Die russische Armee hat erneut einen konkreten Termin für die Vollendung der Eroberung des Donbass erhalten. Wie RBC-Ukraine unter Verweis auf einen Bericht des Instituts für Kriegsstudien (ISW) berichtet, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am 23. August, dass Wladimir Putin kürzlich den Befehl an die russischen Streitkräfte gegeben habe, die Eroberung der Oblast Donezk bis zum 31. Dezember 2026 abzuschließen. Laut dem ukrainischen Präsidenten bleiben Konstantinowka, Slawjansk und Kramatorsk unter den wichtigsten operativen Zielen der russischen Führung – alle drei Städte gehören zur befestigten ukrainischen Verteidigungslinie „Festungsgürtel“.
Neue Frist: 31. Dezember 2026
Die vom Kreml gesetzte Frist – der 31. Dezember 2026 – ist bereits nicht der erste Versuch, den Vormarsch an einen konkreten Kalendertermin zu binden. Laut Einschätzung des ISW hat der russische Präsident seit Beginn des großflächigen Einmarschs in die Ukraine 15-mal separate Fristen für die Eroberung der gesamten Oblast Donezk festgelegt. Keine dieser fünfzehn Fristen wurde eingehalten: Die russischen Truppen befanden sich jedes Mal in der Nähe der erklärten Ziele, und die Frontlage blieb weit hinter den politischen Versprechen zurück.
Fünfzehn nicht eingehaltene Fristen
Analysten des Instituts für Kriegsstudien betonen, dass die vom Kreml gesetzten Fristen systematisch von der realen Lage auf dem Schlachtfeld entkoppelt sind. Nach ihrer Einschätzung werden die russischen Truppen die gesamte Oblast Donezk bis Ende 2026 kaum erobern können, wenn sie dieses Ziel überhaupt erreichen. Das regelmäßige „Verschieben“ der Fristen zeuge aus Sicht der Experten von einer Kluft zwischen der Rhetorik der obersten militärischen und politischen Führung Russlands und den tatsächlichen Möglichkeiten der Armee an der Front.
Die reale Lage: Zahlen zur Kontrolle der Gebiete
Derzeit kontrolliert Russland rund 21.170 Quadratkilometer, also etwa 79,89 % der Fläche der Oblast Donezk. In der Oblast Luhansk befinden sich rund 26.624 Quadratkilometer, also etwa 99,77 % der Fläche, unter Kontrolle der russischen Truppen. So erklärt sich der tatsächliche Unterschied zwischen der „nahezu vollständigen“ Kontrolle der Oblast Luhansk und dem fast 20-prozentigen „Fenster“ in der Oblast Donezk, warum gerade diese Region die Zone aktiver Kampfhandlungen und das Schlüsselziel neuer Befehle bleibt.
Offensive der Streitkräfte der Ukraine und Gebietsbilanz 2026
Zuvor hatte Selenskyj mitgeteilt, dass Russland seit Beginn des Jahres 2026 rund 990 qkm ukrainisches Gebiet besetzt habe, während die Verteidigungskräfte etwa 820 qkm befreit hätten. Der Präsident erklärte, dass die Ukraine bis Ende des Jahres beabsichtige, diese Werte auszugleichen. Darüber hinaus führen die Streitkräfte der Ukraine aktive Offensive auf der Alexandrowka-Richtung: Seit Jahresbeginn haben die ukrainischen Streitkräfte 26 Ortschaften in den Oblasten Dnipropetrowsk, Donezk und Saporischschja befreit.
Widersprüchliche Daten
In den Formulierungen der Quellen gibt es eine wesentliche Diskrepanz im geografischen Umfang. Die Schlagzeilen einiger Medien und die allgemeine Rhetorik sprechen von „Fristen für die Eroberung des Donbass“ insgesamt, während das ISW im Bericht 15 Fristen ausdrücklich für die Oblast Donezk festhält, nicht für den Donbass insgesamt (Oblasten Donezk + Luhansk). Da die Oblast Luhansk bereits zu rund 99,77 % unter russischer Kontrolle steht, beziehen sich die „fünfzehn Fristen“ in der Sache auf die Donezker Achse. Außerdem wird der Befehl Putins indirekt über die Aussage Selenskyjs vermittelt, nicht durch eine direkte Bestätigung aus russischen Quellen, was diesen Teil der Information von einer Konfliktpartei abhängig macht.