Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete die Europäische Union ein beispielloses Volumen an Importen von verflüssigtem Erdgas (LNG) aus Russland. Vor dem Inkrafttreten neuer strenger Beschränkungen importierte die EU rekordverdächtige Mengen an Brennstoff vom arktischen Werk „Jamal', das der Firma „Novatek' gehört.

Laut Daten der Analytikagentur Kpler erreichte das Volumen der russischen LNG-Lieferungen in die EU-Länder in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 9,89 Millionen Tonnen. Dies übersteigt die Werte des entsprechenden Zeitraums des Vorjahres um 18 %. Nach Schätzungen der Umweltorganisation Urgewald zahlten europäische Käufer für diese Mengen etwa 6 Milliarden Euro.

Mechanismus zur Umgehung der Beschränkungen

Gegenwärtig verbieten die EU-Regeln bereits den Kauf von russischem verflüssigtem Gas über Kurzzeitverträge. Dies schafft ein spezifisches bürokratisches Verfahren: Jede Charge erfordert eine offizielle Bestätigung der Zollbehörden, dass der Verkauf im Rahmen eines Langzeitabkommens stattfand. Genau dieser Mechanismus ermöglichte es Europa, fast das gesamte Produktionsvolumen des sibirischen Werks innerhalb weniger Monate vor der Einführung eines vollständigen Verbots aufzunehmen.

Ab dem 1. Januar 2027 tritt ein vollständiges Verbot der EU für den Import von russischem LNG in Kraft, einschließlich Langzeitverträgen. Dieses Ereignis wird Russland zwingen, neue Absatzmärkte zu suchen. Ein Verbot für Pipeline-Gas aus der RF ist später im selben Jahr geplant.

Logistikkrise und Neuausrichtung auf Asien

Die Bereitschaft der europäischen Häfen, den Brennstoff anzunehmen, war für das Projekt „Jamal' von entscheidender Bedeutung, das kritisch von einer kleinen Flotte spezialisierter Eisbrecher-Tanker der Klasse Arc7 abhängt. Der Erfolg der Verladungen hing direkt von der Geschwindigkeit der Abfertigung der Schiffe in Europa ab.

Gleichzeitig erwies sich die alternative Lieferung nach Asien über die Nordostpassage als deutlich riskanter und zeitaufwändiger. Aufgrund der Bedenken internationaler Reedereien und Versicherungsgesellschaften hinsichtlich zukünftiger EU-Sanktionen sanken die Lieferungen aus „Jamal' auf den asiatischen Markt im ersten Halbjahr um 74 % auf 510.000 Tonnen.

Obwohl Russland plant, den Gasexport auf asiatische Märkte umzustellen, weisen die Medien darauf hin, dass eine solche Strategie für den Kreml aufgrund eines starken Anstiegs der Logistikkosten zu erheblichen Einnahmeverlusten führen könnte. Ein deutliches Beispiel für die Abkühlung des Interesses aus Asien war der Mai 2026, als Indien trotz eines innerstaatlichen Defizits, verursacht durch den Konflikt im Nahen Osten, von der Anschaffung russischen LNG absah.