In Brüssel entbrannte ein unerwarteter Streit, der die Sanktionsmaschine der Europäischen Union vorübergehend zum Stillstand brachte. Die Botschafter der Mitgliedstaaten konnten sich nicht auf ein 21. Paket von Beschränkungen gegen Russland einigen. Die Hauptbremse in diesem Prozess war die Position Griechenlands, dessen wirtschaftliche Interessen durch die vorgeschlagenen Maßnahmen zum verflüssigten Erdgas (LNG) bedroht wurden.

Wirtschaftliche Kalkulation gegen politischen Willen

Der entscheidende Streitpunkt war der Punkt über das Verbot der Umladung von russischem LNG in Drittländer. Athen vertrat eine harte Position: Solche Maßnahmen würden nicht nur der russischen Wirtschaft schaden, sondern auch europäischen Unternehmen, die in dieser Nische dominieren.

Griechenland ist einer der führenden Akteure auf dem europäischen Markt für den Seetransport von LNG und konkurriert auf globaler Ebene mit Giganten wie Japan, China und den USA. Die griechische Regierung befürchtet, dass, wenn europäische Tanker gezwungen sind, die Umladung von russischem Gas abzulehnen, die freigewordene Marktanteile sofort von Transportunternehmen aus Nicht-EU-Ländern übernommen werden.

Angst vor dem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit

Wie Quellen der Agentur Reuters berichten, ist die Logik Athens einfach: Sanktionen müssen präzise ins Ziel treffen – nach Moskau –, dürfen aber die eigene Wirtschaft nicht schwächen. Ein Vertreter der griechischen Seite betonte, dass neue Beschränkungen bis ins Detail durchdacht sein müssen, um ganze Sektoren der Wirtschaftstätigkeit nicht als unvorhergesehene Nebenwirkung ausländischen Spielern zu überlassen.

„Europa sollte am Ende keine Marktanteile an Nicht-EU-Spieler abtreten', fassten es in Athen zusammen. Ihrer Meinung nach sollten alle neuen Beschränkungen den Druck auf Russland erhöhen, gleichzeitig aber die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Geschäfts erhalten.

Ergebnisse der Sitzung und neue Fristen

Am Mittwoch konnten die EU-Diplomaten keine Einigung erzielen. Neben Griechenland erhob auch Österreich Einwände gegen einzelne Punkte des Pakets. Zuvor hatte der litauische Außenminister Kęstutis Budrys zugegeben, dass es im Hinblick auf zusätzliche Beschränkungen für russisches Gas noch keine Einheit gibt.

Infolgedessen wurde die Diskussion über das neue Paket auf den 23. Juli verschoben. Bis zu diesem Datum bleibt der Höchstpreis für russisches Rohöl auf dem aktuellen Niveau von 44,10 Dollar pro Barrel.

Kontext: Was bereits geschehen ist

Erinnern wir uns daran, dass die Europäische Union am 17. Juli bereits ein neues, umfassendes Sanktionspaket genehmigt hat. Damals wurden die Beschränkungen für Unternehmen erweitert, die an der Entwicklung und Produktion russischer Militärtechnik beteiligt sind. Betroffen waren Strukturen, die mit der Herstellung von Navigationsmodulen für Shahed-Drohnen und Iskander-M-Raketen in Verbindung stehen. Doch wie die Situation mit dem 21. Paket zeigt, wird die Einheit der Partnerländer in Fragen des wirtschaftlichen Krieges gegen Russland immer fragiler.