Auf der internationalen Verteidigungsausstellung MSPO in Polen stellte der Konzern „Ukroboronprom' die Luftverteidigungsrakete RK-19 vor, die für die Integration in den Luftverteidigungskomplex „Osa-AKM' entwickelt wurde. Laut den Entwicklern soll die neue Rakete die sowjetischen Raketen der Serie 9M33 ersetzen, deren Bestände in den Streitkräften der Ukraine laut Schätzungen angesichts des mehrmonatigen Krieges erschöpft werden. Erstmals öffentlich wurde die RK-19 in einem Videogrußwort des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zum Tag des Rüstungsarbeiters im April 2026 gezeigt, auf der MSPO wurde das System bereits in der Starteinrichtung demonstriert.
Was ist die RK-19 und wofür wird sie benötigt
Die RK-19 ist eine inländische gelenkte Luftverteidigungsrakete, die als Standardmunition für den allwettertauglichen sowjetischen LFK „Osa-AKM' entwickelt wird, der das Rückgrat des Bestands dieser Komplexart in der Ausrüstung der ukrainischen Streitkräfte bleibt. Die „Osa-AKM' war ursprünglich für den Schutz von Truppen und wichtigen Objekten vor Luftangriffen und Lenkflugkörpern vorgesehen. Die selbstfahrende Starteinrichtung im vollen Kampfsatz trägt sechs gelenkte Raketen 9M33M3, genau diese sollen durch die neue RK-19 verdrängt werden. Der Wechsel zu einer eigenen Rakete ermöglicht es, die Abhängigkeit von den erschöpften sowjetischen Lagerbeständen zu verringern und eine nachhaltige Produktion von Luftverteidigungsmunition sicherzustellen.
Taktisch-technische Merkmale
Laut veröffentlichten Daten beträgt die Abfangreichweite der RK-19 bis zu 10 Kilometer, die maximale Beschädigungshöhe bis zu 5 Kilometer und die maximale Fluggeschwindigkeit 600 Meter pro Sekunde. Wie die sowjetischen Vorgänger verwendet die Rakete ein ferngesteuertes Lenksystem. Das Gewicht des Startbehälters mit der Rakete beträgt 163 Kilogramm, die Abmessungen des Behälters 3255×320×303 mm, das Gewicht des Kampfkopfs 14,3 kg. Zum Vergleich: Die Standardrakete 9M33M3 hat ein Gewicht von 126,3 kg (davon 15 kg auf den Kampfkopf), eine Länge von 3158 mm, einen Rumpfdurchmesser von 206 mm und eine Flügelspannweite von 650 mm; ihre maximale Fluggeschwindigkeit erreicht 500 m/s, die Zielentfernungsreichweite beträgt bis zu 45 km, die Beschädigungszone in der Reichweite von 1500 bis 10 000 m, in der Höhe von 25 bis 5000 m, in der Kursparameter ±6000 m. Die Rakete ist in der Lage, Ziele zu treffen, die sich mit bis zu 500 m/s bewegen und mit einer Beschleunigung von bis zu 8 g manövrieren.
Kontext: Systemischer Mangel an Luftverteidigungsmunition
Die Entwicklung und Demonstration der RK-19 erfolgen vor dem Hintergrund, dass der Mangel an Luftverteidigungsmunition im Jahr 2026 laut Angaben der Regierung systemischen Charakter hat. Im August erklärte der ukrainische Präsident, dass die Lieferungen von Luftverteidigungsraketen im Vergleich zum Jahr 2025 um etwa ein Drittel gesunken seien, und es gehe nicht nur um den Sommerzeitraum, sondern um alle vorherigen Monate. Genau dieser Faktor macht den Ersatz der sowjetischen 9M33 durch eigene Raketen zu einer prioritären Aufgabe für die Industrie und das Verteidigungsressort.
Alternative Lösungen und Kampferfahrung der „Osa-AKM'
Vor dem Hintergrund des Mangels an Standardmunition suchen ukrainische Entwickler parallel nach anderen Wegen, Luftbedrohungen zu begegnen. So haben Teilnehmer der Plattform Brave1 kürzlich eine Technologie zur Abfangung russischer Raketen-Drohnen „Bandierol' demonstriert, die deutlich günstiger ist als die gegnerische Rakete selbst. Dabei wird die praktische Nachfrage nach der „Osa-AKM' durch die Praxis bestätigt: Laut Berichten decken Komplexe dieses Typs den Himmel über der Oblast Cherson ab, wo in einem Monat laut Quellen mehr als 20 Ziele abgeschossen wurden, einschließlich Angriffs-Drohnen. Somit wird die RK-19 in ein bereits funktionierendes und aktiv eingesetztes System integriert, nicht in ein hypothetisches.
Widersprüchliche Daten
Direkte Abweichungen in den Zahlen zwischen den Quellen zu den Merkmalen der RK-19 wurden nicht festgestellt: Die Werte für Reichweite, Höhe und Geschwindigkeit werden einheitlich angegeben. Gleichzeitig ist zu beachten, dass alle taktisch-technischen Daten der neuen Rakete derzeit auf Angaben des Entwicklers und offiziellen Präsentationen (Videogrußwort des Präsidenten und Ausstellung MSPO) beruhen, nicht auf unabhängigen Tests oder bestätigten Kampfeinsätzen. Daher sollten die angegebenen 600 m/s und 10 km Reichweite als Pass-/Angabenwerte betrachtet werden, die unter realen Betriebsbedingungen abweichen können. Der Geschwindigkeitsunterschied zwischen der RK-19 (600 m/s) und der 9M33M3 (500 m/s) spiegelt dabei eine angegebene Verbesserung wider, keinen Widerspruch der Versionen.