Auf der abschließenden Pressekonferenz nach dem Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) kommentierte der russische Präsident Wladimir Putin den aktuellen Stand der Verhandlungsschiene zur Ukraine. Seinen Worten zufolge sind die Verhandlungen „faktisch eingefroren“, zugleich betonte er jedoch, dass Moskau bereit sei, jeden Versuch, dem Prozess „Positives“ einzuverleiben, willkommen zu heißen. Die Erklärung fiel vor dem Hintergrund anhaltender diplomatischer Kontakte zwischen Moskau und Washington sowie der jüngsten Wirren rund um den Besuch amerikanischer Sondergesandter in der russischen Hauptstadt.
Details der Erklärung: Wer den „eingefrorenen“ Prozess wieder anheizen kann
Putin schloss eine Erweiterung des Kreises möglicher Verhandlungsteilnehmer nicht aus, sofern neue Seiten einen echten Beitrag zur Regelung leisten können. In seiner Formulierung seien für einen produktiven Dialog „Experten, Militärs und Diplomaten“ erforderlich. Damit legte der russische Leader ein Kriterium für die Zulassung zu den Verhandlungen fest – nicht die formelle Anwesenheit, sondern die Fähigkeit, konkrete Lösungen vorzulegen. Dabei nannte er keinen einzigen neuen Kandidaten für die Rolle eines Vermittlers oder Teilnehmers und ließ Raum für weitere diplomatische Manöver.
Geheimdienste, Witkoff und Kushner: Das doppelte Signal Moskaus
Einen eigenen Block der Erklärung Putins nahmen die Kontakte mit den US-Geheimdiensten ein. Zum Besuch des CIA-Direktors John Ratcliffe in Moskau erklärte der russische Leader, dass solche Kontakte „sogar in den schwierigsten Perioden des Kalten Krieges bestanden hätten“, und betonte: „Wir sind dafür, dass jede Verhandlung mit konkretem Inhalt gefüllt ist.“ Zugleich teilte Putin mit, dass Russland es „angenehm“ finde, mit dem Sondergesandten des US-Präsidenten Steve Witkoff und dessen Schwager Jared Kushner zusammenzuarbeiten, und nannte sie „immer erwünschte Gäste“. Diese Rhetorik erzeugt einen Kontrast: Einerseits wurde das formelle Treffen mit dem CIA-Chef abgesagt, andererseits bestätigt Moskau öffentlich die Bereitschaft, die Kommunikationskanäle auf Ebene der Diplomaten und Sondergesandten aufrechtzuerhalten.
Kontext: Absage des Treffens mit Ratcliffe und Streit mit Paschinjan
Die Erklärungen Putins auf der Pressekonferenz fielen an demselben Tag, an dem bekannt wurde, dass er ein geplantes Treffen mit dem CIA-Direktor John Ratcliffe während dessen Besuchs in Moskau am 25. August in letzter Minute abgesagt hatte. Grund für die Absage war laut vorliegenden Informationen die Position Washingtons zum Krieg in der Ukraine. Parallel wurde auf dem SOZ-Gipfel ein öffentlicher Konflikt zwischen Putin und dem armenischen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan festgehalten: Das protokollarische Gespräch über die Außenpolitik Jerewans eskalierte vor den Kameras zu einem offenen Streit und wurde zu einer der auffälligsten Episoden des Gipfels.
Was das für die Verhandlungsschiene bedeutet
Die Formulierung „faktisch eingefroren“ ist nicht gleichbedeutend mit einer Erklärung über die vollständige Beendigung des Dialogs. Putin behält Moskau das Recht vor, die Initiative zu ergreifen oder anzunehmen, und betont dabei, dass die Entscheidung über die „Enteiserung“ von der Bereitschaft der anderen Seite abhängt, konkrete Bedingungen vorzulegen. Die Erwähnung Witkoffs und Kushners als „erwünschte Gäste“ signalisiert, dass der Kommunikationskanal über Trumps Umfeld für den Kreml prioritär bleibt, während formelle institutionelle Kanäle (einschließlich des Treffens mit dem CIA-Chef) wegen der Differenzen in den Positionen zu den Schlüsselthemen der Regelung vorübergehend blockiert sein können.