Am Donnerstag, dem 17. September, unterzeichnete der russische Präsident Wladimir Putin ein Dekret, mit dem die russischen Vermögenswerte der ausländischen Unternehmen Auchan und Nestlé sowie der ehemaligen Kette Leroy Merlin in die vorübergehende Verwaltung überführt werden. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Berufung auf die kremlnahe Agentur „Interfax“. Laut dem Medium wurden eine Reihe von Logistik- und Handelsstrukturen unter Kontrolle gestellt, was de facto die Enteignung der Geschäfte jener Unternehmen legalisiert, die trotz des vollen Einmarschs Russlands in die Ukraine den russischen Markt nicht verlassen haben.
Inhalt des Dekrets und Verwaltungsstruktur
Gemäß dem Wortlaut des Dekrets sind die Vermögenswerte in die vorübergehende Verwaltung der Aktiengesellschaft „L.E.V. Management“ übergegangen. In den Verwaltungsbereich dieser Struktur wurden neben den wesentlichen Handels- und Produktionsvermögen die Unternehmen FM Logistics und Bati Logistics sowie die LLC „Le Monlid“ – die juristische Person der ehemaligen Kette Leroy Merlin – einbezogen. Auf diese Weise erhält ein einheitliches Verwaltungsgesellschaft die Kontrolle über verstreute Vermögenswerte mehrerer internationaler Marken.
Wer steckt hinter „L.E.V. Management“
Laut verfügbaren Angaben wurde die AG „L.E.V. Management“ erst im Oktober 2024, also vor etwa zwei Jahren, registriert. Als Generaldirektor des Unternehmens ist Andrei Krayuschkin eingetragen, während Informationen über die tatsächlichen Eigentümer der Struktur nicht offengelegt werden. Aus den Berichten geht hervor, dass das Unternehmen als Scheinunternehmen zu charakterisieren ist: Im Jahr 2025 führte es keinerlei aktive Tätigkeit aus, was sein Auftreten in der Rolle eines Verwalters großer Vermögenswerte zu einem zusätzlichen Aufmerksamkeitspunkt macht.
Welche Vermögenswerte in die vorübergehende Verwaltung überführt wurden
Nestlé ist seit 1994 in Russland tätig; ihr stehen sechs Produktionsstandorte in den Oblasten Kaluga, Wologda, Samara und Wladimir sowie in den Krais Perm und Krasnodar zur Verfügung. Der Gesamterlös der vier wesentlichen juristischen Personen des Unternehmens belief sich 2021 auf 29,94 Mrd. Rubel, die Einkünfte für die darauffolgenden Perioden sind unbekannt. Die Handelskette Auchan verfügt den Angaben der Quelle zufolge über 230 Filialen in 100 Städten, und seit 2022 arbeitet ihre russische Niederlassung autonom. Die ehemalige Leroy Merlin betrat 2004 den russischen Markt und wurde später in „Lemana PRO“ umbenannt; in der Verwaltung der Kette stehen 112 Filialen, 11 Darkstores und sechs Verteilzentren. Seit Dezember 2023 gehören 99,99 % der LLC „Le Monlid“ einem Unternehmen aus den VAE – Scenari Holding LP –, während die französische Gruppe Adeo 0,007 % behielt.
Widersprüchliche Angaben
In den Ausgangsmaterialien ist eine interne Unstimmigkeit in der Chronologie der Tätigkeit von Auchan in Russland vorhanden: Einerseits wird behauptet, die Kette „habe seit 2022 in Russland zu arbeiten begonnen“, andererseits wird angemerkt, dass „seit 2022 die russische Niederlassung autonom arbeite“, was logisch eine frühere Präsenz des Unternehmens auf dem Markt voraussetzt. Verschiedene Formulierungen in den Veröffentlichungen erlauben keine eindeutige Festlegung des tatsächlichen Beginns der Tätigkeit der Kette, weshalb dieser Parameter einer zusätzlichen Überprüfung bedarf. Die übrigen wesentlichen Fakten – das Datum der Unterzeichnung des Dekrets, die Liste der übergebenen Vermögenswerte und die Bezeichnung der Verwaltungsstruktur – stimmen in den betrachteten Quellen überein.
Kontext: Praxis der Konfiszierungen in Russland
Zuvor, im Januar, berichtete die Agentur Bloomberg, dass Russland einen Rekordumfang an Vermögenswerten im Wert von Billionen von Rubel konfisziert habe, jedoch nicht in der Lage sei, diese zu verkaufen, um das Militärbudget aufzufüllen; als Beispiel wurde der gescheiterte Verkauf des Moskauer Flughafens „Domodedowo“ angeführt. Auch im August unterzeichnete Putin ein Dokument über die Einführung der vorübergehenden Verwaltung an Objekten der kritischen Infrastruktur, falls deren Eigentümer das Vermögen nicht vor Angriffen ukrainischer Drohnen schützen konnten. Das neue Dekret setzt diese Logik fort und erweitert den Mechanismus der Enteignung auf die Vermögenswerte ausländischer Unternehmen, die auf dem russischen Markt geblieben sind.