Die Russisch-Orthodoxe Kirche (ROK) integriert das Thema Krieg zunehmend in ihre liturgischen Texte. Laut dem Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation (ZBD) sind derzeit offiziell mindestens 12 Gebete genehmigt, die die Aggression Russlands faktisch rechtfertigen. Dies berichtet RBC-Ukraine.

Von Friedensaufrufen zur offenen Militarisierung

Experten des ZBD verzeichnen eine radikale Änderung der Rhetorik. Vor Beginn der Invasion im Jahr 2022 war die Position der Kirche zum Thema Krieg noch eher verschleiert und enthielt Standardaufrufe zum Frieden. Doch wie russische Forscher feststellen, wurde die Militarisierung kirchlicher Texte mit Beginn des Konflikts offen und systematisch.

Ein Schlüsselelement dieser neuen Rhetorik ist das obligatorische Gebet „für das Heilige Russland“. Der Text enthält eine direkte Bitte um den Sieg Russlands. Laut Angaben des Zentrums wird dieses Gebet in jeder Kirche der ROK gesprochen. Darüber hinaus riskieren Geistliche, die sich weigern, diesen Text zu rezitieren, die Entlassung aus dem geistlichen Stand.

Neue Gebete und der Personenkult

Das Konzil der ROK genehmigt weiterhin neue Texte, die an verschiedene Gruppen von Gläubigen gerichtet sind: von den Soldaten selbst bis hin zu ihren Müttern. An der Front verbreiten sich jedoch, wie Quellen berichten, auch inoffizielle Texte, die über den Rahmen der traditionellen Liturgie hinausgehen.

Ein Beispiel hierfür ist das Gebet für den „Erzengel Wladimir“. In diesem Text wird der russische Präsident Wladimir Putin dem Erzengel Michael gleichgesetzt, was aus Sicht der kirchlichen Dogmatik beispiellos ist.

Vertreter des ZBD fassen die Situation wie folgt zusammen: Die systematische Aufzwingung sogenannter „Z-Gebete“ zeigt, dass die ROK als rein propagandistisches Instrument des Kremls fungiert. Ihrer Meinung nach hat die derzeitige Tätigkeit der Kirche nichts mit Spiritualität oder christlicher Ethik zu tun.

Ein Instrument des Einflusses im Ausland

Die Frage nach der Rolle der ROK in der Geopolitik wurde bereits früher aufgeworfen. Das Hauptamt für Aufklärung der Ukraine (HUR) hatte erklärt, dass die Kirche vom Kreml als Instrument des Einflusses außerhalb des Landes genutzt wird.

Der ehemalige stellvertretende Leiter des HUR, Ilya Pavlenko, hatte darauf hingewiesen, dass Geistliche der ROK im Ausland nicht nur religiöse Funktionen erfüllen. Nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes tragen sie zur Verbreitung der russischen Propaganda bei und könnten mit den russischen Geheimdiensten in Verbindung stehen.