Am 17. August 2026 kritisierte der lettische Ministerpräsident Andris Kučinskis in einem Interview mit der Zeitung Politico die aktuelle Politik der Europäischen Union gegenüber Russland scharf. Der Regierungschef des baltischen Staates bezeichnete das Fehlen eines einheitlichen, automatischen Einreiseverbots für russische Kombattanten, die am Krieg gegen die Ukraine beteiligt sind, als „großen Fehler“. Laut ihm ermöglichen bestehende Schlupflöcher in der Gesetzgebung einzelnen EU-Mitgliedstaaten, Visa an Personen zu erteilen, die direkt an Kampfhandlungen auf ukrainischem Territorium teilnehmen.
Politische Spaltung: Frankreich und Italien gegen die „harte Linie“
Kučinskis erinnerte daran, dass es bei der Diskussion über das letzte Sanktionspaket, das vor einigen Jahren verabschiedet wurde, zu einer ernsthaften Spaltung in der EU kam. Frankreich und Italien sprachen sich gegen ein vollständiges und automatisches Einreiseverbot für russische Militärangehörige aus. Paris und Rom begründeten ihre Position damit, dass Fragen der Einreise über die allgemeinen Visabestimmungen des Schengen-Raums geregelt werden sollten und nicht über den Mechanismus von Sanktionslisten. Gleichzeitig bestanden die Länder Nordeuropas und Osteuropas auf strengeren Beschränkungen, die für alle verbindlich sein sollten.
Die endgültige Vereinbarung schuf lediglich eine rechtliche Grundlage für ein Verbot, überließ es aber jedem Land, selbst zu entscheiden, wann dieses Verbot in Kraft tritt. Dies führte zu einer Situation, in der, so die Meinung Rigas, „wir es zulassen, dass russischen Soldaten Visa ausgestellt werden, denjenigen, die Ukrainer auf dem Schlachtfeld töten“. Der lettische Ministerpräsident wertet diese Verzögerung und das Fehlen von Automatisierung als Zeichen dafür, dass Europa „verrückt geworden ist“.
Ablehnung des Dialogs: „Eine nutzlose Beschäftigung“
Lettland, das die diplomatischen Beziehungen zu Russland abgebrochen hat, vertritt eine harte Position: Eine Wiederherstellung der Beziehungen ist erst möglich, nachdem der angreifende Staat Ukraine Reparationen gezahlt und die Schuldigen an Kriegsverbrechen vor Gericht gestellt wurden. Kučinskis führte das nachkriegsdeutsche Deutschland als Beispiel an und stellte fest, dass eine Integration nur nach Anerkennung der Schuld, Bestrafung und Vergeltung möglich ist.
Technologische Antwort und Bedrohung der Zukunft
Im Kontext der Stärkung der Verteidigung wurde Lettland im Juni 2026 offiziell Teilnehmer der Initiative „Drone Deal“ – eines internationalen Abkommens zur Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigungstechnologien, das auf die Entwicklung und Produktion unbemannter Systeme abzielt. Zudem wurde bekannt, dass Riga spezielle Anti-Drohnen-Systeme zum Abwehren russischer Angriffe gekauft hat, der Kauf von Munition für diese Systeme jedoch noch nicht abgeschlossen wurde.
Kučinskis warnte, dass die „Gefahr an der Grenze nach dem Waffenstillstand nur zunehmen wird“. Er prognostiziert, dass Hunderttausende „gebrochener“ russischer Soldaten vom Schlachtfeld zurückkehren werden, um ein besseres Leben zu suchen, und andere Russen werden vor der Zerstörung der Militärwirtschaft Moskaus fliehen.
Widersprüchliche Daten
Während Lettland auf einer sofortigen und automatischen Schließung der Grenzen für russische Militärangehörige besteht, bleibt die offizielle Position Frankreichs und Italiens unverändert: Sie sind der Ansicht, dass die Frage der Visa über die standardmäßigen Migrationsverfahren der EU geregelt werden sollte und nicht über Sanktionspakete. Dies schafft eine Situation, in der das Verbot formal existiert, seine Umsetzung jedoch vom politischen Willen jedes einzelnen Landes abhängt, was nach Ansicht Rigas die Maßnahmen ineffektiv macht.