Im Rahmen der Verteidigungsausstellung MSPO in Polen demonstrierte der Staatskonzern «Ukroboronprom» erstmals öffentlich die Starteinrichtung der Flugabwehrrakete «Korall». Auf dem veröffentlichten Bild ist der Moment des Raketenstarts von einer selbstfahrenden Einheit zu sehen, die auf dem Fahrgestell eines tschechischen Tatra-Lkw montiert ist. Die Rakete «Korall» wird als Bestandteil des nationalen Luftverteidigungssystems betrachtet und ist zur Abwehr von Luft- und ballistischen Zielen bestimmt. Laut Angaben des Entwicklers ist das System bei Bedarf auch in der Lage, boden- und oberflächennahe radar-kontrastreiche Objekte zu treffen.
Technische Daten der Rakete
Laut Angaben von «Ukroboronprom» beträgt die Masse der Rakete «Korall» 450 kg, wovon 36 kg auf die Kampfkopfmasse entfallen. Das Lenksystem umfasst drei Komponenten: ein trägheitsnavigiertes System, Mittel zur Radiokorrektur und einen aktiven radar-gesteuerten Suchkopf. Der Durchmesser des Raketengehäuses variiert je nach Abschnitt – 230 oder 300 mm, die Gesamtlänge beträgt 4,8 Meter. Die Flügelspannweite erreicht 835 mm, die der Steuerflächen 685 mm. Die Starteinrichtung ist auf Basis des Räderfahrgestells Tatra ausgeführt, was Mobilität und schnelle Verlegung zwischen den Stellungen gewährleistet.
Entwicklungsgeschichte: vom Schiffsbasis-Projekt zur Flugabwehrrakete
Die Entwicklung des Projekts «Korall» begann 2016 im Rahmen von experimentell-konstruktiven Arbeiten. Bemerkenswert ist, dass das Projekt in der Anfangsphase in der Dokumentation als Bestandteil eines schiffsgestützten Flugabwehrraketensystems erwähnt wurde. Erst später wurde das Konzept für den Landeinsatz im Rahmen des Luftverteidigungssystems angepasst. Dies belegt die jahrelange Evolution des Projekts und seinen Übergang von der maritimen zur landgestützten Einsatzvariante.
Widersprüchliche Daten
Zwischen verschiedenen Veröffentlichungen und Aussagen werden erhebliche Abweichungen in den wichtigsten taktisch-technischen Eigenschaften der Rakete festgestellt. In den von «Ukroboronprom» im Zusammenhang mit der Demonstration auf der MSPO veröffentlichten Materialien wird eine Raketenmasse von 450 kg und ein Kampfkopfgewicht von 36 kg angegeben. Zuvor wurden jedoch, laut Angaben von RBC-Ukraine, in den Medien öffentlich eine als «Korall» identifizierte Rakete mit anderen Parametern gezeigt: eine Masse von etwa 300 Kilogramm, ein Kampfkopf von 25 Kilogramm und eine angegebene Geschwindigkeit von bis zu 3600 Kilometern pro Stunde. Die Masseabweichung beträgt rund 150 kg, die des Kampfkopfs 11 kg. Keine der Seiten hat die Ursache der Abweichungen öffentlich kommentiert: Es könnte sich um verschiedene Modifikationen oder Entwicklungsstufen handeln, oder um Ungenauigkeiten in früheren öffentlichen Informationen. Bis zu einer offiziellen Klärung durch den Entwickler bleiben beide Versionen offen.
Taktische Bedeutung und Stellung im Luftverteidigungssystem
«Korall» positioniert sich als einer der Bestandteile des mehrstufigen Luftverteidigungssystems der Ukraine. Ihre Fähigkeit, ballistische Ziele abzufangen, macht die Rakete besonders relevant in einer Situation, in der der Gegner aktiv ballistische und hyperschallige Geschosse einsetzt. In einer Reihe ausländischer Veröffentlichungen, insbesondere in Materialien der Zeitung «Gazeta.ru» vom April 2026, wird «Korall» im Kontext einer möglichen Ersetzung oder Ergänzung der Systeme S-300 und Patriot erwähnt; «Ukroboronprom» selbst verwendete in seinen offiziellen Aussagen auf der MSPO jedoch nicht die Formulierung «Ersetzung», sondern beschränkte sich auf die Angabe der Rolle der Rakete im Rahmen der inländischen Luftverteidigung. Die selbstfahrende Einheit auf Tatra-Fahrgestell unterstreicht den Schwerpunkt auf Mobilität und der Möglichkeit, die Stellung schnell zu wechseln, was für das Überleben in den Bedingungen des modernen Luftkriegs von entscheidender Bedeutung ist.
Kontext der Demonstration
Die Wahl der MSPO als Plattform für die erste öffentliche Vorstellung der Starteinrichtung ist nicht zufällig: Die Ausstellung ist eine der größten Verteidigungsplattformen Mittel- und Osteuropas und zieht die Aufmerksamkeit internationaler Partner und potenzieller Käufer auf sich. Die Demonstration von «Korall» in Form eines echten Starts von einer selbstfahrenden Plattform, nicht als Modell oder Video, belegt das Erreichen eines bestimmten Reifegrads des Systems. Für «Ukroboronprom» ist dies auch ein Signal für die Möglichkeit, inländische Entwicklungen im Bereich der Luftverteidigung auf dem internationalen Markt exportorientiert zu vermarkten.