In einer Situation, in der russische ballistische Angriffe auf ukrainisches Territorium einen anhaltenden und sich ausweitenden Charakter angenommen haben, ist der Schutz des Luftraums zu einem der zentralen Punkte des militärpolitischen Dialogs Kiews mit westlichen Partnern geworden. Genau in diesem Zusammenhang beschrieb Aljona Hetmantschuk, Leiterin der ukrainischen Mission bei der NATO, in einem Interview mit RBC-Ukraine, wie das Land sein System zur Versorgung mit Abfangraketen für die Patriot-Luftabwehrsysteme aufbaut und warum die bestehenden Lieferkanäle den tatsächlichen Bedarf bereits nicht mehr decken.

Kontext: Der Luftraum als Hauptfront

Hetmantschuk betonte, dass es heute nicht nur um konkrete Abfangraketen geht, sondern um den Schutz des Luftraums und der Zivilbevölkerung insgesamt. Ihren Worten zufolge haben Umfang und Intensität der russischen ballistischen Angriffe den Bedarf an Bewaffnung kritisch erhöht, was Kiew zwingt, „auf allen möglichen Ebenen“ zu arbeiten, um das Luftabwehrsystem mit einer ausreichenden Anzahl an Abfangmitteln auszustatten.

PURL als erster und zentraler Kanal

Als ersten und wichtigsten Kanal nannte die Botschafterin das Programm PURL, das die Ukraine monatlich mit einem Basisniveau an PAC-3- und PAC-2-Abfangraketen versorgt. Eine Reihe ukrainischer Medien, die auf dieselben Aussagen verweisen, gibt an, dass über PURL mehr als 90 % der Raketen für Patriot fließen. Hetmantschuk dankte den Vereinigten Staaten dafür, dass Washington trotz eigener Bedürfnisse, einschließlich derer im Nahen Osten, Möglichkeiten findet, die PURL-Pakete mit für die Ukraine wertvollen Abfangraketen zu füllen.

„Das Basisniveau reicht nicht aus“

Gleichzeitig, wie die Leiterin der Mission ausdrücklich feststellte, ist selbst dieses Basisniveau, das PURL monatlich bereitstellt, angesichts des Umfangs und der Intensität der russischen ballistischen Angriffe unzureichend. Hetmantschuk fügte hinzu, dass jemand diese Abfangraketen sowohl bereitstellen als auch finanzieren müsse, und wies auf den systemischen Charakter der Aufgabe hin, nicht auf eine einmalige Lieferung.

Die Ukraine als Beitragender zur euroatlantischen Sicherheit

Im selben Interview erinnerte Hetmantschuk daran, dass die Staats- und Regierungschefs der NATO-Mitgliedstaaten erstmals in einer Erklärung den Status der Ukraine als Beitragender zur euroatlantischen Sicherheit festgeschrieben haben. Ihren Worten zufolge ist die Ukraine nicht nur in der Lage, die europäischen Fähigkeiten des Bündnisses zu stärken, sondern kann perspektivisch auch einige amerikanische ersetzen, was die Wahrnehmung Kiews im Rahmen des Bündnisses verändert.

Ununterbrochene Arbeit der „Ramstein“-Gruppe

Ein zusätzliches Signal für die Beständigkeit des Verteidigungsdialogs sei, so die Botschafterin, dass die Kontaktgruppe „Ramstein“ für die Verteidigung der Ukraine nun ununterbrochen arbeite. Dies bilde, zusammen mit PURL und den erklärten Verpflichtungen der Staats- und Regierungschefs, eine mehrstufige Architektur der Unterstützung, auch wenn, wie Kiew selbst anerkennt, die vorhandenen Mengen an Abfangraketen zur vollständigen Deckung des Bedarfs noch nicht ausreichen.