Am 1. September führten im Rahmen des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) in Bischkek (Kirgisistan) der russische Präsident Wladimir Putin und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan geschlossene bilaterale Gespräche, die nach Medienberichten etwa 90 Minuten dauerten. Das Treffen fand im geschlossenen Format statt, was bereits auf die Sensibilität der besprochenen Themen hinweist, zu denen, wie der Kreml bestätigte, die Lage im Zusammenhang mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine sowie die Sicherheit im Schwarzen Meer zählten.

Format und Zusammensetzung der Delegationen

Neben den beiden Staatschefs nahmen an der geschlossenen Sitzung führende Persönlichkeiten der türkischen Diplomatie und des Auslandsgeheimdienstes teil: der türkische Außenminister Hakan Fidan und der Leiter des Nationalen Nachrichtendienstes (MİT) İbrahim Kalın. Die Anwesenheit gerade dieser beiden Personen in der Verhandlungsgruppe wird von Beobachtern traditionell als Signal dafür gewertet, dass nicht nur politisch-diplomatische, sondern auch nachrichtendienstlich-operative Aspekte der bilateralen Beziehungen besprochen wurden, darunter Fragen zur Lagebeobachtung im Schwarzen Meer.

Schwarzes Meer – Priorität der Kreml-Agenda

Der Berater des russischen Präsidenten, Juri Uschakow, erklärte bei der Bewertung des Treffens, dass der Hauptfokus der Gespräche auf der Lage im Schwarzen Meer lag. Nach seinen Worten war genau diese Frage das zentrale Thema des Austauschs zwischen den beiden Staatschefs. Damit hat der Kreml öffentlich festgehalten, dass die Sicherheit der Schifffahrt, die militärische Aktivität und die Kontrolle über den Schwarzmeerregion weiterhin zu den zentralen Punkten des russisch-türkischen Dialogs gehören.

Türkei als potenzieller Ort für Friedensverhandlungen

Der Sprecher des Kremls, Dmitri Peskow, fügte hinzu, dass Putin und Erdoğan auch die Möglichkeit besprachen, auf türkischem Gebiet Verhandlungen zur Beilegung des Krieges Russlands gegen die Ukraine durchzuführen. Peskow betonte, dass Ankara ein solches Angebot bereits wiederholt auf verschiedenen Ebenen vorgebracht habe, und die russische Seite wertet diese Initiative im Kontext der laufenden Kontakte. Dies bestätigt die Rolle der Türkei als eines der wenigen Staaten, die sowohl Moskau als auch Ankara gleichzeitig als potenziellen Vermittler positionieren.

„Privilegierter Partner“ und wirtschaftliche Ausrichtung

Während des Treffens bezeichnete Wladimir Putin die Türkei als einen der „privilegierten Partner“ Russlands in der Außenpolitik und in der Wirtschaft und hob hervor, dass die bilateralen wirtschaftlichen Beziehungen auf einem hohen Niveau blieben, auch dank des persönlichen Interesses Erdogans an der Entwicklung der Beziehungen. Der türkische Präsident erklärte seinerseits, dass die Beziehungen zwischen Ankara und Moskau „tatsächlich auf einem weiter entwickelten Niveau stehen als in jeder früheren Phase“. Eine solche Rhetorik auf beiden Seiten deutet auf den Wunsch hin, die politische Annäherung durch wirtschaftliche Vereinbarungen zu festigen.

Widersprüchliche Angaben

Bei der Faktenprüfung wurden in den Quellen Abweichungen hinsichtlich des Ortes und des zeitlichen Kontexts des SCO-Gipfels festgestellt. Der ursprüngliche Text und der Beitrag der „Moskowskij Komsomolz“ vom 1. September 2026 nennen Bischkek (Kirgisistan) als Ort des Treffens. Gleichzeitig berichtet eine Veröffentlichung von RFI vom 31. August 2025 über den Beginn des SCO-Gipfels „in China“ mit der Teilnahme Putins. Der Unterschied im Jahr und im Gastgeberland kann sowohl auf Verwirrungen in den redaktionellen Materialien als auch darauf zurückzuführen sein, dass es sich um verschiedene Sitzungen der Organisation handelt. Darüber hinaus beschreibt ein separater RFI-Beitrag aus dem Jahr 2023 ein Treffen Putins und Erdogans in Sotschi, was ein eigenständiges vergangenes Ereignis ist und nicht mit den September-Gesprächen in Bischkek identisch ist. Bis zum Erhalt zusätzlicher Bestätigungen bedürfen die genaue Lokalisierung und das Datum des Gipfels, im Rahmen dessen das Treffen stattfand, einer weiteren Verifizierung.

Zusammenfassend lässt sich trotz des geschlossenen Charakters der Gespräche anhand der öffentlichen Erklärungen Uschakows und Peskows feststellen, dass die Schwarzmeer-Agenda und die Frage möglicher Friedensverhandlungen auf türkischem Gebiet die Hauptachse des russisch-türkischen Dialogs bleiben, und die Beziehungen zwischen den beiden Ländern durchleben, nach Einschätzung der Staatschefs selbst, eine Phase maximaler Annäherung.