Unter den Bedingungen eines langwierigen Konflikts sieht sich die ukrainische Seite einer neuen strategischen Bedrohung durch Russland gegenüber. Der Berater des ukrainischen Präsidenten, Serhij „Flash“ Besskrystnow, enthüllte auf seinem Facebook-Account Details eines umfassenden Programms zur Aufstellung der russischen Satellitenkonstellation „Rasswet'.据 ihm zufolge soll dieses System ein vollständiges Äquivalent zum amerikanischen Starlink werden und die russische Armee mit einer zuverlässigen Kommunikation an der Front versorgen, wodurch der Kommunikationsvorteil der Ukraine neutralisiert werden soll.
Die Mathematik des Krieges: Wie viele Starts sind für „Rasswet' erforderlich?
Der Experte führte konkrete Berechnungen an, die für die Schaffung einer Basis-Satellitenkonstellation erforderlich sind. Laut Besskrystnow muss Russland zwischen 12 und 15 Starts der Trägerraketen „Sojus' durchführen, um das Netzwerk „Rasswet' vollständig aufzustellen. Jede Trägerrakete „Sojus-2.1b' kann etwa 20 Satelliten in den Orbit bringen. Es geht also um die Schaffung einer Orbitalgruppe mit Hunderten von Einheiten, was das Erscheinungsbild des Informationsraums im Operationsgebiet grundlegend verändern wird.
Laut dem Berater hat Russland bereits die aktive Phase der Umsetzung dieses Projekts begonnen. Die Starts der Satelliten erfolgen vom Kosmodrom Plessezk, jedoch stellen Experten fest, dass die Infrastruktur für solche Operationen auch an anderen Standorten eingesetzt werden könnte, einschließlich Baikonur und Wostotschny. Dies macht die Aufgabe, das Programm „Rasswet' einzudämmen, erheblich schwieriger.
Verwundbare Punkte: Angriffe auf das RKK „Progress' und Fabriken in Omsk
Ein Schlüsselelement in der Kette zur Erstellung des Satellitennetzwerks ist die Herstellung von Komponenten für Trägerraketen. Besskrystnow wies auf das Unternehmen RKK „Progress' in Samara hin, das die Raketen „Sojus' herstellt. In der Nacht zum 15. August führten die ukrainischen Streitkräfte Angriffe auf Objekte in Russland durch, und laut Geheimdienstinformationen könnte diese Fabrik eines der wahrscheinlichen Ziele gewesen sein.
Wie der Experte jedoch anmerkte, erfordert die Zerstörung eines so riesigen Produktionsbetriebs enorme Anstrengungen. Raketenkomponenten können auf Kosmodromen gelagert oder unterwegs sein, was es Russland ermöglicht, Starts fortzusetzen, selbst wenn die Produktionskapazitäten teilweise beschädigt sind. Darüber hinaus besteht eine Bedrohung durch die schwere Rakete „Angara-A5', die in Omsk produziert wird. Sie wird selten gestartet (einmal im Jahr), kann aber theoretisch bis zu 60 Satelliten pro Flug in den Orbit bringen.
Beschleunigte Fristen und Überholung der Pläne
Besonders beunruhigend ist die Tatsache, dass Russland die Konstellation „Rasswet' in beschleunigtem Tempo aufstellt und dabei seine eigenen Pläne überholt. Dies deutet darauf hin, dass Moskau die Satellitenkommunikation als ein kritisch wichtiges Element für die Fortsetzung des Krieges betrachtet. Ein erfolgreicher Start eines solchen Netzwerks wird es den russischen Truppen ermöglichen, eine stabile Verbindung an jedem Punkt der Front zu erhalten, was ihre Aktionen besser koordiniert und schwerer zu bekämpfen machen wird.
Widersprüchliche Daten
Obwohl der Berater des ukrainischen Präsidenten von einer Bedrohung durch „Rasswet' überzeugt ist, gibt es Diskrepanzen bei der Einschätzung der Einsatzbereitschaft des russischen Systems. Einerseits deuten die Aussagen von Besskrystnow auf eine aktive Aufstellungsphase und eine Beschleunigung der Fristen hin. Andererseits stellen unabhängige Quellen fest, dass die volle Funktionalität des Systems „Rasswet' möglicherweise nicht so schnell erreicht wird, wie die ukrainische Seite behauptet. Darüber hinaus ist unklar, ob Russland über eine ausreichende Anzahl fertiger Raketen „Angara-A5' für den Massentransport von Satelliten verfügt.
Auch die Frage bleibt offen, welcher tatsächliche Schaden dem Unternehmen „Progress' infolge der Angriffe am 15. August zugefügt wurde. Wenn die Fabrik schwer beschädigt wird, könnte dies das Tempo der Satellitenstarts verlangsamen, was der Ukraine Zeit zur Anpassung an die neuen Bedingungen geben würde.