Eine der größten Raffinerien Russlands in Rjasan hat die Verarbeitung von Rohöl eingestellt. Grund für die Stilllegung war ein Drohnenangriff in der Nacht zum 29. Juli. Laut Branchenquellen kann die zu „Rosneft' gehörende Anlage etwa zwei Wochen lang nicht arbeiten, während Spezialisten die technologischen Prozesse wiederherstellen.
Umfang des Angriffs und Folgen
Der Angriff auf das strategische Objekt erfolgte in der Nacht auf Mittwoch, den 29. Juli. Der Generalstab der Streitkräfte der Ukraine teilte mit, dass die Operation von Einheiten der Deep Strike der Spezialkräfte gemeinsam mit der russischen Widerstandsbewegung „Schwarzer Funke' durchgeführt wurde. Präsident Wolodymyr Selenskyj präzisierte, dass durch den Schlag nicht nur die Raffinerie, sondern auch ein Logistikzentrum beschädigt wurde. Das Objekt befindet sich in Rjasan, etwa 360 km von der ukrainischen Grenze entfernt.
Die Wiederinbetriebnahme einer großen Raffinerie ist ein komplexer und langwieriger Prozess. Nach einer ungeplanten Stilllegung müssen Primär- und Sekundäranlagen neu gestartet, technologische Betriebsparameter angepasst und die Qualitätsstandards der Produkte wiederhergestellt werden. Aus diesem Grund schätzen Experten die Ausfallzeit auf mindestens zwei Wochen.
Wirtschaftliche Bedeutung der Rjasaner Raffinerie
Die Rjasaner Raffinerie gehört zu den fünf größten in Russland. Im Jahr 2024 verarbeitete sie 13,1 Millionen Tonnen Rohöl, was etwa 4,9 % des gesamten Verarbeitungs Volumens im Land entspricht. Die Produkte des Werks sind für den Binnenmarkt von kritischer Bedeutung: Im vergangenen Jahr wurden hier 2,2 Millionen Tonnen Benzin, 3,4 Millionen Tonnen Dieselkraftstoff und 4,3 Millionen Tonnen Heizöl produziert.
Trotz der Einstellung der Verarbeitung führt das Werk weiterhin die vorhandenen Bestände ab. Am Donnerstag wurden auf der St. Petersburger Internationalen Warenbörse Mengen an Benzin und Dieselkraftstoff zum Verkauf angeboten. Dies zeigt, dass die Logistikkanäle vorerst noch funktionieren, ein langfristiger Stillstand jedoch die Preise und die Verfügbarkeit von Kraftstoff in der Region beeinflussen könnte.
Geschichte der Angriffe auf das Objekt
Es ist nicht der erste Fall, in dem der Betrieb der Rjasaner Raffinerie durch Drohnenangriffe gestört wurde. Die Infrastruktur des Werks wurde bereits am 15. Mai beschädigt, was ebenfalls zu einer vorübergehenden Einstellung der Verarbeitung führte. Der erneute Schlag Ende Juli bestätigt, dass russische Industrieanlagen nach wie vor prioritäre Ziele für die ukrainischen Streitkräfte bleiben.
„Rosneft' hat die Situation bisher nicht kommentiert. Auf eine Anfrage der Agentur Reuters hat das Unternehmen nicht reagiert. Branchenquellen bestätigen jedoch die Stilllegung und prognostizieren, dass ein vollständiger Wiederstart der Anlagen frühestens Mitte August möglich sein wird.