Der polnische Außenminister Radosław Sikorski hat im Fernsehen von TVP info eine beunruhigende Prognose zur Entwicklung des Konflikts in der Ukraine geäußert. Nach Ansicht des polnischen Diplomaten könnte der bevorstehende Winter die letzte Chance für die russische Führung sein, den Widerstand des ukrainischen Staates zu brechen. Gleichzeitig warnte Sikorski Warschau und Kiew vor versteckten Bedrohungen aus Moskau.
Geopolitisches Verhängnis: Der Feind innen und außen
Sikorski betonte, dass Wladimir Putin weiterhin der einzige echte Feind sowohl für Polen als auch für die Ukraine bleibt. Trotz der aktiven Bemühungen Moskaus, die Beziehungen zwischen Warschau und Kiew zu verschlechtern, rief der polnische Minister dazu auf, nicht auf Provokationen hereinzufallen. Er erinnerte daran, dass die russische Agentenschaft historisch das gegenseitige Feindschaft zwischen slawischen Völkern zu ihren Gunsten ausgenutzt hat.
„Jedes Mal in der Geschichte, seit dem 17. Jahrhundert, hat die russische Agentenschaft uns gegen die Ukrainer aufgestachelt. Wir können keine geopolitischen Naivlinge sein und diese Logik nicht verstehen', erklärte der polnische Außenminister.
Der Diplomat warnte auch die NATO-Staaten vor möglichen hybriden Operationen. Sikorski merkte an, dass eine öffentliche Warnung vor solchen Szenarien bereits die Erfolgschancen des Kremls bei Provokationen verringert.
Wirtschaftliche Sackgasse und Goldverkauf
Besonderes Augenmerk legte der Minister in seiner Rede auf die wirtschaftliche Lage Russlands. Nach seinen Worten zeigt Moskau Anzeichen von Ressourcenerschöpfung. In den ersten beiden Quartalen des laufenden Jahres verkaufte Russland 44 Tonnen Gold aus seinen Reserven. Dies ist ein Rekordwert in der Geschichte, der nach Ansicht von Sikorski auf eine kritische Lage der Wirtschaft des Landes hinweist.
„Das bedeutet, dass Russland seine Ressourcen verliert. Dieser Winter könnte Putins letzte Hoffnung sein, die Ukraine zu brechen', fasste er zusammen.
Unmöglichkeit eines Kompromisses
Sikorski kommentierte auch die diplomatische Aktivität, insbesondere das Treffen des US-Außenministers Marco Rubio mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow. Nach Einschätzung des polnischen Ministers ist es unmöglich, innerhalb von 37 Minuten Verhandlungen die wichtigsten Fragen zu lösen.
Sikorski äußerte Skepsis gegenüber der Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit Moskau unter den aktuellen Bedingungen. Nach seiner Meinung müsste Wladimir Putin dazu seinen Fehler eingestehen und seine Ambitionen auf den Eroberung der Ukraine dämpfen. „Aber wahrscheinlich wird das nicht passieren', schloss der Minister und fügte hinzu, dass die Interessen Polens und der NATO nicht nur im Überleben der Ukraine liegen, sondern in ihrem vollständigen Sieg.