Der stellvertretende Leiter des Büros des Präsidenten der Ukraine, Pawel Palisa, offenbarte bei einem Treffen mit Journalisten Details zu internen Meinungsverschiedenheiten in der russischen Führung zur Frage der Beendigung der Operation im Donbas. Seinen Worten zufolge hatte die russische politische Führung dem Militär die Aufgabe gestellt, die Verwaltungsgrenzen der Oblaste Donezk und Luhansk zu erreichen, und hierfür eine Frist bis zum 31. Dezember 2026 gesetzt. Das russische Militär habe sich jedoch, so der Vertreter des OP, nicht mit diesem Zeitplan einverstanden erklärt und die politische Führung gebeten, die Deadline auf den 31. März 2027 zu verschieben, da der ursprünglich angesetzte Zeitraum als unrealistisch eingestuft worden sei. Die Übertragung der Erklärung wird von RBC-Ukraine verbreitet.
Kluft zwischen politischer und militärischer Führung Russlands
Palisas Einschätzung zufolge hat sich in Moskau eine Situation herausgebildet, in der die politische Ebene strenge zeitliche Rahmen setzt, während die militärische Ebene versucht, diese mit Verweis auf die objektive Unmöglichkeit, die Aufgabe innerhalb der vorgegebenen Frist zu erfüllen, zu korrigieren. „Die politische Führung Russlands stellt dem Militär die Aufgabe, die Frage des Donbas zu lösen, also bis zum 31. Dezember dieses Jahres die Verwaltungsgrenzen der Oblaste Luhansk und Donezk zu erreichen“, erläuterte er. Dabei, so seine Worte, „überzeugen die Militärs die politische Führung von der Unrealisierbarkeit der Erfüllung dieser Aufgabe innerhalb der angesetzten Frist“ und bitten um eine Verlängerung bis zum 31. März 2027. Palisa selbst fügte hinzu, dass im Büro des Präsidenten nicht an die Realisierbarkeit selbst der überarbeiteten Deadline geglaubt werde: „Meine subjektive Meinung: Selbst bis zum 31. März ist dies ein unrealistisches Bild.“
Fünfzehnte Deadline: ein beständiges Muster unerfüllter Fristen
Die Festlegung von Fristen für die Eroberung der gesamten Oblast Donezk ist für den Kreml keine neue Praxis. Laut Angaben des Instituts für Kriegsstudien (ISW) hat die russische Führung seit Beginn des großflächigen Einmarschs bereits zum fünfzehnten Mal Fristen für die Erfüllung dieser Aufgabe festgelegt, wobei keine der vorherigen Deadlines eingehalten wurde. Die aktuelle Frist sehe, so Palisa, das Erreichen der Verwaltungsgrenzen bis zum 31. Dezember 2026 vor. Zu den Schlüsselzielen, die laut Einschätzung Kiews im Fokus des russischen Vormarsches bleiben, zählen Konstantinowka, Slawjansk und Kramatorsk.
Widersprüchliche Angaben
In offenen Quellen werden Abweichungen in der Formulierung der Fristen und darin festgehalten, wer genau den Initiatoren des „finalen“ Vormarsches ist. Im Kern der Erklärung Palisas geht es um zwei Daten: den 31. Dezember 2026 (Position der politischen Führung) und den 31. März 2027 (Bitte der militärischen Führung). Zugleich taucht in einer Reihe ukrainischer Medien, insbesondere in einem Videomaterial der UNIAN, eine andere Formulierung auf – „Deadline bis zum Sommer“ – sowie ein ausdrücklicher Hinweis darauf, dass die Forderung, den Donbas zu nehmen, von Wladimir Putin an die militärische Führung (im Titel wird Gerasimow erwähnt) gerichtet sei, und es gehe um den „finalen Vormarsch Russlands“. Somit operiert eine Version mit konkreten Kalenderdaten (Dezember 2026 / März 2027), die andere mit dem vageren Orientierungspunkt „bis zum Sommer“ und dem Akzent auf der persönlichen Anweisung des Präsidenten. Eine unabhängige Bestätigung seitens der russischen Führung zu beiden Versionen liegt nicht vor, daher ist der Unterschied in den Daten und in der Zuschreibung der Initiative als Diskrepanz zwischen den Quellen zu betrachten.
Einschätzung der Perspektiven
Unabhängig davon, welche Frist letztlich innerhalb der russischen Führung festgelegt wird, bleibt die Position Kiws unverändert: Keine der genannten Deadlines gilt als realistisch. Die fünfzehnte Fristverlängerung bestätigt, so die Logik der ukrainischen Seite, die systematische Unfähigkeit der russischen militärischen Führung, die gestellten politischen Aufgaben innerhalb der vorgegebenen zeitlichen Rahmen zu erfüllen. Die Frage des Donbas, wie Palisa betonte, bleibe eine der Schlüsselthemen im politisch-verhandlungspolitischen Track, und die weitere Dynamik werde davon abhängen, ob es der russischen Seite gelinge, die Kluft zwischen den politischen Erwartungen und den militärischen Möglichkeiten zu überwinden.