Am 8. September nahmen die Verbündeten der Ukraine auf dem virtuellen Treffen der Kontaktgruppe für die Verteidigung der Ukraine im „Ramstein'-Format Zusagen, die Lieferungen der in den USA hergestellten Luftverteidigungssysteme Patriot zu erhöhen und Abfangraketen aus den eigenen nationalen Beständen bereitzustellen. Laut Bloomberg wird der Waffenfluss über zwei Kanäle gebildet: durch individuelle Spenden europäischer Staaten und über das NATO-Programm „Ukrainische Prioritätenliste' (PURL), das es europäischen Ländern ermöglicht, US-Waffen für Kiew zu erwerben. Ziel dieser Maßnahmen ist es, der Ukraine zu helfen, die erwartete Intensivierung russischer Angriffe auf kritische Infrastruktur im Winter abzuwehren.
Virtuelles „Ramstein' und konkrete Zusagen
Das per Videokonferenz abgehaltene Treffen wurde zum Schlüsselerlebnis des Tages für die ukrainische Verteidigungsdiplomatie. Der neue ukrainische Verteidigungsminister Jewhenij Chmara wandte sich mit einer direkten Botschaft an die Verbündeten: „Wir bitten Sie, uns heute Raketen aus Ihren Beständen zu liefern, im Tausch gegen zukünftige, verbesserte Raketen aus unseren Verträgen.' Diese Formulierung bietet den Verbündeten im Wesentlichen ein Barter-Modell an: die sofortige Übertragung vorhandener Abfangraketen im Tausch gegen zukünftige Entwicklungen, die Kiew gemäß geltender Verträge produzieren möchte. Präsident Wolodymyr Selenskyj formulierte seinerseits eine konkrete quantitative Forderung – 300 Patriot-Raketen, die bis zum Einbruch des Winters geliefert werden sollen.
Programm PURL: 10 Milliarden gegenüber 12
NATO-Generalsekretär Mark Rutte teilte mit, dass das PURL-Programm bereits 10 Milliarden Dollar an Beiträgen der Verbündeten eingeworben hat. Rutte hatte zuvor jedoch die Partner aufgerufen, ein Volumen von 12 Milliarden Dollar sicherzustellen, was eine bestehende Lücke von 2 Milliarden Dollar bedeutet. Laut mit den Plänen vertrauten Quellen finalisieren die europäischen Staaten derzeit ihre nationalen Pakete im Rahmen von PURL, und die Abfangraketen sollen rechtzeitig – vor Beginn der winterlichen Angriffsperiode – in der Ukraine eintreffen. Das PURL-Paket ist laut Bloomberg eine direkte Antwort auf die zuvor von Präsident Selenskyj formulierten Forderungen.
PAC-2-Mangel und die Rolle Deutschlands
Deutschland war eines der ersten Länder, das öffentlich seine Bereitschaft erklärte, einen Teil seiner eigenen PAC-2-Patriot-Raketen zu spenden. Dieser Schritt erhält einen besonderen Kontext vor dem Hintergrund des globalen Mangels an diesen Abfangraketen, der laut dem Bericht durch den Konflikt im Iran, der erhebliche Bestände aufzehrt, verschärft wird. Zuvor hatte, wie RBC-Ukraine berichtete, der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius die Partner bereits aufgefordert, Kiew bei der Vorbereitung auf den Winter zu helfen, und vor einer Ausweitung russischer Luftangriffe gewarnt. Berlin versprach zudem, die ukrainische Luftverteidigung mit verschiedenen Raketenarten bis zum Einsetzen der Kälte zu verstärken.
Widersprüchliche Angaben
In den verfügbaren Quellen werden mehrere Unstimmigkeiten festgestellt. Erstens: das Finanzierungsvolumen von PURL – Rutte nennt 10 Milliarden Dollar als bereits erzielte Summe, sein eigener Aufruf betrug jedoch 12 Milliarden, das Programm arbeitet also mit einer Lücke von 2 Milliarden, und unklar ist, ob diese Lücke bis zum Winter geschlossen wird. Zweitens: In Juli- und August-Publikationen (darunter in Materialien, die sich auf Politico und andere europäische Medien beziehen) wurde betont, dass die eigenen europäischen Bestände „am Limit' seien, und Brüssel übte Druck auf Griechenland aus, der Ukraine Raketen für Patriot zu übergeben. Im September-Statement verschob sich der Fokus jedoch auf Deutschland und das PURL-Programm, was auf eine Umverteilung der Verantwortung zwischen den Staaten hindeuten könnte. Drittens: Die Erwähnung des „Kriegs im Iran' als Ursache des PAC-2-Mangels findet sich in diesem Publikationszyklus, in anderen Quellen wird der Kontext des globalen Abfangraketenmangels jedoch mit allgemeineren Formulierungen beschrieben, ohne Bezug zu einem konkreten Konflikt.
Winter-Szenario und die strategische Kalkulation Kiews
Die ukrainische Seite geht davon aus, dass Moskau im Winter traditionell Raketen- und Luftangriffe auf die Energie- und Militärinfrastruktur intensiviert. Der in den vorangegangenen Monaten aufgelaufene Mangel an Luftverteidigungsmitteln macht die rechtzeitige Auffüllung der Abfangraketenbestände zu einer Frage des Überlebens der kritischen Infrastruktur. Chmaras Angebot, aktuelle PAC-2 im Tausch gegen „zukünftige verbesserte Raketen' aus den Verträgen zu liefern, deutet darauf hin, dass Kiew nicht nur eine einmalige Übergabe betrachtet, sondern eine langfristige Produktionsverbindung: Die Verbündeten erhalten Zugang zu zukünftigen Entwicklungen, die Ukraine zu sofortigem Schutz. Bloomberg-Quellen betonen, dass die Logistikketten von PURL bereits eingespielt sind und bei Schließung der finanziellen Lücke von 2 Milliarden Dollar die erste Charge Abfangraketen vor Beginn der aktiven Winterangriffe geliefert werden kann.