatischen Ereignis funktioniert
Der erste psychologische Kontakt erfolgt in der Regel direkt am Ort des Geschehens – vor allem von Krisenpsychologinnen, die erste psychologische Hilfe leisten; in bestimmten Situationen können diese Funktion auch Ärzte übernehmen. Danach vergeht etwas Zeit: Der Mensch hat Gelegenheit, mit seiner Familie, Kollegen und Ärzten zu interagieren, sich um die Behandlung oder andere dringende Fragen zu kümmern. Erst danach kann der Callback-Anruf erfolgen. Das heißt, es handelt sich nicht unbedingt um ein Gespräch unmittelbar nach dem Vorfall, und zum Zeitpunkt des Anrufs können die Menschen an völlig verschiedenen Punkten der Verarbeitung des Erlebten stehen: Manche sind zu Hause und erholen sich allmählich, manche befinden sich im Krankenhaus, manche sind in Behandlung, und das Medikament wirkt beruhigend.
Freiwilligkeit und das Gefühl von Stütze
Wichtig ist zu betonen: Der Callback ist ein vollständig freiwilliger Prozess, in dem nichts aufgezwungen oder erzwungen wird. Selbst wenn ein Mensch skeptisch eingestellt ist und nicht zur Therapie gehen möchte, kann allein der Telefonanruf ihm ein Gefühl der Stütze geben. Während des Gesprächs kann er Unterstützung erhalten und einen direkten Kontakt zur Psychologin behalten, falls Hilfe später benötigt wird. Manchmal ist das Wichtigste, was man aus einem solchen Anruf mitnehmen kann, nicht die sofortige Lösung aller Probleme, sondern das einfache Verständnis: „Ich bin damit nicht allein“. Das ist ein wichtiger Schritt – sowohl für den Mitarbeiter, der sieht, dass er nicht allein ist, als auch für das Unternehmen, das keine formale, sondern wirksame Fürsorge für seine Menschen zeigt.